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Ein kühler Januarabend in Piräus, die Flutlichter brennen, 37.813 Zuschauer trampeln sich warm - und am Ende geht ein junger Stürmer als Held vom Platz: Alexandros Andreadis, zarte 19 Jahre alt, köpft Olympiokos in der 69. Minute zum 1:0-Sieg über Arias FC. Es war kein Feuerwerk des Fußballs, eher ein hart erkämpftes Ringen um jeden Quadratzentimeter Rasen, aber ein Sieg ist ein Sieg - und Dirk Reichmann, der deutsche Trainer auf der Bank der Gastgeber, dürfte das mit einem stillen Ouzo gefeiert haben. Das Spiel begann munter. Schon nach fünf Minuten prüfte der flinke Paris Xanthis den Arias-Keeper Ktesias Stephanopoulos mit einem Schlenzer, der die Handschuhe des Torwarts zum ersten Mal zum Glühen brachte. "Ich wollte einfach mal sehen, ob er wach ist", grinste Xanthis später. Arias FC antwortete prompt: Diogenis Kirastas, der 21-jährige Linksaußen, wirbelte über seine Seite und zwang Olympiokos-Schlussmann Domenik Gancarczyk ebenfalls früh zur Parade. Beide Teams tasteten sich nicht lange ab. Olympiokos, taktisch klar offensiv ausgerichtet, drückte - mit insgesamt 15 Schüssen aufs Tor - und zeigte, dass "ANYTIME" beim Schießen in der Mannschaftsbesprechung wohl als Lebensmotto verstanden wird. Arias FC dagegen hielt mit Ballbesitz (51 Prozent) und Passspiel dagegen, blieb aber zu brav, zu "balanced", wie man in der modernen Fußballsprache sagt. In der ersten Halbzeit hatten die Fans mehr vom Stadionimbiss als vom Spiel. "Ich hab schon bessere 0:0s gesehen", murmelte ein älterer Herr auf der Haupttribüne, während er seine Sonnenblumenkerne sortierte. Aber nach dem Seitenwechsel nahm die Partie Fahrt auf - und zwar so richtig. Philippos Xanthopoulos, der linke Stürmer der Gastgeber, schoss sich in einen Rausch - oder in die Verzweiflung: Zwischen der 35. und 50. Minute prüfte er den Torwart gleich fünfmal, doch der Ball wollte einfach nicht rein. "Ich dachte irgendwann, das Tor sei verflucht", sagte Xanthopoulos und schob lachend nach: "Vielleicht hätte ich es mal mit dem rechten Fuß versuchen sollen." Dann kam die 69. Minute, und mit ihr der Moment des Abends: Karolos Nikolopoulos, der 32-jährige Routinier auf der rechten Außenbahn, flankte butterweich in den Strafraum. Andreadis stieg hoch, fast schwebend, und köpfte den Ball unhaltbar ins rechte Eck - 1:0! Das Stadion explodierte, die Ersatzbank tanzte, und Trainer Reichmann murmelte nur trocken: "Na endlich." Arias FC versuchte danach, das Ruder herumzureißen. Coach Theodoros Arvanitis (so der Übungsleiter der Gäste) gestikulierte wild, doch seine Spieler blieben brav in ihrer "balanced"-Formation, als hätten sie Angst, aus Versehen zu stürmen. Diogenis Kirastas hatte noch zwei ordentliche Chancen (49. und 51. Minute), doch Gancarczyk hielt die Null fest. In der 75. Minute dann Schrecksekunde für Olympiokos: Mittelfeldmotor Odysseas Nioplias verletzte sich bei einem Zweikampf und musste für den erfahrenen Emmanouil Vassiliadis weichen. "Ich hab was im Oberschenkel gespürt", erklärte Nioplias später, "hoffentlich nur eine Zerrung." Kurz darauf kam noch rote Dramatik ins Spiel: Der junge Linksverteidiger Diogenis Karagounis sah in der 87. Minute glatt Rot - eine übermotivierte Grätsche, die mehr nach Wrestling aussah als nach Fußball. "Er wollte einfach zeigen, dass er da ist", kommentierte Trainer Reichmann mit einem sarkastischen Lächeln. Arias FC witterte in Überzahl die Chance, doch es blieb beim Versuch. Olympiokos verteidigte den knappen Vorsprung mit langen Bällen und vollem Einsatz, wie die Statistiken bestätigen: 53,6 Prozent gewonnene Zweikämpfe, dazu ein kämpferischer Kraftakt in den Schlussminuten. "Wir haben das Ding mit Herz verteidigt", meinte Kapitän Tasos Xanthopoulos. "Und ein bisschen Glück gehört ja auch dazu." Als der Schlusspfiff ertönte, fiel den Rot-Weißen eine ganze Tonne Ballast von den Schultern. Ein Arbeitssieg, wie er im Buche steht - kein Glanz, aber drei Punkte. Arias FC, leicht enttäuscht, reiste mit der Erkenntnis ab, dass Ballbesitz allein keine Tore schießt. Trainer Reichmann fasste es am Ende zusammen: "Wir wollten offensiv sein, wir waren offensiv. Nur das Toreschießen üben wir nochmal. Aber wenn der Jüngste trifft, ist das der schönste Lohn." Fazit? Ein Spiel, das in Erinnerung bleibt - nicht wegen seiner Eleganz, sondern wegen seiner Ehrlichkeit. Fußball pur, mit Schweiß, roter Karte und einem jungen Helden namens Andreadis. Und irgendwo in der Kabine summte jemand: "Eins zu null für uns, und das reicht." 17.03.643987 18:44 |
Sprücheklopfer
Mir ist es egal, ob es ein Brasilianer, Pole, Kroate, Norddeutscher oder Süddeutscher ist. Die Leistung entscheidet, nicht irgendeine Blutgruppe.
Christoph Daum