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Zell am See zerlegt Gratkorn - 5:0 und ein Abend zum Vergessen

Manchmal läuft ein Fußballspiel so einseitig, dass man fast Mitleid mit der Anzeigetafel bekommt. 12.500 Zuschauer im Stadion von Gratkorn durften am 28. Spieltag der 2. Liga Österreich Zeugen eines solchen Abends werden: Der SC Gratkorn verlor mit 0:5 gegen Zell am See - und das Ergebnis war noch schmeichelhaft.

Schon nach acht Minuten war klar, wohin die Reise geht. Liam Duncan, der flinke Rechtsaußen der Gäste, traf nach schöner Vorarbeit von Pol Caneira - 1:0 für Zell. "Ich hab ihn nur gesehen und gedacht: Lauf, Liam, lauf!", grinste Caneira später, als wäre das alles eine Trainingseinheit gewesen. Duncan, etwas bescheidener, meinte: "Ich wollte eigentlich flanken, aber der Ball hat sich entschieden, ins Tor zu gehen."

Gratkorn reagierte… nun ja, sie reagierten irgendwie. Trainer Andi Garagengold blieb mit verschränkten Armen an der Seitenlinie stehen, während seine Mannschaft zwar offensiv eingestellt war, aber das Spielgerät so selten besaß wie ein Schneemann Sonnencreme. 42 Prozent Ballbesitz und nur drei Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache.

Zell am See dagegen spielte mit einer Leichtigkeit, die fast schon unverschämt wirkte. Eri Meyer, der rechte Verteidiger mit Offensivdrang, erhöhte in der 29. Minute auf 2:0 - nach einem präzisen Zuspiel von Danko Dudic. "Ich hab gedacht, ich probier’s einfach mal", sagte Meyer später. "Und dann war der Ball halt drin. So was passiert."

Was dann folgte, war eine Demonstration. In der 35. Minute durfte Caneira sich selbst in die Torschützenliste eintragen, bedient von Jungspund Pascal Weise. Nur zwei Minuten später traf Julian Schmidt zum 4:0 - erneut nach Caneira-Vorlage. Es war der Moment, in dem man das Gefühl hatte, Gratkorn könne noch eine Stunde weiterspielen, ohne dass sich etwas ändern würde.

In der Pause versuchte Trainer Garagengold mit drei Wechseln das Ruder herumzureißen: Helmut Kühne, Juanito Velez und Sebastian Mencel kamen, alle jung, alle motiviert. Doch Motivation hilft wenig, wenn Zell am See weiter das Spiel diktiert. "Wir wollten gar nicht arrogant wirken", sagte Gästetrainer - nennen wir ihn stellvertretend "Coach X" -, "aber meine Jungs hatten einfach Spaß. Und wenn Fußball Spaß macht, wird’s gefährlich."

Zehn Minuten nach Wiederanpfiff dann eine Schrecksekunde: Valentin Sundström musste verletzt raus, offenbar eine Muskelblessur. "Ich hab gleich gespürt, das zwickt", murmelte er später in der Mixed Zone, während Ersatzmann Jaroslaw Schatalow schon auf dem Platz stand. Doch auch dieser Wechsel brachte keinen Bruch ins Spiel der Gäste - im Gegenteil.

In der 66. Minute war es wieder Liam Duncan, der den Ball eiskalt im Netz versenkte, diesmal nach Pass von Pascal Weise. 5:0. Jubel, Staunen, und auf der Tribüne ein Gratkorn-Fan, der trocken meinte: "Ich glaub, ich geh lieber früher heim, bevor’s zweistellig wird."

Die letzten 20 Minuten waren Schaulaufen. Zell am See kombinierte locker, Gratkorn rannte tapfer hinterher. Torhüter Pau de Torre verhinderte mit mehreren Paraden Schlimmeres - besonders einen wuchtigen Schuss von Danko Dudic in der 78. Minute fischte er sehenswert aus dem Winkel.

Nach dem Abpfiff versuchte Garagengold Fassung zu bewahren: "Wenn du fünf kriegst, kannst du keine Märchen erzählen. Wir hatten einen Plan, der war halt Mist." Ein Satz, der Sympathiepunkte brachte, aber keine Punkte in der Tabelle.

Statistisch betrachtet war der Abend eine klare Angelegenheit: 19 Torschüsse der Gäste, 3 der Hausherren, 57 Prozent Ballbesitz für Zell, und eine Tackling-Quote, die fast so deutlich war wie das Ergebnis selbst.

Für Zell am See war es ein Statement-Sieg - spielerisch reif, taktisch diszipliniert, mit einem glänzend aufgelegten Duncan, der mit zwei Toren und einer Vorlage zum Mann des Spiels avancierte. Pol Caneira war der kreative Motor, Pascal Weise ein unermüdlicher Strippenzieher im Mittelfeld.

Für Gratkorn bleibt die Erkenntnis: Offensive Aufstellung allein macht noch kein Offensivspiel. "Vielleicht sollten wir beim nächsten Mal das Tor mitnehmen, dann treffen wir wenigstens im Training", meinte Innenverteidiger Marwin Bergmann halb im Scherz.

Ein Abend zum Vergessen für Gratkorn, ein Abend zum Genießen für Zell am See - und für den neutralen Zuschauer ein Lehrstück darüber, wie man mit Spielfreude und Präzision ein Spiel dominiert. Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "So schön kann Fußball sein - wenn man für die richtige Mannschaft hält."

19.12.643987 14:25
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Der Vorteil von Trainern wie Branko Zebec und Ernst Happel war ihre kuriose Sprache. Die Spieler mussten sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.
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