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Es war einer dieser Abende, an denen 37.179 Zuschauer im Stadion von Pruszkow spürten: Hier passiert gleich etwas. Nur wussten sie 78 Minuten lang nicht so recht, was. Erst dann, als der 19-jährige Nenad Zdravkovic den Ball mit unverschämter Coolness ins lange Eck schob, brach der Bann - und SK Pruszkow feierte einen 1:0-Sieg gegen Wista Plock, der so hart erarbeitet war wie ein polnischer Winter. Das Spiel begann mit viel Elan und noch mehr Verwirrung. Bereits in der ersten Minute prüfte der ebenfalls 19-jährige Yves Schäfer den gegnerischen Keeper Martin Devogel mit einem wuchtigen Schuss. Der flog zwar eher in Richtung Tribüne, aber immerhin: ein Zeichen. Trainer Stefan Petruck klatschte anerkennend in die klirrende Abendluft. "Wenn wir die Latte treffen, ist das ja quasi schon ein halbes Tor", grinste er später. Wista Plock hielt dagegen - vor allem dank ihres Oldies im Mittelfeld, Saruhan Toraman. Der 35-Jährige schien fest entschlossen, seinen 34-jährigen Stürmerkollegen Ezequiel Martins jung aussehen zu lassen. Beide sorgten in der ersten Halbzeit für die gefährlichen Momente der Gäste. Martins prüfte Torwart Pedro Sousa gleich mehrfach, alle seine Versuche wurden jedoch vom Pruszkower Keeper entschärft - oder von der eigenen Nervosität. "Ich hatte das Gefühl, der Ball wollte einfach nicht rein", meinte Martins nach dem Spiel. "Vielleicht war er Fan von Pruszkow." Nach rund 20 Minuten bekam das Spiel die Farbe Gelb - und zwar durch Adrian Kosowski, der seinem Gegenspieler etwas zu deutlich erklärte, dass dies sein Rasen sei. Der Schiedsrichter verstand den territorialen Hinweis nicht und zückte die Karte. Kosowski grinste später: "Ich wollte nur den Ball spielen. Leider war der Ball gerade woanders." Zur Pause stand es 0:0 - ein Ergebnis, das zu diesem Zeitpunkt niemanden überraschte. Pruszkow hatte zwar 17 Torschüsse im gesamten Spiel (gegenüber 7 von Plock), aber der Ertrag blieb überschaubar. Wista Plock hatte mehr Ballbesitz (52,6 Prozent), aber weniger Ideen. Die einen rannten, die anderen passten, und beide fragten sich, ob das irgendwann zu einem Tor führen würde. In der zweiten Halbzeit reagierte Trainer Petruck. Er brachte frische Beine - und offenbar auch frische Ideen. Zunächst kam Philip Szamotulski für Jerzy Zurawski, dann der 18-jährige Nael Costa für den erfahrenen Kamil Niedzielan. Der größte Coup aber folgte in der 58. Minute: Der junge Nenad Zdravkovic betrat das Feld für Amadeus Kowalik. "Stefan sagte nur: ’Mach was draus, Junge’", erzählte Zdravkovic später mit einem Lächeln. "Ich dachte, er meint den Rasen." Doch der Serbe machte etwas anderes draus - Geschichte. In der 79. Minute, nachdem Noe Costa von links einen präzisen Pass an die Strafraumkante spielte, nahm Zdravkovic den Ball mit der Brust an, ließ einen Verteidiger ins Leere laufen und schlenzte ihn unhaltbar ins rechte Eck. 1:0. Stadion in Ekstase. Trainer Petruck ballte nur kurz die Faust - und flüsterte angeblich: "Endlich." Wista Plock versuchte in den Schlussminuten noch, den Rückstand auszugleichen, doch die Defensive von Pruszkow stand wie eine Betonmauer mit Leidenschaft. Torwart Sousa pflückte unzählige Flanken herunter, während Kapitän Grzegorz Chalaskiewicz in der Nachspielzeit gleich zwei Schüsse aus der Distanz wagte - auf das falsche Tor, aber wen störte das da noch. Nach dem Abpfiff ließ sich Zdravkovic von seinen Mitspielern feiern, als hätte er gerade den Aufstieg klargemacht. "Ich hab einfach den Ball gesehen und gedacht: Warum nicht?", sagte er in der Kabine, während Kollege Schäfer lachend ergänzte: "Er dachte das schon beim ersten Training." Trainer Bryan Adams von Wista Plock - ja, tatsächlich so heißt er - zeigte sich sportlich. "Wir haben gut verteidigt, aber irgendwann kam dieser junge Wilde. Und da war’s passiert." Ob er den Ärger mit einem Song verarbeitet, ließ er offen. Für Pruszkow war es ein Sieg des Willens, der Jugend und der Geduld. Die Fans verließen das Stadion mit dem Gefühl, Teil von etwas Aufblühendem zu sein. "Vielleicht war das heute der Moment, in dem unser neuer Sturm geboren wurde", sagte Petruck, während hinter ihm die Spieler noch Selfies mit den Ultras machten. Ein bisschen Pathos, ein bisschen Glück - und drei Punkte. Mehr braucht man an einem kalten Märzmorgen in der 1. Liga Polens nicht. Und wer weiß: Wenn Zdravkovic so weitermacht, wird man in Pruszkow bald von einem Wunderkind sprechen - auch wenn er selbst nur schmunzelt: "Ich bin einfach froh, dass ich getroffen hab. Meine Mutter hat gesagt, sie will endlich mal was Positives über mich in der Zeitung lesen." Mission erfüllt, Nenad. 14.12.643993 13:08 |
Sprücheklopfer
Dazu müsste erst einmal ein Bundestrainer zum Betzenberg kommen. Der Letzte war meines Wissens Sepp Herberger.
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