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Es war ein kalter Jännerabend, wie gemacht für ein Spiel, das mehr über Geduld als über Glanz entschieden werden sollte. 26.305 Zuschauer hatten sich im Hainburger Stadion eingefunden, eingepackt in Schals, Hoffnung und die leise Ahnung, dass dieser 14. Spieltag der 2. Liga Österreich kein Feuerwerk, sondern ein zähes Ringen werden würde. Und sie behielten recht. Am Ende stand ein 0:1 aus Sicht des FK Hainburg - verdient, aber doch irgendwie ärgerlich. Von Beginn an war klar: Hallwang hatte den Ball, Hainburg hatte den Willen. 57 Prozent Ballbesitz sprachen eine deutliche Sprache, aber in den ersten 45 Minuten war sie nicht besonders poetisch. Viel Mittelfeld, viele Fehlpässe, ein paar harmlose Schüsse - etwa von James Beglin in der 1. und Benjamin Thuringer in der 4. Minute - und noch mehr gegenseitiges Anschreien. "Wir wollten ruhig bleiben, aber bei dem Platz war jeder Pass ein Abenteuer", sagte Hainburgs Trainer Andreas Swoboida nach dem Spiel und verzog das Gesicht, als hätte er gerade in eine Zitrone gebissen. Hallwang wirkte reifer, ließ den Ball laufen, und wenn einer den Unterschied andeutete, dann war es der junge Lubomir Zabavnik. Der 21-jährige Rechtsaußen tauchte immer wieder gefährlich auf, prüfte Hainburgs Keeper Sebastian Bogusz in der 6. und 15. Minute, scheiterte aber noch an dessen glänzenden Reflexen. "Ich hab’ ihm gesagt: Wart’s ab, der nächste sitzt", grinste Mitspieler Elias Geier später. Zur Pause stand es 0:0, und man hatte das Gefühl, beide Teams wären auch mit einem Elfmeterschießen einverstanden gewesen, nur um der Kälte zu entkommen. Doch nach dem Seitenwechsel geschah - nun ja, zunächst weiterhin wenig. Hainburg kämpfte sich in die Zweikämpfe, manchmal übermotiviert: Gerard Bettencourt sah in der 55. Minute Gelb, eine Karte, die schon beim Aushändigen müde wirkte. Swoboida reagierte, brachte in der 65. Minute Gustav Peters für Alexander Carey - ein Wechsel, der zumindest frischen Atem, wenn schon keine Gefahr brachte. Auf der anderen Seite schob Hallwang das Spiel immer weiter nach vorne, zählte am Ende 15 Torschüsse, während Hainburg gerade einmal fünf vorweisen konnte. Und dann kam die 80. Minute: Geier tankt sich über links durch, zieht zwei Verteidiger auf sich, legt zurück - und Zabavnik jagt den Ball aus 14 Metern unter die Latte. Keine Chance für Bogusz. 0:1. Jubel im Gästeblock, eisige Stille im Rest des Stadions. "Ich hab einfach draufgehalten", erklärte Zabavnik nach dem Spiel und grinste, als wüsste er, dass das nur halb die Wahrheit war. Hainburg versuchte danach, Chaos als Taktik zu verkaufen, und brachte in der 80. Minute Simon Lohmann für Antoine Boon. Doch was folgte, war kein Aufbäumen, sondern ein letztes Aufbäumen des Schicksals: In der 89. Minute sah Oliver Erdmann Rot nach einem übermotivierten Einsteigen, das mehr Frust als Foul war. "Er hat den Ball getroffen, nur leider drei Sekunden zu spät", kommentierte ein Fan sarkastisch von der Tribüne. Hallwang spielte die letzten Minuten routiniert herunter, gönnte sich in der Nachspielzeit sogar noch einen Schuss von Arkadiusz Lesniak, der knapp drüber ging. Als der Schlusspfiff ertönte, jubelten die Gäste, während Hainburgs Spieler mit hängenden Köpfen vom Platz trotteten. "Uns fehlt derzeit einfach der letzte Pass", sagte Swoboida und fügte mit einem bitteren Lächeln hinzu: "Und manchmal auch der vorletzte." Auf der anderen Seite lobte Hallwangs Trainer seine Mannschaft für die Geduld: "Wir wussten, dass wir dranbleiben müssen. Und Lubo hat geliefert." Am Ende bleibt ein Spiel, das niemanden vom Hocker riss, aber genau die Sorte Punkte brachte, aus der sich Aufstiege zusammenstückeln. Hallwang hat mit diesem 1:0 den Anschluss an die oberen Tabellenplätze gewahrt, während Hainburg weiter im grauen Mittelfeld verharrt - mit dem Gefühl, dass man sich wenigstens die Erkältung verdient hat. Oder wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "War nix Schönes - aber wenigstens ist’s vorbei." 18.06.643987 14:24 |
Sprücheklopfer
Über Trainer rede ich nicht in der Öffentlichkeit. Es sei denn, ich stelle einen ein oder schmeiße ihn raus.
Rudi Assauer