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Es war einer dieser Abende in Athen, an denen Fußball nicht einfach gespielt, sondern zelebriert wird. 30.370 Zuschauer im voll besetzten Alkazar-Stadion erlebten eine AEL-Mannschaft, die Arias FC mit 4:1 vom Platz fegte - und das mit einer Mischung aus Leidenschaft, Spielfreude und einer Prise südländischem Übermut. Schon vor dem Anpfiff hatte man das Gefühl, dass Trainer Jorge Gutierrez seine Jungs auf Angriff gebürstet hatte. "Wir wollten nicht lange fackeln", grinste er nach dem Spiel, "und ehrlich gesagt - wir haben auch nicht viel gefackelt." 23 Torschüsse belegen das eindrucksvoll; Arias FC kam gerade einmal auf fünf. Das Spiel begann mit einem kurzen Aufbäumen der Gäste - Markos Samaras prüfte in der vierten Minute AEL-Keeper Tiago Pinto mit einem Distanzschuss, der aber so harmlos war, dass Pinto anschließend seelenruhig seine Handschuhe abklopfte. Danach spielte fast nur noch AEL. Anargiros Lagonikakis wirbelte über die rechte Seite, als hätte er einen persönlichen Pakt mit dem Wind geschlossen, während der junge Jose Maria Costinha vorne wirbelte und Chancen im Minutentakt produzierte. Der Durchbruch kam kurz vor der Pause: In der 40. Minute legte Lagonikakis mustergültig für Achilleas Iosifidis auf, der den Ball humorlos in die Maschen drosch - 1:0. "Ich hab einfach draufgehauen. Wenn du zu viel nachdenkst, ist es zu spät", erklärte Iosifidis später mit einem breiten Grinsen. Nur vier Minuten später wiederholte sich die Szene fast identisch - wieder Lagonikakis, wieder Iosifidis, wieder Tor. 2:0, und die Fans sangen schon vom Halbfinale, obwohl es nur der 13. Spieltag war. Wer dachte, Arias würde sich in der Kabine neu erfinden, sah sich kurz nach dem Seitenwechsel bestätigt - aber nur für einen Moment. In der 47. Minute brachte Bruno Etxebarria die Gäste nach Vorarbeit von Markos Samaras zurück ins Spiel. Ein Innenverteidiger-Tor, das man nicht alle Tage sieht. "Ich wusste gar nicht, dass ich so weit vorne war", sagte Etxebarria später, "aber wenn man schon da ist, kann man ja auch mal treffen." Doch AEL blieb unbeeindruckt. Gutierrez, der an der Seitenlinie wild gestikulierend an einen Dirigenten erinnerte, ließ seine Mannschaft weiter nach vorne spielen. Und das zahlte sich aus: In der 79. Minute traf schließlich der auffällige Lagonikakis selbst - diesmal nach einem Eckball von Stefanos Katranas. 3:1, und das Stadion bebte. "In dem Moment wusste ich, dass wir den Sack zu haben", meinte Gutierrez später. Doch einer seiner Spieler hatte offenbar noch Lust auf Zugabe: Valantios Ioannidis, bislang eher unauffällig, verwandelte in der 88. Minute nach feiner Vorarbeit von Alkinoos Kyrastas zum 4:1-Endstand. Ein Treffer, der so elegant war, dass selbst einige Arias-Spieler anerkennend klatschten - zumindest laut den Lippenlesern auf der Tribüne. Statistisch war das Ergebnis ebenso deutlich wie auf der Anzeigetafel. 53 Prozent Ballbesitz, mehr als viermal so viele Abschlüsse, eine Zweikampfquote von 55 Prozent - AEL dominierte in allen Belangen. Arias-Coach - dessen Name der Statistik zum Trotz im Nebel des Abends verschwand - wirkte an der Seitenlinie zunehmend ratlos. "Wir haben versucht, kompakt zu stehen", murmelte er nach dem Spiel, "aber gegen so einen Wirbelsturm hilft keine Mauer." Athen hingegen sonnte sich im Erfolg. Lagonikakis scherzte im Kabinengang: "Wenn wir so weitermachen, brauche ich bald eine zweite Wand zu Hause - für all die Spielbälle." Iosifidis lachte nur und fügte hinzu: "Aber diesmal war’s meiner!" Bei all der Euphorie blieb Trainer Gutierrez nüchtern: "Wir haben heute gut gespielt, ja. Aber nächste Woche zählen wieder null Punkte - bis wir sie uns verdienen." Ein Satz, der nach Lehrbuch klingt, aber in seinem Tonfall eher wie eine Drohung wirkte - an die Konkurrenz. Am Ende verließen die Zuschauer das Stadion mit einem breiten Lächeln. Die Luft roch nach Pyro, Staub und Zufriedenheit. AEL Athen hatte nicht nur gewonnen, sondern gezeigt, dass Fußball manchmal einfach Spaß machen darf - besonders, wenn man ihn so spielt, wie an diesem Abend. Und irgendwo auf der Ersatzbank, so munkelt man, fragte ein junger Reservespieler mit einem Grinsen: "Trainer, darf ich nächste Woche auch mal ein Tor machen?" Gutierrez antwortete trocken: "Nur, wenn du’s so schön machst wie Achilleas." Das nennt man wohl Motivation auf griechisch. 16.06.643987 16:05 |
Sprücheklopfer
Als ich zuletzt Sergio in Eurosport gesehen habe, dachte ich mir auch nur: Das kann er nicht sein, da muss sich einer maskiert haben.
Rainer Calmund