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Belgrad, 10. Februar 2026 - 61.808 Zuschauer im Marakana-Stadion sahen ein Champions-League-Qualifikationsspiel, das zunächst nach einem bösen Erwachen für Crvena Zvezda Belgrad aussah, aber in einem kleinen serbischen Fußballfest endete. 3:1 hieß es am Ende gegen den tschechischen Underdog FC Bystrc-Kninicky - ein Ergebnis, das deutlicher klingt, als es die ersten Minuten vermuten ließen. Gerade sieben Minuten waren gespielt, als Sasa Juskic, der bullige Mittelstürmer der Gäste, den Ball nach feiner Vorarbeit von Raphael Herzog ins linke Eck schob. Belgrads Keeper Alberto Santos streckte sich vergeblich, und auf der Tribüne herrschte kurz betretenes Schweigen. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur zum Trikottausch hier sind", grinste Juskic später, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. Crvena Zvezda wirkte in der Anfangsphase überrascht, fast beleidigt. Trainer Don Dirigente rannte an der Seitenlinie auf und ab und brüllte seine Abwehr wach. "Ich hatte das Gefühl, sie dachten, das Spiel beginnt erst nach meiner dritten Zigarette", fluchte er nach dem Abpfiff. Ab der 20. Minute nahm der serbische Traditionsklub das Heft in die Hand. Die Torschüsse häuften sich - 17 an der Zahl sollten es am Ende sein - und in der 26. Minute fiel die Erlösung: Rechtsverteidiger Zvonimir Dudic, eigentlich für das Grobe zuständig, tauchte nach einer butterweichen Flanke von Dusko Drageljevic plötzlich im Strafraum auf und wuchtete den Ball zum 1:1 in die Maschen. "Ich hab einfach mal gemacht, was sonst Zoran macht - nach vorne rennen und hoffen", erzählte Dudic später lachend. Mit dem Ausgleich kehrte der Rhythmus zurück. Zwar hatte Bystrc-Kninicky mehr Ballbesitz (56 Prozent), doch Belgrad spielte zielstrebiger, aggressiver, ja, fast wütend. Der Halbzeitpfiff kam den Gästen gelegen - und den Gastgebern wohl eher zu früh. Nach dem Seitenwechsel schien Crvena Zvezda endgültig begriffen zu haben, dass Qualifikationsspiele keine Freundschaftsspiele sind. Das Publikum forderte mehr, und es bekam mehr - in Person von Zoran Dordevic. Der flinke Linksaußen war kaum zu halten, immer wieder anspielbar, immer gefährlich. In der 61. Minute belohnte er sich: ein präziser Pass von Zoltan Detari, ein Haken, ein Schuss, ein Tor - 2:1. Bystrc-Kninicky versuchte, Ordnung zu bewahren, doch das Momentum war dahin. Nur acht Torschüsse bekamen sie zusammen, meist harmlose Versuche von Hermanni Pasanen oder Jerome Simard. In der 68. Minute folgte dann der endgültige Knockout: Wieder Dordevic, wieder Detari als Vorlagengeber. Ein Doppelpack, der das Stadion in rotes Licht tauchte. Von da an war es ein kontrolliertes Aufbäumen der Serben, mit gelegentlichen Gelben Karten, die so etwas wie Muskelspiele wirkten. Dusko Drageljevic (71.), Ferenc Bozsik (92.) und der eingewechselte Joel Stack (94.) sahen Gelb - "Wir wollten halt zeigen, dass wir auch körperlich anwesend sind", kommentierte Bozsik süffisant. In der Schlussphase nutzte Dirigente die komfortable Führung für ein paar Wechsel. "Ich wollte den Jungs zeigen, dass Belgrad auch mit frischen Beinen Spaß macht", sagte er, während er Hermann Abramson und Goran Koroman auf den Platz schickte. Koroman bedankte sich prompt mit einem satten Distanzschuss in der 88. Minute - knapp vorbei, aber immerhin ein Ausrufezeichen. Gästecoach Carsten Achenbach wirkte nach dem Abpfiff gefasst, fast erleichtert. "Wir haben mehr Ballbesitz gehabt, das muss man erstmal schaffen gegen so eine Mannschaft", meinte er und lächelte schief. Ein Satz, der wohl in den nächsten Tagen auf jedem Trainingsplatz in Bystrc zitiert werden dürfte. Statistisch gesehen war es ein klarer Fall: 17:8 Torschüsse, 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Zvezda, und ein Publikum, das selbst in den kalten Februarabend hinein noch sang. Belgrad hat sich mit diesem 3:1 eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel verschafft - doch Trainer Dirigente warnte sofort: "Wer beim Rückspiel nur zum Duschen anreist, fliegt raus. Punkt." Man darf gespannt sein, ob Bystrc-Kninicky in zwei Wochen noch einmal die serbische Abwehr so früh überraschen kann. Aber eines ist sicher: Zoran Dordevic wird schon wieder irgendwo lauern, bereit, den nächsten Verteidiger schwindlig zu spielen - und sich danach mit einem schelmischen Grinsen feiern zu lassen. Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne beim Hinausgehen murmelte: "Wenn der so weiter trifft, braucht Don Dirigente bald einen neuen Hut - der alte fliegt ihm sonst jedes Mal vom Kopf." 15.07.643990 01:24 |
Sprücheklopfer
Gegen uns hätten wir auch gewonnen.
Klaus Allofs