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Es war ein Winterabend, der in Südschweden alles hatte, was Fußballfans lieben: Flutlicht, Emotionen, ein bisschen Drama - und ein Ergebnis, das die Heimkurve in Ekstase versetzte. Ängelholms FF besiegte am 10. Spieltag der 1. Liga Schweden den Mjällby BK mit 2:1 (1:0) und machte damit das Stadion zu einem Tollhaus voller 20.000 euphorisierter Zuschauer. Trainer Lasse Fredericson von Mjällby stand nach dem Schlusspfiff mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und murmelte in seinen Schal: "Wir hatten 58 Prozent Ballbesitz, aber das bringt dir halt nichts, wenn der Ball lieber am Tor vorbeifliegt als rein." Damit fasste er treffend zusammen, was an diesem Abend geschah: Mjällby dominierte das Spiel mit Ball und Raum, doch Ängelholm dominierte das, was zählt - die Tore. Schon früh zeigten die Hausherren, dass sie nicht gewillt waren, sich vom Ballbesitzfußball der Gäste beeindrucken zu lassen. Ernst Taube prüfte in der dritten Minute den jungen Mjällby-Keeper Ingvar Johnsen mit einem Schuss aufs kurze Eck, der allerdings mehr an eine Rückgabe erinnerte. Taube grinste später: "Ich wollte nur testen, ob er wach ist. War er." Das Spiel entwickelte sich schnell zu einem offenen Schlagabtausch. Beide Teams feuerten 15 Torschüsse ab - eine erstaunlich ausgeglichene Statistik, wenn man bedenkt, dass Mjällby fast 60 Prozent Ballbesitz hatte. Doch während die Gäste das Spiel eher von hinten heraus aufbauten, setzte Ängelholm auf schnörkellose Offensive: lang, direkt, gefährlich. Kurz vor der Pause fiel dann das, was man in Fachkreisen den "psychologisch wichtigen Treffer" nennt. In der 44. Minute spielte Ernst Taube einen butterweichen Querpass auf den jungen Valter Johansson, der sich nicht zweimal bitten ließ und trocken zum 1:0 einschob. "Ich hab’ gar nicht nachgedacht", sagte Johansson danach, "und das war wohl das Beste, was ich machen konnte." Mjällby kam mit Schwung aus der Kabine. Der 17-jährige Halvard Lindström, der schon die ganze erste Halbzeit über auffällig unbekümmert aufspielte, belohnte sich in der 53. Minute. Nach Vorarbeit von Domingo Gutierre traf er aus spitzem Winkel zum 1:1 - ein Tor, das den Gästeblock aufleben ließ. Trainer Fredericson rief ihm nach dem Treffer zu: "Du bist siebzehn, Halvard, nicht siebzig - lauf dich aus!" Doch die Freude währte kurz. Zehn Minuten später drehte Ernst Taube selbst auf: In der 64. Minute nahm er eine Flanke von Jonatan Johnsen direkt und hämmerte den Ball ins rechte Eck - unhaltbar, unnachahmlich, unverschämt schön. Das Stadion bebte, und Taube breitete die Arme aus, als wollte er sagen: "Seht ihr, ich kann nicht nur testen." Danach wurde es hitzig. Jonatan Johnsen, eben noch als Vorbereiter gefeiert, holte sich erst Gelb (74.) und dann, kaum fünf Minuten später, Gelb-Rot (79.). Ängelholm musste die letzten zehn Minuten in Unterzahl überstehen. "Ich hab’ nur gesagt, dass der Schiri gut aussieht", verteidigte sich Johnsen mit einem schiefen Grinsen. Der Schiri fand’s weniger charmant. Auch Verletzungspech blieb nicht aus: Gunborg Johnsen musste in der 76. Minute nach einem Zweikampf humpelnd vom Feld - für ihn kam Valborg Taube. Die Szene, in der die beiden sich an der Seitenlinie abklatschten, hatte fast etwas Rührendes - Fußball als Familienangelegenheit. Mjällby drückte in der Schlussphase, die jungen Wilden Lindström und Norman feuerten aus allen Lagen. Doch Ängelholms Keeper Vilhelm Berglund stand wie eine schwedische Eiche im Wind - standhaft, unbeirrbar, mit leichtem Hang zur Theatralik bei jeder Parade. In der 88. Minute parierte er spektakulär gegen Ohlson - pardon, gegen den eigenen Mitspieler im Strafraumgewühl - und kassierte dafür Szenenapplaus. Am Ende blieb es beim 2:1. Ängelholm jubelte, Mjällby haderte, und die Zuschauer gingen mit roten Wangen in die kalte Nacht hinaus. "So ein Sieg fühlt sich doppelt warm an", sagte Trainer Andersson von Ängelholm (der Mann, der offenbar keine Interviews mag, aber dieses Mal nicht drum herumkam). "Wir haben mit Herz verteidigt und mit Mut angegriffen. Wenn wir so weitermachen, müssen die Großen aufpassen." Fazit? Mjällby mit schönen Pässen, Ängelholm mit schönen Toren - und das Spiel mit allem, was den Fußball so herrlich unberechenbar macht. Vielleicht das beste Kompliment kam von einem alten Fan auf der Tribüne, der beim Abpfiff murmelte: "Das war kein Spiel. Das war eine Erinnerung." Und genau so fühlte es sich an. 03.05.643987 11:13 |
Sprücheklopfer
Ich hab früher schon in der Westkurve gestanden und Lothar Matthäus beschmissen.
Mario Basler