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Es war ein frostiger Freitagabend im Januar, aber die 18.466 Fans im Ersboda-Stadion hatten sich aufgewärmt - und wie! Was als Heim-Gala begann, endete in einem bitteren 2:3 für Ersboda BK gegen ein abgeklärtes Ängelholms FF. Ein Spiel, das alles hatte: Traumtore, Platzverweis, Gelbe Karten in Serie und einen Trainer, der sich nach Abpfiff an seinem Schal festklammerte, als hinge sein Beruf daran. Dabei sah es lange nach einem perfekten Abend für die Gastgeber aus. Nach einer halben Stunde führte Ersboda verdient mit 2:0. Erst traf Urban Karlson (29.) nach Vorarbeit von Rechtsverteidiger Carl Nuno, der kurz zuvor mit einem rustikalen Tackling aufgefallen war. "Ich hab nur den Ball gespielt - und ein bisschen den Gegner", grinste Nuno später mit unschuldigem Blick. Nur vier Minuten später erhöhte Linksverteidiger Mikael Uggla (33.) mit einem satten Schuss nach Vorlage von Gerard Grenier - ein Treffer, der sogar Ugglas Friseur, der im Fanblock saß, zu Standing Ovations hinriss. Trainer Piel Juergen von Ersboda sah da noch aus wie der König des Nordens. Seine Mannschaft spielte offensiv, aggressiv, hatte 18 Torschüsse und fast die Hälfte des Ballbesitzes. Ängelholm dagegen wirkte bis dahin wie ein Team, das vergessen hatte, dass man Tore nur erzielt, wenn man schießt. Doch dann kam Nuno Garcia. Der 34-jährige Portugiese, dessen rechte Klebe vermutlich patentiert ist, zimmerte in der 38. Minute den Ball zum 2:1-Anschluss unter die Latte. Vorlage? Sigvard Eriksson, der Mann mit der Frisur eines Popstars und den Pässen eines Schachgroßmeisters. "Wir wussten, dass Nuno irgendwann trifft - er braucht nur den richtigen Kaffee vorher", witzelte Ängelholm-Coach Jonas Andersson nach dem Spiel. Nach dem Seitenwechsel wurde das Spiel ruppiger. Ersboda kassierte in Person von Carl Nuno (19.) und Mikael Uggla (20.) bereits in Halbzeit eins Gelbe Karten - und Nuno schaffte das Kunststück, in der 78. Minute mit Gelb-Rot vom Platz zu fliegen. "Er wollte wohl noch duschen, bevor’s warm Wasser alle ist", murmelte ein Fan hinter der Trainerbank. Bis dahin hatte Ersboda das Spiel noch im Griff, obwohl Ängelholm zunehmend mutiger wurde. Die Gäste blieben ihrem offensiven Stil treu, warteten geduldig - und schlugen eiskalt zu. In der 74. Minute war es wieder Nuno Garcia, diesmal nach Doppelpass mit Agemar Makukula, der das 2:2 markierte. Makukula, der bullige Angreifer mit der Eleganz eines Balletttänzers in Stahlkappen, krönte seine Leistung selbst acht Minuten später (82.) mit dem 3:2-Siegtreffer nach Vorlage von Jesper Eriksson. Die Schlussphase wurde für Ersboda zum Albtraum. Mit einem Mann weniger, ohne frische Ideen und zunehmend verzweifelt, schossen sie zwar weiter aus allen Lagen - aber eben auch daneben. Adam Hoskins donnerte den Ball in der 90. Minute noch einmal ans Außennetz, bevor der Schlusspfiff kam und 18.000 Kehlen in ein kollektives Seufzen übergingen. "Wir haben mutig gespielt, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb", sagte Trainer Juergen nach dem Spiel und starrte auf den Boden, als läge dort die Antwort auf alle taktischen Fragen. "Vielleicht hätten wir nach dem 2:0 einfach den Bus parken sollen. Einen Doppeldecker." Auf der anderen Seite grinste Ängelholms Stürmerheld Nuno Garcia, als hätte er gerade den Winter besiegt. "Ich liebe solche Spiele - wenn du erst gehasst wirst und am Ende applaudiert. Das ist besser als Sauna." Statistisch war es ein Spiel, das Ersboda hätte gewinnen können: 18 zu 8 Torschüsse, 54 Prozent Zweikampfquote, 48,5 Prozent Ballbesitz - aber Fußball kennt bekanntlich keine Gerechtigkeit. Oder, wie Makukula es formulierte: "Manchmal brauchst du nur drei Chancen - und ein bisschen Glück, dass der Gegner rot sieht." Als die Flutlichtstrahler verlöschten, blieb das Gefühl, dass Ersboda mehr gegeben hatte, als das Ergebnis zeigt. Ein Spiel, das in die Kategorie "Wie konnte das nur passieren?" fällt - und doch typisch ist für diesen Sport, der Herz, Hirn und Humor gleichermaßen beansprucht. Vielleicht sagte es ein älterer Fan auf der Tribüne am besten, während er seinen Schal enger zog: "Wir waren besser. Aber sie waren cleverer. Und clever gewinnt meistens." So bleibt Ängelholm der lachende Dritte - und Ersboda die bittere Erkenntnis, dass ein 2:0-Vorsprung manchmal nur der Anfang vom Ende ist. 21.04.643987 21:17 |
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Wir brüllen beide so laut, dass wir uns über's Spielfeld unterhalten können.
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