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Es war ein Abend, an dem man sich fragte, ob Atromitos die eigenen Tornetze vergessen hatte - so selten kamen sie überhaupt in die Nähe des Gästetors. 27.000 Zuschauer im Athener Peristeri-Stadion sahen eine Lehrstunde in Effizienz und Spielfreude: AEL Athen gewann beim 14. Spieltag der griechischen Superliga mit 4:0 - und das in einer Gelassenheit, als hätten sie einen Trainingskick absolviert. Schon nach zwölf Minuten war klar, wohin die Reise gehen würde. Achilleas Iosifidis, Athen’s flinker Linksaußen, nutzte die erste echte Chance eiskalt. Nach einem feinen Zuspiel von Anargiros Lagonikakis tanzte er Atromitos-Verteidiger Jacques Pilat aus und schob unaufgeregt ins lange Eck. Nur drei Minuten später legte Anthimos Athanasiadis nach - diesmal nach einer butterweichen Flanke von Josef Paulsson. 2:0 nach einer Viertelstunde, und man hatte das Gefühl, die Gastgeber würden lieber den Bus zum Rückspiel suchen. Trotz 54 Prozent Ballbesitz fand Atromitos keinen Weg durch die kompakte Athener Abwehr. Kein einziger Schuss fand den Weg aufs Tor von Simone Ferrari - nicht einer. "Wir hatten den Ball, aber irgendwie war er nutzlos", knurrte Trainer Michael Graf nach dem Spiel. "Vielleicht sollten wir ihn das nächste Mal einfach behalten, dann verlieren wir wenigstens nicht so hoch." AEL Athen hingegen zeigte, wie man mit weniger Ballbesitz mehr Spaß haben kann. 17 Torschüsse, vier Treffer - das nennt man Zielstrebigkeit. Besonders Iosifidis spielte sich in einen Rausch. In der 68. Minute krönte er seine Leistung mit seinem zweiten Treffer: nach einem schnellen Flügelangriff über Papadopoulos legte er sich den Ball zurecht und schloss trocken ab. Sechs Minuten später revanchierte sich Papadopoulos mit einem sehenswerten Treffer selbst. Nach Vorarbeit von Iosifidis jagte er den Ball aus 16 Metern unter die Latte - Torwart Jannis Lee war chancenlos. Im weiten Rund brandete Jubel auf, während die Heimfans nur noch stumm die Köpfe schüttelten. "Das war ein Statement", grinste AEL-Coach Ryan Mystery nach dem Abpfiff, ganz der Taktiker, der er sein will. "Wir haben auf die Flügel gesetzt, auf Tempo, auf Mut. Und auf Achilleas - der spielt heute wie von der Muse geküsst." Iosifidis selbst lächelte bescheiden: "Ich wollte einfach Spaß haben. Und wenn Tore dabei herauskommen - umso besser." Atromitos dagegen erlebte einen jener Abende, die Trainer lieber aus dem Gedächtnis löschen. Die beste Szene des Heimteams? Wahrscheinlich die Gelbe Karte für Aitor Olazabal in der 86. Minute - immerhin ein Lebenszeichen. Der Rest war Schweigen, Fehlpässe und ein allgemeines Gefühl von Ratlosigkeit. In der Mixed Zone versuchte Kapitän Gerhard Rieger, das Unfassbare zu erklären: "Wir haben alles gegeben, aber irgendwie war niemand da, wo er sein sollte. Es war, als hätten wir mit verbundenen Augen gespielt." Neben ihm nickte Torhüter Lee stumm - 17 Schüsse, vier Tore, kein Halt - kein Abend, den man sich in den Lebenslauf schreibt. Athen spielte dagegen mit einer Selbstverständlichkeit, die fast arrogant wirkte. Selbst nach der komfortablen Führung blieb das Team aggressiv und offensiv ausgerichtet, das Pressing griff bis in die Schlussminuten. Trainer Mystery wechselte klug: Papadopoulos kam zur zweiten Halbzeit und brachte frischen Wind, Costinha und Travassos fügten sich nahtlos ein. Die Statistik erzählte die Geschichte eines Spiels, das nie wirklich offen war. Atromitos: null Torschüsse, 54 Prozent Ballbesitz, 40 Prozent Zweikampfquote - ein Lehrbuchbeispiel dafür, dass man viel haben kann, ohne etwas zu erreichen. AEL Athen dagegen: 17 Schüsse, 59 Prozent Zweikampfquote, vier Tore und eine Menge Spaß. Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierten selbst einige Heimfans den Gästen - wohl aus Anerkennung für ein Spiel, das so einseitig war, dass man fast Mitleid bekam. "Wir haben ihnen heute gezeigt, dass Fußball einfach sein kann, wenn man ihn laufen lässt", sagte Mystery noch im Kabinengang und klopfte seinem Matchwinner Iosifidis auf die Schulter. Ein Abend voller Tempo, Präzision und Peinlichkeit - je nachdem, welche Farbe man auf dem Trikot trug. Für AEL Athen war es ein Fest, für Atromitos ein Alptraum in Blau. Und für die Zuschauer? Eine Erinnerung daran, dass Ballbesitz eben doch überschätzt ist. 10.04.643994 21:41 |
Sprücheklopfer
Da kann er sich doch freuen, mit mir spielen zu können.
Stefan Effenberg nachdem der Transfer von Sebastian Deisler zum FC Bayern bekannt wurde