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Ein lauer Abend in der Amerikaliga-Qualifikation, Rückspiel der 2. Runde, 18:30 Uhr, 32 000 Zuschauer im Stadion - und wer zu spät kam, verpasste gleich den ersten Paukenschlag. Nach kaum sechs Minuten zappelte der Ball im Netz von AD Cristal: Joel Ross, der flinke Rechtsaußen der Indiana Blues, verwandelte eiskalt, nachdem Jerome Baptiste ihm mit einem butterweichen Pass die Tür geöffnet hatte. "Ich hab nur den Fuß hingehalten", grinste Ross später, "den Rest hat Jerome gemacht." Die Heimfans rieben sich die Augen, Trainer Jorge Davis raufte sich das Haar, und Torhüter Maurizio Squillace brüllte etwas, das wohl nicht druckreif war. Cristal schien kurz geschockt, doch dann legten die Gastgeber den Schalter um. Mit 53 Prozent Ballbesitz und deutlich mehr Zug zum Tor drückten sie die Blues immer tiefer in deren Hälfte. In der 27. Minute fiel der verdiente Ausgleich - und was für einer! Innenverteidiger Domingo Tristán mischte sich bei einer Ecke unter die Stürmer, Runar Kolvidsson flankte punktgenau, und Tristán wuchtete das Leder per Kopf ins Netz. Stadionsprecher Luis Mendoza konnte kaum aussprechen, wer das Tor geschossen hatte, da bebte die Tribüne schon. "Wir trainieren das nie", lachte Davis später, "Tristán macht das einfach, wenn er Lust hat." Nur fünf Minuten später kippte das Spiel endgültig. Paulo Da Cru, der wendige Rechtsaußen, zog nach feinem Zuspiel von Carl Vazquez von rechts in die Mitte und platzierte den Ball trocken ins lange Eck. 2:1 - Cristal drehte das Spiel, und die Blues wirkten plötzlich ein wenig blasser als ihr Name. Im Kabinengang zur Pause hörte man Baptiste zu seinem Trainer murmeln: "Coach, wir kriegen die Flügel nicht dicht." Und tatsächlich: Cristal kam immer wieder über die Außen, während die Gäste ihre Balance verloren. Direkt nach Wiederanpfiff, kaum hatte der Schiedsrichter die Pfeife aus dem Mund genommen, klingelte es wieder. Adrien Goddaert, bereits in der ersten Hälfte auffällig, traf in der 46. Minute nach Vorarbeit von Kolvidsson - dieses Duo war an diesem Abend das Herzstück der Offensive. 3:1, die Zuschauer sangen, Davis tanzte kurz (oder versuchte es zumindest). "Ich dachte, jetzt wird’s locker", gab Goddaert später zu, "aber dann kam dieser Galindo." Denn der junge Rechtsverteidiger Ricardo Galindo, 24 Jahre alt und sonst eher für Defensivarbeit bekannt, startete in der 59. Minute einen Überraschungslauf, bekam - natürlich - den Pass von Baptiste und schloss präzise ab. 3:2, plötzlich wieder Spannung. Die Schlussphase war nichts für schwache Nerven. Cristal hatte Chancen im Minutentakt: 14 Torschüsse insgesamt, während die Blues mit nur sechs Versuchen erstaunlich effizient wirkten. Die Heimmannschaft spielte weiter auf Angriff, doch der Ball wollte nicht mehr rein. In der 82. Minute verzog Didier Payne knapp, und kurz vor Schluss sah Ernesto Ziganda noch Gelb, weil er an der Seitenlinie den Ball wegschoss - vermutlich mehr aus Nervosität als aus Unsportlichkeit. "Er wollte wohl Zeit schinden, aber das sah eher unbeholfen aus", grinste Davis. Nach dem Abpfiff fiel Davis seinem Kapitän Hugo Quintana um den Hals. "Ich habe selten eine Mannschaft gesehen, die nach einem Rückstand so reagiert", schwärmte der Trainer. Quintana nickte und meinte trocken: "Wir wussten, dass wir besser sind. Wir mussten es nur beweisen - und ein bisschen schwitzen." Die Statistik untermauerte das: 53,7 Prozent Ballbesitz, 54,6 Prozent gewonnene Zweikämpfe, mehr Präzision im Passspiel und vor allem mehr Mut. Indiana Blues versuchte es mit langen Bällen, doch die Abwehr der Gastgeber, angeführt von Tristán, hielt stand. Am Ende stand ein verdienter 3:2‑Erfolg, der AD Cristal den Weg in die nächste Runde der Amerikaliga‑Qualifikation öffnete - und den Blues ein weiteres Kapitel in der Rubrik "verpasste Chancen" bescherte. "Wir haben zu spät reagiert", seufzte Blues‑Coach Manuel Peretz (der sich schon auf dem Weg zum Bus fragte, wann seine Stürmer wieder treffen würden). Ganz so düster sah es aber nicht aus: Zwei Auswärtstore, ansprechende Phasen und ein unaufgebbarer Geist - das wird in der Statistik vielleicht wenig Trost spenden, aber in der Kabine sicher noch diskutiert werden. Und während die Flutlichtstrahler erloschen, rief ein Fan von der Tribüne: "Domingo Tristán for President!" Der Verteidiger drehte sich um, hob den Daumen - und verschwand grinsend im Spielertunnel. Man konnte ihm ansehen: Er wusste, dass das heute sein Abend war. So bleibt ein Spiel in Erinnerung, das alles bot: frühe Schocks, späte Nerven, ein bisschen Chaos - und drei Tore für eine Mannschaft, die an sich glaubte. Fußball eben, in seiner schönsten, unberechenbarsten Form. 18.01.643994 14:28 |
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Wir müssen vor dem Tor einfach cooler sein, einfach heißer.
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