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Es war alles angerichtet für eine rauschende Nacht in Kingston: 59.000 Zuschauer, tropische Abendluft und eine Heimmannschaft, die in den ersten 45 Minuten Fußball spielte, als wolle sie die Challenger League im Alleingang neu erfinden. Doch am Ende jubelte Americano Cali. 3:2 nach Verlängerung - ein Ergebnis, das so gar nicht zum Spielverlauf der ersten Halbzeit passen wollte. Die Junglists legten los, als hätten sie ein Flugticket nach Rio in der Tasche. Schon in der 8. Minute drosch Christoph Steffen nach einem feinen Zuspiel von Rene Cartier den Ball ins Netz. "Das war eigentlich keine Torchance, sondern ein Versehen mit Happy End", grinste Steffen später. Nur 13 Minuten später machte der 21-jährige Stephan Schmid das 2:0 - eiskalt nach Vorlage von Innenverteidiger Louis Michaud. Trainer Andreas Müller rieb sich die Hände, die Fans sangen, die Sonne ging unter, und alles roch nach Pokal. Doch Fußball ist eine Laune der Physik - und manchmal auch der Psychologie. Nach der Pause kam Americano Cali wie verwandelt zurück. Trainer Gwydion ForChampion muss in der Kabine entweder eine flammende Rede oder eine Espresso-Maschine angeworfen haben. "Ich habe nur gesagt: Wir sind Südamerikaner, keine Touristen", erklärte er später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn lag. In der 52. Minute war es Guillermo Eximenonis, der nach Vorlage von Antonio Melendo den Anschlusstreffer erzielte. Plötzlich wackelte Kingston. Das Stadion murmelte, Torhüter Noe Vaz schimpfte, und Müller schrie von der Linie: "Ruhig bleiben!" - vergeblich. Guillermo Eximenonis hatte Blut geleckt. In der 67. Minute schlug er erneut zu, diesmal nach feiner Vorarbeit von Julio Gonzalez. Der Ausgleich - und die Junglists standen da wie eine Band, die den Refrain vergessen hatte. Müller reagierte hektisch, brachte Gerassimow und Meira, später noch den jungen Fedotow, doch es half nichts. Cali hatte jetzt mehr Ballbesitz (53 Prozent) und das Spiel fest im Griff. Als es in die Verlängerung ging, wirkte Kingston müde, Cali dagegen hungrig. In der 97. Minute traf Julio Gonzalez nach Pass von Ruben Viana - 3:2 für die Gäste. Der Lärmpegel sank schlagartig, man hörte sogar die Grillen wieder. "Ich dachte, wir hätten sie", seufzte Müller nach dem Abpfiff. "Aber dann haben wir uns selbst geschlagen. Drei Tore nach der Pause, das ist wie ein Albtraum in Zeitlupe." Rene Cartier, der im Mittelfeld unermüdlich kämpfte, sah es nüchterner: "Wir wollten zu viel zu früh. Nach dem 2:0 haben wir aufgehört, Fußball zu spielen. Und dann kommt halt das Karma - oder Guillermo." Während die Kingston-Spieler erschöpft auf den Rasen sanken, tanzten die Gäste Samba im Mittelkreis. Trainer ForChampion wurde von seinen Spielern beinahe erdrückt, als er schmunzelnd sagte: "Manchmal brauchst du nur Mut, Flügel und ein bisschen Sonne." Die Statistik erzählte eine Geschichte von knapper Balance: 14:12 Torschüsse für Kingston, 49 zu 51 Prozent im Zweikampf - doch am Ende zählte nur die Effizienz. Cali schoss gezielter, hielt durch, blieb diszipliniert. Selbst die drei Gelben Karten - Duarte Gonzalez (48.), Ruben Viana (103.) und Mario Viana (119.) - wirkten eher wie Trophäen einer kämpferischen Meisterleistung. Und so endete das Finale der Challenger League nicht mit einem Feuerwerk, sondern mit einem kollektiven Seufzer. Kingston Junglists, die Halbzeit-Helden, wurden zu Statisten in ihrer eigenen Tragödie. "Vielleicht", murmelte ein älterer Fan auf der Tribüne, "hätte man in der Pause einfach das Licht ausmachen sollen." Ein bittersüßes Fazit: Die Junglists spielten eine Halbzeit wie Champions, aber Americano Cali zeigte, warum Fußball eben 120 Minuten dauern kann. Und irgendwo in der Kabine wird Guillermo Eximenonis noch immer grinsen - mit zwei Toren im Finale darf man das wohl. 07.10.643993 15:15 |
Sprücheklopfer
Wir müssen vor dem Tor einfach cooler sein, einfach heißer.
Thomas Doll