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Manchmal schreibt der Fußball Geschichten, die selbst ein Drehbuchautor als "zu unrealistisch" abtun würde: Ein linker Verteidiger schnürt einen Doppelpack, während die Stürmer sich fragend die Schuhe zubinden. So geschehen am 11. Januar 2026, 20:30 Uhr, im Nauco-Stadion, wo 26 234 frierende, aber hartgesottene Zuschauer Zeugen eines bitterkalten, aber heißen Duells zwischen dem FC Nauco und Degerfor FF wurden. Am Ende stand es 0:2 - und Held des Abends hieß Gudmund Abelson, 20 Jahre jung, Linksverteidiger mit dem Torriecher eines Mittelstürmers. Das Spiel begann mit offenem Visier. Schon in der ersten Minute prüfte Degerfors Adrian Holmqvist den Heimkeeper Quinter Deblock - der Belgier lenkte den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte. "Da wusste ich, das wird ein langer Abend", meinte Deblock später trocken. Nauco versuchte, über die Flügel zu kommen, wie es Trainer Mr Hawk in seiner "Wings"-Taktik vorgesehen hatte. Doch die Angriffe verpufften - mal fehlte die Präzision, mal der Mut, mal einfach ein bisschen Glück. In der 29. Minute dann der erste Paukenschlag: Degerfors rechter Mittelfeldmann Bengt Dahlstrom zog die Linie entlang, flankte scharf nach innen, und plötzlich stand dort - nein, kein Stürmer, sondern eben jener Gudmund Abelson. Der hob kurz den Kopf, nahm Maß und jagte den Ball humorlos ins rechte Eck. 0:1. "Ich dachte eigentlich, ich soll hinten bleiben", grinste Abelson nach dem Spiel, "aber mein linker Fuß hatte wohl andere Pläne." Nauco wirkte geschockt, fing sich aber schnell. Zwischen Minute 30 und 40 feuerten Mattson, Nilsson und Ohlsson gleich mehrere Schüsse ab, doch Degerfors Keeper Hjalmar Karlsson erwies sich als menschliche Mauer mit Handschuhen. "Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft ich den Ball gesehen habe", stöhnte Stürmer Vilhelm Paulsson, der mit 17 Jahren noch nicht wusste, ob man nach so einem Spiel weinen oder lachen soll. Zur Pause blieb es beim 0:1, und auf den Rängen wurde diskutiert, ob Nauco nicht etwas mehr Risiko wagen müsste. Trainer Mr Hawk schüttelte nur den Kopf: "Wenn du gegen Degerfor aufmachst, läufst du in ihr Messer." Leider behielt er recht. Degerfor-Coach René Linge brachte nach der Halbzeit frische Beine - Mattias Ohlson für Ingvar Abramson im Sturm, später auch den jungen Valborg Norman im Mittelfeld. "Wir wollten das Spiel kontrollieren, nicht verwalten", erklärte Linge. Und tatsächlich: 54 Prozent Ballbesitz, 15 Torschüsse und eine erstaunlich ruhige Defensive sprachen für einen Plan, der aufging. Bei Nauco dagegen wurde es unruhig. In der 59. Minute verletzte sich Verteidiger Juan Pablo Viana, der blutjunge Artur Ohlsson kam für ihn. Kurz darauf Gelb für Mattias Nilsson - ein Frustfoul, das Bände sprach. "Ich wollte nur zeigen, dass ich noch da bin", sagte Nilsson später mit einem gequälten Lächeln. Der zweite Treffer fiel in der 78. Minute - und wieder war es Gudmund Abelson. Diesmal schob ihm Anselm Taube den Ball in den Lauf, Abelson sprintete durch, als hätte er nie etwas anderes getan, und schlenzte die Kugel unhaltbar ins lange Eck. 0:2, und die Nauco-Fans begruben ihre Hoffnungen im Schneematsch. Kurz darauf gab’s noch Gelb für den jungen Harald Lundqvist, der offenbar beschlossen hatte, wenigstens die Statistik zu retten. Degerfor nahm das Tempo raus, spielte souverän herunter - "defensiv, aber nicht ängstlich", wie Kapitän Damiano Gallo es formulierte. Nach Abpfiff sah man zwei sehr unterschiedliche Szenen: Auf der einen Seite jubelnde Degerfor-Spieler, die ihren Linksverteidiger in die Luft warfen, auf der anderen Mr Hawk, der still die Hände in den Manteltaschen vergrub. "Wir hatten Chancen, aber keine Nerven", murmelte er. "Und Abelson hatte beides." Die Zahlen bestätigen es: 10 Torschüsse für Nauco, 15 für Degerfor, Ballbesitz 46 zu 54 Prozent, Tacklingquote 49 zu 51 Prozent - also ein enges Spiel, das durch Effizienz entschieden wurde. Für Degerfor FF war es ein Sieg der Disziplin, für den FC Nauco ein Abend der verpassten Möglichkeiten. Und für Gudmund Abelson? Vielleicht der Moment, in dem ein junger Verteidiger merkte, dass er auch ein bisschen Stürmer sein darf. Oder, wie er es selbst formulierte: "Wenn man zweimal trifft, darf man beim nächsten Training vielleicht vorn mitspielen." Na dann, Herr Hawk - vielleicht mal über eine Positionsänderung nachdenken. 14.05.643987 21:11 |
Sprücheklopfer
Wer jetzt noch von der Meisterschaft spricht, der muß ein Diplom von der Tanzschule für Traumtänzer kriegen.
Rainer Calmund