Canadian Soccer
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Acht Tore und kein Erbarmen - Quebec Blues zerlegen Trois Wolves

Es gibt Fußballspiele, die man lieber nicht gesehen hätte. Für die Fans der Trois Wolves war der 26. Spieltag der 1. Liga Kanada genau so ein Abend, an dem man sich wünschte, man hätte stattdessen den Keller gestrichen. 0:8 lautete der Endstand gegen die Quebec Blues - und das war noch schmeichelhaft. 43.414 Zuschauer im heimischen Stadion erlebten ein Lehrstück darüber, wie man kollektiv die Orientierung verliert.

Schon die ersten Minuten deuteten an, dass es ein langer Abend für die Wolves werden würde. Nach kaum einer Viertelstunde klingelte es erstmals im Kasten von Paul Benveniste, dem 38-jährigen Keeper, der eher resigniert als wütend wirkte. Yves Crichton, der linke Mittelfeldmann der Blues, traf nach Vorlage von Aaron Wyler - und das mit einer Selbstverständlichkeit, als spiele er auf dem Trainingsplatz gegen Hütchen. "Ich hatte so viel Platz, ich dachte schon, die haben mich vergessen", grinste Crichton später.

Wenig später dieselbe Kombination, dieselbe Wucht: Crichton traf erneut in der 37. Minute, diesmal nach Zuspiel von Julien Malfoy. Da stand es 0:2, und die Wolves wirkten, als hätten sie bereits ihre Autoschlüssel in der Kabine gesucht. Trainer Heinz Mohr gestikulierte wild, rief Dinge wie "enger stehen!" und "nicht alle gleichzeitig nach vorne!". Nur leider schien keiner seiner Spieler zu wissen, wer mit "enger" oder "vorne" gemeint war.

Nach dem Seitenwechsel wurde es dann richtig bitter. Quebec-Coach Lutz Lindemann hatte seine Männer offenbar nur kurz daran erinnert, dass es noch ein paar Tore mehr sein könnten. Malfoy (49.) und Barend Veeder (52.) legten nach, ehe Hanns Lauer (57.) den Ball humorlos unter die Latte drosch. 0:5 - und noch über eine halbe Stunde zu spielen.

"Ich habe meinen Spielern gesagt, sie sollen Spaß haben. Offenbar haben sie mich zu wörtlich genommen", kommentierte Lindemann mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Stolz und Mitleid pendelte.

Die Wolves dagegen standen unter Schock. Ihr einziger Torschuss kam in der 81. Minute von Pierre Cauchon - ein Schuss, der so harmlos war, dass Quebecs Torwart Javier Jimenez nicht einmal die Handschuhe schmutzig machte. "Ich musste mich wenigstens einmal bewegen", witzelte der Keeper nach der Partie.

Doch die Blues hatten noch nicht genug. In der 69. Minute schrieb der 17-jährige Linksverteidiger Destiny Udogie Geschichte - sein erstes Ligator, vorbereitet von seinem gleichaltrigen Mitspieler Louis Prinsloo, ebenfalls Verteidiger. "Wir wollten einfach mal sehen, wie sich das anfühlt, wenn auch Defensivleute treffen", sagte Udogie, der von seinen älteren Kollegen mit Staunen gefeiert wurde.

Als wäre das nicht genug, traf Veeder in der 87. Minute erneut, diesmal nach Vorlage des eingewechselten Jungspunds David Chamberlain. Den Schlusspunkt setzte Diego Sousa in der Nachspielzeit (91.) nach feiner Vorarbeit von Oscar Sancho - das achte Tor an einem Abend, der in Trois wohl noch lange nachhallen wird.

Statistisch liest sich das Desaster nüchtern: 1:17 Torschüsse, 45 zu 55 Prozent Ballbesitz, 42 Prozent gewonnene Zweikämpfe - das sind Werte, mit denen man eher ein Trainingsspiel gegen die eigene Jugend verliert als ein Ligaspiel. "Wir haben gekämpft", murmelte Wolves-Kapitän Samuel Gaudin nach Schlusspfiff, "aber irgendwann kämpfst du nur noch gegen den Spielstand."

In der 86. Minute kam es dann auch noch knüppeldick: Der junge Mittelfeldmann Taylor Darabont verletzte sich und musste raus. Trainer Mohr brachte Stürmer Gottfried Roemer - wohl in der Hoffnung, wenigstens den Ehrentreffer zu erzwingen. Doch der kam nicht. Stattdessen klingelte es erneut hinten.

Das Publikum reagierte erstaunlich gelassen. Schon ab dem 5:0 wurde jede gelungene Ballberührung der Wolves ironisch beklatscht, und als Benveniste kurz vor Schluss einen Rückpass sicher fing, erhob sich das Stadion zu stehenden Ovationen. Galgenhumor hat Tradition in Trois.

"So etwas darf uns nicht nochmal passieren", versprach Mohr in der Pressekonferenz, wobei er eher klang, als hoffe er, dass es tatsächlich nicht mehr passiert - weil es schlicht nicht schlimmer werden kann.

Zumindest die Quebec Blues können sich über diesen Abend freuen. Acht verschiedene Vorlagengeber, sechs verschiedene Torschützen - das war Spielfreude im Quadrat. Lindemann lächelte milde: "Ich sag’s mal so: Wir waren heute einfach in Stimmung."

Und die Wolves? Sie werden versuchen, das Spiel schnell zu vergessen. Vielleicht hilft ja ein altes Sprichwort: Nach jedem 0:8 kommt irgendwann wieder ein 1:0. Nur bitte nicht nächste Woche.

16.11.643987 09:18
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