Athlitiki Icho
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AEL Athen zerlegt Ergotelsis: 8:0-Gala mit Lehrbuchcharakter

Es gibt Spiele, die man nach 90 Minuten am liebsten sofort in die Fußballakademien dieser Welt schicken würde - als Lehrmaterial. Das 8:0 von AEL Athen gegen Ergotelsis am 18. Spieltag der griechischen Superliga war so eines. 33.099 Zuschauer im Stadion erlebten eine Mischung aus Tanz, Demütigung und Teamarbeit, die irgendwo zwischen Oper und Slapstick pendelte.

Schon nach sechs Minuten war klar, wer hier den Ton angibt. Jose Maria Costinha, 22 Jahre jung und offenbar mit Espresso im Blut, traf nach Vorlage von Agisilaos Basinas zum 1:0. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Costinha später, "aber der Ball hat sich entschieden, berühmt zu werden." Ryan Mystery, Trainer der Athener, sah’s gelassen: "Wenn man so trifft, darf man alles behaupten."

Ergotelsis wirkte von Beginn an wie ein Tourist, der versehentlich in den falschen Bus gestiegen ist. Zwar hatte das Team nominell eine offensive Ausrichtung, aber offensiv wurde höchstens der Schweißgeruch in der Kabine. Nach 18 Minuten erhöhte der 17-jährige Diego Tortosa - ein Linksverteidiger! - auf 2:0, wieder nach Vorlage von Basinas. Drei Minuten später legte Costinha sein zweites Tor nach, diesmal bedient von Lagonikakis. 3:0 stand es, bevor die Gäste überhaupt verstanden hatten, dass das Spiel begonnen hatte.

"In der Pause habe ich den Jungs gesagt, dass sie aufhören sollen, mitzuschreiben, und anfangen, mitzuspielen", seufzte Ergotelsis-Coach (dessen Name man hier lieber verschweigt, um ihn zu schützen). Genützt hat es nichts. Denn AEL Athen kam aus der Kabine, als hätte Mystery heimlich eine Motivationsrede von Zeus persönlich abgespielt.

Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, traf James Badham in der 47. Minute zum 4:0 - nach Pass des 17-jährigen Paisis Terzanidis, der aussieht wie ein Schülerpraktikant, aber spielt wie ein erfahrener Dirigent. Es folgte ein Doppelschlag: Silvestre Carcedo (57.) und Uwe Schubert (58.) schraubten das Ergebnis auf 6:0. Beide Male wurde der Ball so präzise durch die Reihen gespielt, dass man kurz an einen choreografierten Tanz glauben konnte. "Wir haben einfach Spaß gehabt", lachte Schubert, "und irgendwann hat keiner mehr gezählt."

Aber gezählt wurde natürlich doch - denn Badham traf in der 61. Minute erneut, diesmal nach Vorarbeit von Schubert. 7:0. Da begann selbst die Stadionanzeige zu flackern, vermutlich aus Erbarmen. Den Schlusspunkt setzte Alvertos Charisteas in der 87. Minute nach Zuspiel von Badham. 8:0. Der Rest war Jubel, Fassungslosigkeit und das leise Summen der Stadionlautsprecher, die offenbar schon lange keine so einseitige Melodie mehr gespielt hatten.

Ergotelsis hatte immerhin sieben Torschüsse, von denen jedoch keiner wirklich den Torwart Tiago Pinto in Verlegenheit brachte. Der stand nach dem Abpfiff etwas verloren im Strafraum und rief lachend zu den Reportern: "Ich hätte fast Eintritt bezahlt, so schön war das vorne anzusehen." Ballbesitzstatistik? 54 zu 46 Prozent für Athen - also eigentlich recht ausgeglichen. Nur dass Athen mit jedem Ballkontakt etwas anzufangen wusste. Die Gäste dagegen wirkten, als sei der Ball ein kompliziertes Rätselobjekt.

Zwei Gelbe Karten für Ergotelsis - Stathis Koudas (79.) und Vaios Pontikos (91.) - waren das einzige Zeichen, dass man noch am Wettbewerb teilnahm. "Ich wollte wenigstens eine Statistik gewinnen", murmelte Koudas in der Mixed Zone und verschwand Richtung Bus, in dem die Klimaanlage vermutlich härter arbeitete als seine Abwehrreihe.

Trainer Mystery fasste es trocken zusammen: "Ich sage den Jungs immer, Tore sind wie Witze - sie funktionieren nur, wenn alle mitlachen." Und gelacht wurde reichlich. Selbst die Ersatzspieler, die in der 45. Minute kamen - der junge Tiago Antonio, Uwe Schubert und Karolos Darlas - fügten sich nahtlos in das muntere Ballerballett ein.

Am Ende blieb die Frage, ob AEL Athen gerade einen Gegner zerstört oder ein Kunstwerk geschaffen hatte. Vielleicht beides. Sicher ist: Nach dieser Galavorstellung werden die Fans noch lange von jenem Abend sprechen, als 33.099 Menschen nicht einfach nur ein Spiel sahen, sondern eine Demonstration.

Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne beim Abpfiff sagte: "Ich bin eigentlich wegen der Stadionwurst gekommen - aber das hier war Gourmethappen für die Seele."

24.12.643990 09:13
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In den ersten Minuten konnte man exakt sehen, was wir vorhatten.
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