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Wenn Americano Cali an einem lauen Sonntagabend das Flutlicht anknipst, dann riecht es meist nach Toren, Schweiß und ein bisschen Größenwahn. Diesmal bekamen über 50.000 Zuschauer im Estadio Olímpico Pascual Guerrero genau das: ein Fußballfest, das Atletico Pasto vermutlich noch länger in den Knochen stecken wird. 4:0 hieß es am Ende - und das war, man darf es ruhig so sagen, noch schmeichelhaft für die Gäste. Schon nach wenigen Minuten war klar, in welche Richtung der Abend laufen würde. Cali-Trainer Gwydion ForChampion (ja, der Name ist echt) hatte seine Elf offensiv eingestellt, Flügelspiel und ständiges Anlaufen - "Wings, wings, wings", rief er noch beim Aufwärmen, als wolle er seine Spieler anfliegen lassen. Und tatsächlich: In der 16. Minute hob Noe Rincon ab. Nach einer butterweichen Flanke von Linksverteidiger Miguel Nani traf er per Direktschuss ins rechte Eck. 1:0, und das Stadion bebte. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Nani später, "aber Rincon hat’s irgendwie richtig verstanden." Nur acht Minuten später legte Ruben Nani (nicht verwandt, aber offenbar in derselben Fußballschule der Gnadenlosigkeit ausgebildet) nach. Nach einer Ecke von Marwin Brand stand der Mittelstürmer goldrichtig und drosch den Ball in die Maschen. 2:0 - und Pasto wankte. "Wir waren da schon im Survival-Modus", gestand später ihr Innenverteidiger Joao Veloso, der kurz darauf Gelb sah. "Ich wollte nur zeigen, dass wir noch leben." Es blieb beim Versuch. Cali schoss aus allen Lagen - 24 Torschüsse insgesamt. Pasto kam auf vier, wovon drei wohl eher als Rückpässe durchgingen. Und trotzdem hatten die Gäste leicht mehr Ballbesitz, was wohl nur beweist, dass man den Ball sehr lange im eigenen Strafraum herumrollen lassen kann. "Statistik ist was für Mathematiker, nicht für Trainer", frotzelte ForChampion nach dem Spiel. "Ich zähle Tore." In der zweiten Halbzeit änderte sich am Drehbuch wenig. Cali blieb offensiv, als ginge es um die Torquote fürs Bonusheft, Pasto blieb defensiv, als ginge es ums Überleben. In der 56. Minute krönte erneut Ruben Nani seinen Abend - diesmal nach feinem Zuspiel von Ruben Viana. "Ich hab nur geschossen, weil Viana so geschrien hat, als hätt’ er selbst den Ball im Fuß", lachte Nani später. 3:0, und das Spiel war endgültig entschieden. Atletico Pasto versuchte es noch mit kosmetischen Korrekturen, brachte frischen Wind über die Flügel, doch der Hauch verpuffte im Nichts. Ein seltener Lichtblick: ein Schuss von Emilio Pauleta in der 47. Minute - direkt auf den Mann, der ihn mit den Handschuhen auffing, als wäre es ein Geburtstagsgeschenk: Nevio Custodio, Calis junger Keeper, der an diesem Abend wenig zu tun, aber alles im Griff hatte. In der Schlussphase durfte das Publikum dann noch einmal jubeln. Antonio Melendo, der rechte Mittelfeldspieler mit der Präzision eines Uhrwerks, traf in der 89. Minute nach Vorlage von Agustin Vasco zum 4:0-Endstand. Ein Tor, das so schön war, dass selbst Pastos Torwart Carlos Dominguez kurz klatschte - vielleicht auch aus Verzweiflung. "Wir wollten wenigstens das 0:0 in der zweiten Halbzeit halten", murmelte er später, "aber na ja…" Die Statistik sprach am Ende Bände: 24 zu 4 Torschüsse, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Cali, vier verschiedene Vorlagengeber und ein Publikum, das sich schon zur 80. Minute gegenseitig die Hände reichte, als wollte man sich zum Meistertitel gratulieren. Den Ballbesitz gewann übrigens Pasto - 51 zu 49 Prozent. Nur: Was bringt’s, wenn man ihn nur zum Anstoß braucht? Trainer ForChampion wirkte nach Abpfiff erstaunlich gelassen. "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen Spaß haben. Dass daraus so was wird, ist ein netter Nebeneffekt", grinste er. Sein Gegenüber - der Name blieb dem Protokoll schuldig, vielleicht aus Selbstschutz - stapfte wortlos in die Kabine. Man hörte nur ein leises Klirren, das vielleicht eine Taktiktafel war, die ihre letzte Stunde erlebt hatte. Und während die Fans von Americano Cali noch lange sangen ("Vier Tore sind keine Arbeit, sondern Kunst" - improvisiert, versteht sich), blieb von Atletico Pasto nur der seufzende Satz ihres Kapitäns Ramon Miguel: "Manchmal ist der Gegner einfach… besser. Und lauter." Ein 4:0, das Geschichte schreibt? Vielleicht nicht. Aber eines, das zeigt, dass Americano Cali im Januar 2026 bereit ist, in der kolumbianischen Liga ganz oben mitzuspielen - mit Flügeln, Feuer und einer ordentlichen Portion Spaß am Zerstören. 14.05.643987 19:15 |
Sprücheklopfer
Wir müssen vor dem Tor einfach cooler sein, einfach heißer.
Thomas Doll