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Wenn Fußball ein Theaterstück wäre, hätte das Publikum in Barinas an diesem Samstagabend Standing Ovations verdient. 20.000 Zuschauer sahen, wie AD Zamora nach einer schläfrigen ersten Halbzeit plötzlich das Drehbuch umschrieb und Real Caracas mit 2:1 besiegte. Dabei sah es lange so aus, als würde Trainer Eiko Henke seinen Hauptstadtklub zu einem perfekten Saisonauftakt in der 1. Liga Venezuela führen. Das Spiel begann gemächlich - so gemächlich, dass man in den ersten zehn Minuten meinen konnte, beide Teams hätten sich auf ein Unentschieden geeinigt. Dann aber nahm Zamora Fahrt auf. Vicente Carcedo prüfte in der 11. Minute den Keeper Helmut Ackermann mit einem satten Linksschuss, Carlos Albacar setzte gleich nach. Doch der Ballbesitz von knapp 58 Prozent war zunächst nur eine hübsche Statistik, kein Garant für Tore. Caracas zeigte, wie Effizienz aussieht. In der 31. Minute schnappte sich der 19-jährige Vitor Andrade den Ball auf links, legte klug in die Mitte, wo Miguel Costa lauerte. Ein trockener Abschluss, 0:1. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", gestand Zamoras Torwart Iker Barros später halb lachend, halb grummelnd. "War er aber nicht. Blöd für uns." Zur Pause herrschte Stille im Estadio Agustín Tovar - nur das Rascheln der Chipstüten war zu hören. Trainer Eiko Henke von Real Caracas schien zufrieden, während Zamoras Coach, dessen Name an diesem Abend nicht auf dem Spielberichtsbogen stand, wohl eher auf der Suche nach einem lauten Wecker war. Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild. Real Caracas blieb brav balanciert, fast höflich in der Aggressivität, während Zamora plötzlich den Turbo fand. Der junge Oscar Viana, schon in der ersten Halbzeit auffällig, startete Angriff um Angriff. In der 58., 60., 61. Minute - dreimal zog er ab, dreimal scheiterte er. Ein Zuschauer im Block C rief: "Oscar, wir wollen kein Kunstwerk, nur ein Tor!" Das kam - aber nicht von Viana, zunächst. In der 73. Minute flankte der erfahrene Noe Dominguez butterweich von rechts. Vicente Carcedo nahm den Ball direkt, ließ Ackermann keine Chance - 1:1. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch, und plötzlich vibrierte das Stadion. "Ich mach das nicht oft, aber wenn, dann richtig", grinste Carcedo später in die Mikrofone. Real Caracas antwortete nicht. Stattdessen kassierten sie Gelb - erst Iker Peyroteo in der 49., dann der 17-jährige Sturm-Youngster José Adao in der 87. Minute, dessen jugendlicher Übermut sich in einem rustikalen Einsteigen äußerte. Trainer Henke kommentierte trocken: "Er wollte halt zeigen, dass er da ist. Jetzt weiß es auch der Schiedsrichter." Und dann kam Vianas Moment. 84. Minute, die Luft knisterte. Eine Flanke von Vitor Marques segelte in den Strafraum, Viana stieg hoch wie ein Torero, der sich in die Arena wirft - und köpfte das Leder ins Netz. 2:1, Spiel gedreht. Viana riss die Arme hoch, die Südtribüne explodierte. "Ich hatte schon drei verballert, da musste der rein", sagte er später mit einem Lachen, das irgendwo zwischen Erleichterung und Trotz lag. Die letzten Minuten? Caracas versuchte, etwas zu tun, das nach Angriff aussah, wechselte noch zweimal - Alex Barros und Carlos Panero kamen, aber die Zeit lief gnadenlos davon. Zamora verteidigte clever, hatte sogar noch Chancen durch, wer sonst, Viana in der Nachspielzeit. Am Ende stand ein verdienter Sieg: 14:5 Torschüsse, deutlich mehr Ballbesitz und eine Zweikampfquote von 56 Prozent sprechen für sich. Real Caracas wirkte nach dem Rückstand ideenlos, fast höflich in seinem Bemühen, das Spiel nicht zu stören. "Wir haben 45 Minuten verschenkt, aber dann Charakter gezeigt", resümierte Carcedo, während sich hinter ihm die Fans noch immer gegenseitig in den Armen lagen. Trainer Henke dagegen zog die Augenbrauen hoch: "Wir wollten nicht wild pressen - haben wir auch geschafft. Vielleicht zu gut." So endet also der erste Spieltag: AD Zamora startet mit einem 2:1-Heimsieg in die Saison, Real Caracas mit einem Kater und einer Gelbsperre auf der To-do-Liste. Und irgendwo in Barinas wird noch immer diskutiert, ob Vianas Kopfball nicht das schönste Tor des Abends war. Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn sie immer so spielen, kauf ich mir sogar ’ne Dauerkarte." Nun, schlimmere Versprechen wurden schon gebrochen. 09.06.643990 15:05 |
Sprücheklopfer
Das spricht vielleicht für eine schlechte Vereinskarriere - aber das war ein Höhepunkt meiner Laufbahn!
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