Jamaica News Bulletin
+++ Sportzeitung für Jamaica +++

Acht-Tore-Spektakel in Kingston: Wenn Fußball zum Karneval wird

Kingston, 22. Spieltag der 1. Liga Jamaica - 55.695 Zuschauer im National Stadium sahen ein Spiel, das eher an eine überdrehte Strandparty erinnerte als an taktisch disziplinierten Liga-Fußball. Kingston TG und Fire-House FC trennten sich 4:4, und wer zu spät kam, hatte schon drei Tore verpasst.

Denn es begann mit einem Feuerwerk - im wahrsten Sinne des Wortes. Bereits in der ersten Minute zappelte der Ball im Netz von Kingston TG: Charles Chamberlain, der bullige Mittelstürmer von Fire-House, traf nach Pass von Guillermo Diez. "Ich dachte, wir machen heute kurzen Prozess", grinste Chamberlain später - man konnte es ihm nicht verdenken, denn nur vier Minuten später erhöhte Diez selbst auf 0:2.

Doch wer glaubte, das Spiel sei entschieden, hatte die Rechnung ohne die jugendliche Unbekümmertheit der Gastgeber gemacht. Kingston-Coach Zion Marley, der an der Seitenlinie barfuß und mit Sonnenbrille dirigierte, schien seinen Jungs irgendetwas Inspirierendes zugerufen zu haben - vielleicht ein Zitat aus einer Reggae-Weisheit. Jedenfalls antwortete Kingston prompt: In der 7. Minute donnerte der 19-jährige Sebastien Huxley den Ball ins Eck - 1:2, und der Stadionsprecher musste sich bereits den dritten Namen notieren.

Das Tempo blieb jenseits von vernünftig. In der 10. Minute stellte Fire-House durch Oscar Zahinos auf 3:1 - wieder nach Vorlage des rastlosen Manuel Vaz. Der Gast spielte weiter wie im Rausch, 26 Torschüsse im ganzen Spiel sprechen Bände. Doch Kingston blieb hartnäckig: Erst traf Adrian Domingos in der 43. Minute nach einer butterweichen Flanke von Alain Langlois, und kaum hatten die Fans auf den Rängen das Jubeln eingestellt, netzte Henri Leclair in der 44. Minute zum 3:3 ein.

"Ich hab kaum noch gesehen, wer wen bejubelt hat", sagte Schiedsrichter-Assistent Trevor Blake augenzwinkernd. "Ich war froh, wenn der Ball mal im Mittelkreis lag."

Nach der Pause wurde es etwas ruhiger - zumindest für zehn Minuten. Dann drehte wieder Kingston auf: Der überragende Domingos traf in der 50. Minute zum 4:3. Marley jubelte, als hätte er gerade die Liga gewonnen, und rief seinem Team zu: "Jetzt spielt’s Fußball, nicht Pingpong!"

Doch Fire-House wäre nicht Fire-House, wenn sie nicht bis zum Schluss brennen würden. Trainer Dottore Caballero wechselte gleich doppelt zur Halbzeit - frischer Wind durch Duarte Gama und den erfahrenen Pierre Bach. "Ich sagte den Jungs: Wenn wir schon so viele Chancen haben, sollten wir wenigstens vier Tore machen", witzelte Caballero nach der Partie.

Und tatsächlich: In der 87. Minute fiel der Ausgleich. Wieder war es Chamberlain, der nach Flanke von Bach per Kopf einnickte - 4:4! Der Torjubel war so laut, dass man ihn bis in die Hügel von Saint Andrew gehört haben soll.

Die restlichen Minuten waren eine Mischung aus Verzweiflung, Chaos und Gelben Karten. Alain Langlois, Sefa Oktay und Pascal Bloomfield holten sich bei Kingston jeweils eine Verwarnung ab, während Niklas Lustig bei Fire-House kurz vor Schluss ebenfalls Gelb sah. Der Ballbesitz sprach knapp für Kingston (53 Prozent), doch Fire-House hatte mit 26 Torschüssen fast dreimal so viele Abschlüsse wie die Hausherren.

"Das war kein Spiel, das war ein Trommelfeuer", meinte Keeper Marcio Figo, der trotz vier Gegentoren einer der Besten seines Teams war. "Ich habe mich gefühlt wie in einem Videospiel auf höchster Schwierigkeitsstufe."

Auch Marley zeigte sich nach dem Schlusspfiff erstaunlich zufrieden: "Wenn meine Jungs mit 19 Jahren so spielen, dann darf’s auch mal 4:4 ausgehen. Lieber so als 0:0 mit Rückpässen zum Torwart."

Caballero hingegen zog den Hut vor dem Gegner: "Kingston hat Mut. Und Mut ist gefährlicher als jedes Pressing."

Als das Stadion sich langsam leerte, blieb das Gefühl, Zeuge eines jener Spiele gewesen zu sein, über die man noch spricht, wenn längst die Sonne wieder aufgeht. Acht Tore, vier Gelbe Karten, zwei Trainer mit Humor - und ein Publikum, das sich fragt, ob man Eintritt oder eigentlich ein Ticket fürs Kino bezahlt hat.

Vielleicht war es kein taktisches Meisterwerk, aber sicher ein Denkmal für den Fußball, wie ihn die Karibik liebt: wild, frei und ein bisschen verrückt.

Und während Marley nach dem Spiel barfuß über den Rasen schlenderte, summte er leise: "No worries, man - next time we score five."

30.09.643987 18:04
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Jetzt stehen die Chancen 50:50 oder gar sogar 60:60.
Rainer Calmund
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager