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Ein lauer Märznachmittag in Athen, 34.419 Zuschauer im Stadion, und am Ende ein Ergebnis, das so eindeutig war, dass selbst der Stadionsprecher kurz zögerte, ob er es wirklich laut verkünden sollte: 5:0 für AEL Athen gegen Ilisiakos. Eine Fußballlektion, serviert mit mediterraner Leichtigkeit und einer Prise gnadenloser Effizienz. Schon in den ersten Minuten ließ AEL keinen Zweifel daran, wer hier das Sagen hatte. Silvestre Carcedo prüfte in der 5. Minute erstmals den Ilisiakos-Keeper Antonio Cunha, der an diesem Abend mehr zu tun hatte als ein Barkeeper in der Altstadt. Trainer Ryan Mystery hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt - Flanken über die Flügel, permanentes Pressing und ein Luís Travassos in Galaform. Die Gäste versuchten, es spielerisch zu lösen, doch ihr "offensives Alignment" blieb mehr theoretischer Natur. Karim Benzema, der sich seit seinem Trainer-Debüt bei Ilisiakos an griechischer Geduld übt, sah bald aus, als hätte er sich lieber wieder die Stollenschuhe geschnürt. "Wir wollten mutig auftreten", erklärte er hinterher mit bitterem Lächeln, "aber Athen war einfach zu stark. Und Travassos… der hat heute gespielt, als hätte er drei Beine." In der 34. Minute war es dann so weit: Rechtsverteidiger Jose Enrique Costa flankt butterweich in den Strafraum, und Travassos nickt den Ball mit der Lässigkeit eines Mannes, der weiß, dass das erst der Anfang ist - 1:0. Das Stadion tobte, die Ilisiakos-Abwehr stand wie eingefroren. Nach der Pause brachte Mystery frisches Blut. Der 18-jährige Tiago Antonio und der gleichaltrige Paisis Terzanidis kamen ins Spiel - und das sollte sich lohnen. Nur wenige Minuten später, in der 51. Minute, traf Innenverteidiger Karolos Darlas nach einer Ecke von Travassos zum 2:0. Da hatte selbst der Stadionsprecher Mühe, die Stimme ruhig zu halten. Ilisiakos, bis dahin mit rund 50 Prozent Ballbesitz, aber kaum Durchschlagskraft (nur drei magere Torschüsse insgesamt), begann auseinanderzufallen. Gabriel Marshal holte sich in der 57. Minute noch eine Gelbe Karte - sinnbildlich für den Frust der Gäste. Und dann kam wieder Travassos. In der 60. Minute schob er nach feinem Zuspiel von Achilleas Iosifidis zum 3:0 ein. "Ich habe nur den Ball gesehen und gedacht: Ach komm, noch einmal für die Galerie", grinste der Portugiese später. Trainer Mystery kommentierte trocken: "Wenn der Junge so weitermacht, muss ich ihm bald Tanzverbot geben - der dribbelt ja alles schwindlig." In der Schlussphase verwandelte sich das Spiel in ein Schaulaufen. Ilisiakos verteidigte nur noch mit Ach und Krach, während AEL Athen im Offensivmodus blieb, als sei das Spiel ein Trainingsmatch. In der 93. Minute krönte Youngster Tiago Antonio seinen Einstand mit einem Treffer zum 4:0, assistiert - natürlich - von Travassos, der an diesem Abend an vier Toren beteiligt war. Und weil es so schön war, setzte Iosifidis in der 94. Minute den Schlusspunkt: 5:0. Vorlage: der eingewechselte Sergi Ronaldo, der bei seinem Querpass so ruhig blieb, als ginge es um einen Sonntagnachmittagspass im Park. "Das war Fußball mit einem Augenzwinkern", lachte Mystery nach dem Abpfiff. "Wir haben Spaß gehabt, aber wir wissen auch: nächste Woche wird’s härter." Benzema hingegen stapfte wortlos in die Kabine, murmelte nur etwas von "Déjà-vu aus Madrid". Statistisch gesehen war AEL in fast allen Belangen überlegen: 28 Torschüsse zu 3, eine Zweikampfquote von 59 Prozent, und obwohl Ilisiakos beim Ballbesitz leicht vorn lag, war das Spielbild eindeutig. Athen spielte zielstrebig, aggressiv, pressingorientiert - und hatte einfach mehr Lust auf Fußball. Besonders auffällig: die offensive Flügelstrategie, die Mystery schon vor dem Spiel angekündigt hatte. "Wings, wings, wings", soll er in der Kabine gerufen haben, woraufhin der Zeugwart angeblich fragte, ob er das neue Maskottchen meine. Am Ende bleibt ein klarer Sieg, ein glänzender Travassos, zwei Teenager mit Traumdebüt und ein Trainer Benzema, der wohl noch eine Weile an diesem Abend zu knabbern haben wird. Fazit: AEL Athen tanzt, Ilisiakos taumelt, und das Publikum hatte einen Abend, den man in dieser Stadt so schnell nicht vergisst. Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions rief: "So spielt man Fußball, nicht Schach!" 30.03.643994 17:32 |
Sprücheklopfer
Sicherlich haben wir im Moment einen kleinen Lauf, aber Lauf heißt ja bekanntlich Lauf, weil's von laufen kommt.
Matthias Sammer