Noticiero VeneVision
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Zamora verschenkt Sieg gegen mutige Aragua-Elf

Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, warum Fußball eigentlich so grausam ehrlich ist. 35 243 Zuschauer im Estadio Zamora sahen ein 2:2, das sich für die Hausherren wie eine Niederlage anfühlte - und für die Gäste aus Aragua wie ein kleiner Triumphzug.

Dabei fing alles an wie aus dem Lehrbuch des perfekten Auswärtsspiels. Fünfte Minute, erste Duftmarke, erster Treffer: Der 18‑jährige Jose Maria Gontan, kaum alt genug für die Erwachsenenkarte im Kino, drückte den Ball nach einer flachen Hereingabe von Adriano Diez trocken ins Netz. "Ich hab einfach draufgehalten, ohne zu denken - das hat wohl geholfen", grinste der Teenager später, während Trainerin Claire Werk dezent versuchte, nicht ebenfalls zu grinsen.

AD Zamora brauchte eine Viertelstunde, um die Schockstarre abzuschütteln. Trainer Markus Kühl schimpfte am Spielfeldrand so laut, dass man es bis in die letzte Reihe hörte. Und siehe da - seine Worte fanden Gehör. In der 21. Minute war es Jürgen Kolb, der nach feinem Pass von Joshua Hübner den Ausgleich markierte. Eine Minute später folgte das, was man im venezolanischen Fußball als Doppelschlag bezeichnet: Adam Kozacik tauchte links im Strafraum auf, bekam den Ball von Daniel Warschawski und schob lässig zum 2:1 ein.

"Da dachte ich, jetzt geht’s richtig los", gab Hübner später zu. "Aber Fußball ist halt kein Wunschkonzert." Recht hat er. Denn obwohl Zamora mit 58 Prozent Ballbesitz und zwölf Abschlüssen mehr Kontrolle zeigte als ein Uhrwerk, blieb der entscheidende dritte Treffer aus.

In der zweiten Halbzeit verlegte sich Aragua auf das, was man wohl "organisiertes Chaos mit Offensivdrang" nennen könnte. Trainerin Werk stellte auf volles Risiko um - offensiv, Flügelspiel, Pressing auf Anschlag. "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit wehenden Fahnen", erklärte sie nach dem Spiel trocken.

Ihre Mannschaft nahm sie beim Wort. Damian Santos und der eingewechselte Egil Ali prüften Zamora‑Keeper Jose Couto mehrfach, während auf der Gegenseite Hübner Chancen für zwei Spiele vergab. In der 76. Minute zirkelte Kolb einen Ball an die Latte, und Kühl schlug die Hände vors Gesicht - wieder nichts.

Dann kam Minute 82, und mit ihr der Moment, in dem 35 000 Menschen gleichzeitig aufstöhnten. Florian Sonntag, der schon die ganze Partie über wie ein geölter Blitz über die linke Seite fegte, bekam einen Steilpass von Samuel Barrymore und schlenzte die Kugel aus 16 Metern ins lange Eck. 2:2 - und ein Tor, das in seiner Schlichtheit fast poetisch war.

"Ich hab gar nicht gesehen, dass der Ball drin war, bis Barrymore mich umgerissen hat", lachte Sonntag anschließend. Und Trainerin Werk? Die rief dem Reporter mit einem Augenzwinkern zu: "Sagen Sie ruhig, das war gewollt."

Zamora drückte noch einmal, Hübner prüfte Araguas Torhüter Silvestre Herrero in der Nachspielzeit, aber der blieb standhaft. Als der Schlusspfiff kam, war der Jubel der Gäste ohrenbetäubend - man hätte meinen können, sie hätten gerade die Meisterschaft gewonnen.

Statistisch gesehen war alles ausgeglichen: 12 Torschüsse pro Team, fast identische Zweikampfquote. Nur beim Ballbesitz lag Zamora vorn - und trotzdem reichte es nicht. "Wir haben zu schön gespielt und zu wenig getroffen", knurrte Markus Kühl danach. "Aber wenigstens hat keiner geschlafen."

Ein kleiner Trost blieb: Das Publikum bekam ein Spiel, das an Dramatik kaum zu überbieten war. Zwei Teams, die unterschiedliche Philosophien verkörperten - hier das strukturierte, balancierte Zamora, dort das risikofreudige Aragua mit Pressing bis zur letzten Sekunde.

Als die Spieler schließlich in den Kabinengang verschwanden, hörte man einen Fan rufen: "Wenn das unentschieden ist, will ich gar nicht wissen, wie Sieg aussieht!" - ein Satz, der die Stimmung perfekt traf.

Und so bleibt am Ende ein 2:2, das mehr Geschichten erzählt, als es Tore gibt: von jugendlicher Frechheit, verpassten Chancen und einem Trainer, der seine Stimme irgendwo zwischen der 60. und 70. Minute verloren hat. Fußball eben - gerecht, ungerecht, aber niemals langweilig.

11.07.643987 21:27
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