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Es war ein Sonntagabend, wie ihn die 1. Liga Griechenlands liebt: Flutlicht, 29.949 Zuschauer im Stadion von Larissa, und zwei Teams, die sich nichts schenken wollten. Am Ende jubelte der Außenseiter: Atromitos drehte nach Rückstand das Spiel und siegte mit 2:1 bei AEL Athen - trotz Unterzahl. Dabei hatte alles so verheißungsvoll für die Gastgeber begonnen. In der 17. Minute verwandelte der junge Flügelstürmer Aggelos Pagalis die Vorlage von Valantios Ioannidis in ein frühes 1:0 - ein Abschluss, so zielstrebig wie ein Espresso am Morgen. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Pagalis später. "Und diesmal ist der Ball nicht auf dem Parkplatz gelandet." Doch Athen wäre nicht Athen, wenn man sich mit einer Führung zufriedengäbe. Kaum 15 Minuten später zeigte Atromitos, dass Offensive auch ohne Ballbesitz (nur 45 Prozent) funktionieren kann. Daniel Celine, der bullige Mittelstürmer, setzte sich nach Pass von Humberto Ferreira durch und hämmerte das Leder in der 33. Minute zum 1:1 unter die Latte. Heimtorwart Alexandros Vryzas streckte sich vergeblich - vielleicht auch, weil er noch die Jubelpose des eigenen Torschützen im Kopf hatte. "Wir wussten, dass AEL gerne das Spiel macht", erklärte Atromitos-Trainer Michael Graf nach der Partie. "Also haben wir sie machen lassen. Und dann einfach das Tor geschossen." Eine Taktik, die in ihrer Schlichtheit fast beleidigend wirkte - aber eben auch effektiv war. Die zweite Halbzeit begann mit einer Portion Chaos, wie sie nur der griechische Fußball hervorbringen kann: Gelb für Arnau Ortega (60.), fünf Minuten später Gelb-Rot für denselben - der Verteidiger hatte offenbar vergessen, dass er schon verwarnt war. "Ich dachte, der Schiri wollte mir nur guten Abend sagen", murmelte Ortega beim Verlassen des Platzes. In Unterzahl zog sich Atromitos zurück, lauerte auf Konter - und traf. In der 71. Minute war es der eingewechselte Joseph Cawdor, der nach einem präzisen Zuspiel von Nevio de Almeida zum 2:1 einnetzte. Die Gäste jubelten ausgelassen, Graf klatschte seine gesamte Bank ab, und die AEL-Fans warfen wahlweise Sonnenblumenkerne oder böse Blicke in Richtung Spielfeld. Athen drückte, kämpfte, rannte - und verzweifelte. 12 Torschüsse, 55 Prozent Ballbesitz, aber kein weiterer Treffer. Der 18-jährige Makis Nikoloudis versuchte es gleich mehrfach (40., 62., 63., 79., 88.), doch sein Schussglück blieb aus. "Ich hatte das Gefühl, das Tor wird immer kleiner", seufzte er nach dem Spiel. "Vielleicht hat Atromitos heimlich die Pfosten verschoben." In der Nachspielzeit wurde es noch bitterer: Anargiros Lagonikakis verletzte sich in der 91. Minute und musste vom Platz - gleichzeitig die Gelegenheit für Trainer (dessen Name in den Statistiken nicht vermerkt, aber in der Coaching-Zone lautstark präsent war), den jungen Sotirios Fotilas einzuwechseln. "Wir wollten nochmal alles nach vorne werfen", erklärte er, "aber irgendwie blieb der Ball einfach nicht drin." Atromitos überstand auch die letzten Minuten, in denen Cawdor (93.) sogar beinahe das 3:1 nachlegte. Der Schlusspfiff ging im Pfeifkonzert der Heimfans unter - und in den Jubelgesängen der etwa 200 mitgereisten Gäste. Statistisch gesehen war AEL das aktivere Team: mehr Ballbesitz, bessere Zweikampfquote (52,4 Prozent) und mehr Abschlüsse. Aber Fußball wird bekanntlich nicht nach Ballkontakten entschieden, sondern nach Toren - und da hatte Atromitos mit 2:1 schlicht die Nase vorn. "Ich liebe solche Spiele", grinste Trainer Graf, als er Richtung Kabine verschwand. "Viele reden über Taktik, wir reden über Tore." Unter den Flutlichtmasten von Larissa blieb AEL Athen nur der Frust und die Erkenntnis, dass Schönheit allein noch keine Punkte bringt. Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit einem lautstarken, aber wohlwollenden Pfeifkonzert - griechische Art, "Da geht mehr!" zu sagen. Vielleicht tröstet sie der Gedanke, dass der Ball rund ist und auch nächste Woche wieder rollt. Und wer weiß - vielleicht ist dann das Tor wieder ein bisschen größer. 06.03.643987 10:27 |
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Mario Basler