Athlitiki Icho
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AEL Athen siegt spät - Gorlukowitsch trifft in der Nachspielzeit

Ein erster Spieltag, wie ihn Drehbuchautoren nicht besser schreiben könnten: AEL Athen bezwingt Astra Tripolis mit 3:2, und 31.360 Zuschauer im altehrwürdigen Alkazar-Stadion dürften noch lange über diese Partie reden - oder mindestens über das, was in der 91. Minute geschah.

Dabei hatte alles nach einem klassischen Fehlstart für die Gastgeber ausgesehen. Nach gerade einmal fünf Minuten drosch Aris Nikoloudis, der 19-jährige Rechtsverteidiger aus Tripolis, die Kugel aus gut 25 Metern unter die Latte. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", gestand Athen-Keeper Tiago Pinto später mit einem Grinsen. Trainer Ryan Mystery hingegen verzog keine Miene - wohl wissend, dass seine Mannschaft noch gar nicht richtig auf dem Platz stand.

Doch AEL Athen schüttelte sich kurz, dann begann die rot-weiße Ballmaschine zu laufen. Basinas, Carcedo, Costinha - sie alle schoben sich den Ball zu, als wollten sie ihn hypnotisieren. 50,6 Prozent Ballbesitz und stolze 16 Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache. In der 34. Minute schließlich war es Agisilaos Basinas, der nach feinem Zuspiel von Sturmtank Osip Gorlukowitsch zum 1:1 einschob. Das Stadion atmete auf, und Trainer Mystery drehte sich zur Bank und sagte trocken: "Jetzt fängt das Spiel an."

Nach der Pause ging es turbulent weiter - und zwar im Sekundentakt. In der 49. Minute traf Anargiros Lagonikakis nach einer butterweichen Flanke von Jose Maria Costinha. Die Freude hielt exakt 60 Sekunden: Branko Lomic von Astra Tripolis nutzte das Chaos in der Athener Hintermannschaft und glich postwendend aus. "Ich wusste gar nicht, dass wir so schnell antworten können", witzelte Tripolis-Coach Kostas Karagounis später.

Was folgte, war ein offener Schlagabtausch. Beide Teams suchten den Weg nach vorn, beide Trainer fuchtelten wild mit den Armen, als könnten sie den Ball selbst lenken. In der 60. Minute wechselte Karagounis gleich doppelt: Der 17-jährige Valerios Leontiou und der 18-jährige Lazaros Gounaris kamen - jugendlicher Elan gegen Athener Routine. Auf der Gegenseite reagierte Mystery mit Schubert und Papadopoulos, die neue Impulse bringen sollten.

Schubert brachte tatsächlich frischen Wind über links, Badham prüfte den Gästetorwart Baillon gleich zweimal (80. und 86. Minute). Tripolis lauerte auf Konter, fand aber kaum noch Raum, denn Athen presste in der Schlussphase mit aller Macht. "Da war plötzlich Feuer drin - man hörte förmlich das Gras brennen", kommentierte ein Reporter auf der Pressetribüne halb ehrfürchtig, halb genervt.

Dann die Nachspielzeit. 91. Minute. Costinha setzt sich auf rechts durch, flankt scharf in die Mitte - und wer steht da, wo ein Mittelstürmer stehen muss? Natürlich: Osip Gorlukowitsch. Ein wuchtiger Kopfball, ein Raunen, ein Netz, das sich beugt. 3:2. Stadion in Ekstase.

Gorlukowitsch, der zuvor schon zwei gute Chancen liegen gelassen hatte, riss die Arme hoch und brüllte Richtung Himmel. "Ich hab’s den Jungs in der Kabine gesagt: Der letzte Schuss gehört mir", grinste er nach Abpfiff. Trainer Mystery dagegen blieb seiner stoischen Art treu, stellte sich vor die Kameras und meinte: "Wir haben Charakter gezeigt. Und ein bisschen Glück - aber das muss man sich erarbeiten."

Karagounis war trotz Niederlage erstaunlich gelassen: "Wir haben ein junges Team, das heute erwachsen geworden ist. Leider mit einer Lektion in der 91. Minute."

Statistisch gesehen hätte das Spiel kaum ausgeglichener sein können - 50 zu 49 Prozent Ballbesitz, 16 zu 9 Torschüsse, eine Zweikampfquote von 53 zu 47 für Athen. Doch Fußball wird nun mal nicht auf dem Reißbrett entschieden, sondern auf dem Rasen - und manchmal eben in letzter Sekunde.

In Athen feierten sie den Sieg wie einen kleinen Befreiungsschlag, während die Gäste niedergeschlagen, aber erhobenen Hauptes in den Bus stiegen. Auf der Heimfahrt soll Kapitän Nico Schreiner, 36 und dienstältester Spieler, leise vor sich hingemurmelt haben: "Wenn man in der 91. Minute verliert, war man wenigstens bis dahin dabei."

Ein Satz, der wohl in beiden Kabinen hängen bleibt - als Erinnerung daran, dass der Fußball keine Gnade kennt, aber jede Menge Geschichten schreibt.

Und so endete der Auftakt der griechischen Liga mit einem fünf Tore reichen Drama, einer Gelben Karte für den jugendlichen Helden des ersten Tores und einem Trainer, der am Ende zufrieden in die Nacht von Athen blickte. Vielleicht dachte Ryan Mystery da schon an den nächsten Gegner. Oder einfach nur: "Hauptsache, der Ball war diesmal wirklich drin."

11.11.643993 12:28
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Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
Andreas Brehme
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