La Nacion
+++ Sportzeitung für Paraguay +++

AD 12 Octubre tanzt Olimpia schwindelig - Vier Tore nach der Pause

Manchmal braucht ein Spiel einfach seine Zeit, um in Fahrt zu kommen. 45 Minuten lang hatte man am 27. Spieltag der 1. Liga Paraguay den Eindruck, AD 12 Octubre wolle die Zuschauer im Estadio Luis Salinas mit Geduld erziehen. 40.605 Menschen saßen, standen, gähnten - und dann, nach der Pause, ging der Vorhang auf für ein Feuerwerk, das Deportivo Olimpia noch lange in den Ohren klingen dürfte. Endstand: 4:0 (0:0).

Trainer Tommy Tomsen wirkte nach Abpfiff wie jemand, der gerade den Jackpot im Fußball-Lotto gezogen hat. "Ich hab den Jungs in der Halbzeit nur gesagt: ’Versucht’s mal, den Ball ins Tor zu schießen - statt immer nur daneben’", lachte er später vor den Kameras. Offenbar ein revolutionärer Gedanke, der Wirkung zeigte.

Denn kaum rollte der Ball wieder, stand es 1:0: Der flinke Vincent Domingos (47.) nutzte den ersten ernsthaften Angriff nach Wiederanpfiff, als er eine Vorlage von Youngster Nebojsa Anicic trocken ins rechte Eck jagte. Der Jubel war so laut, dass selbst der Stadionsprecher kurz seine Stimme verlor.

Von diesem Moment an spielte nur noch ein Team Fußball - und es trug Blau und Weiß. Olimpia, ohnehin schon im Ballbesitz leicht im Hintertreffen (50,1 zu 49,9 Prozent), wirkte, als habe man den Pausentee mit Schlafmittel versetzt. 12 Octubre dagegen kombinierte sich mit 21 Torschüssen durch die Defensive des Gastes, als wären dort Verkehrshütchen aufgestellt.

In der 77. Minute erhöhte Ruben Hernandez nach einem Eckball von Innenverteidiger Mark Feldmann auf 2:0 - ein kurioser Treffer, bei dem sich Olimpia-Keeper Joao Gomes derart verschätzte, dass er beim Versuch, den Ball zu fausten, eher eine Fliege traf. "Ich wollte dynamisch eingreifen", erklärte Gomes später, "aber der Ball hatte andere Pläne."

Zwei Minuten danach war die Messe gelesen: Nebojsa Anicic, gerade erst eingewechselt, zirkelte den Ball nach schöner Vorarbeit von Domingos aus 20 Metern sehenswert ins Netz - 3:0 (79.). Der junge Serbe grinste hinterher verschmitzt: "Ich hab einfach mal draufgehalten, weil Vincent meinte, ich solle mich trauen. Und siehe da - er hatte recht!"

Als hätte das Publikum noch nicht genug, legte Domingos in der 82. Minute nach. Dieses Mal war der Vorlagengeber Antonio Galvao, der auf der rechten Seite einen Verteidiger austanzte und das Leder perfekt in die Mitte legte. Domingos, mit dem Selbstvertrauen eines Torjägers auf Zucker, schob locker ein - 4:0, und der Rest des Spiels mutierte zur Party.

Olimpia? Kam kaum noch über die Mittellinie. Drei Torschüsse in 90 Minuten, keiner davon wirklich gefährlich. Der sonst so wendige Carlos Agirre wirkte ratlos: "Wir hätten heute wahrscheinlich auch mit zwei Bällen gespielt und keinen reinbekommen." Trainer der Gäste, der sichtlich gequälte Mauricio Duarte, winkte nach dem Schlusspfiff ab: "Wenn man so passiv verteidigt, darf man sich nicht wundern. Wir haben 90 Minuten auf dem Parkplatz gestanden."

Statistisch liest sich das wie ein Lehrstück in Dominanz: 21:3 Torschüsse für die Gastgeber, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe, zwei Gelbe Karten (Brinkerhoff und Haddington) als kleine Randnotiz. Selbst das "Pressing: NO" aus der taktischen Vorgabe der Heimelf wirkte wie Ironie - sie brauchten gar kein Pressing, weil Olimpia ihnen den Ball freiwillig überließ.

In der Schlussphase gönnte sich Tomsen dann den Luxus, von der Seitenlinie aus zu scherzen. "Ich hab Vincent gefragt, ob er noch Lust auf ein drittes Tor hat, aber er meinte, er wolle Platz machen für die Kollegen." Humor scheint in 12 Octubre derzeit mit Erfolg gleichzusetzen zu sein.

Als der Schiedsrichter abpfiff, klatschten die Fans im Takt - nicht aus Erleichterung, sondern aus purer Freude. Vier Tore in 35 Minuten, ein Publikum, das in Ekstase schwelgte, und eine Mannschaft, die endlich das zeigte, was ihr Trainer seit Wochen predigt: Mut, Tempo und Spaß am Spiel.

Und irgendwo im Stadion soll ein älterer Fan gesagt haben: "Das war das schönste 4:0, seit meine Schwiegermutter das Haus verlassen hat." Man wird ihm nicht widersprechen wollen.

Ein Abend, an dem AD 12 Octubre bewiesen hat: Geduld kann Qual sein - aber auch der Beginn eines Fußballfests.

08.12.643987 23:43
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