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Ein Tor kurz vor der Pause, ein Platzverweis kurz danach und 58 513 Zuschauer, die zwischen Nervenkitzel und Gähnen schwankten - mehr brauchte es an diesem kühlen Freitagabend in Santa Eulalia nicht für ein 1:0, das Trainer Dede Dedede später mit den Worten kommentierte: "Schön war’s nicht, aber schön wichtig." Dabei hatte CD Denia zu Beginn gar nicht den Eindruck gemacht, als wollte man sich hier verstecken. Schon in der zweiten Minute prüfte Tiago Meira den Heimkeeper Esteban Figo mit einem kernigen Linksschuss. "Ich dachte, der Ball sei drinnen", murmelte Meira später, "aber Figo hat wohl klebrige Handschuhe." Santa Eulalia wackelte kurz, stand dann aber so sicher, als hätten sie Beton unter den Stollen. Dede Dedede hatte seine Elf klar defensiv eingestellt - lange Bälle, schnelles Umschalten, kein Pressing. Das klang auf dem Papier nach Skepsis, sah auf dem Feld aber erstaunlich effektiv aus. Immer wieder suchte der quirlige Linksaußen Tomas Zabavnik die Lücke, flankiert vom laufstarken Javi Galan, der im Mittelfeld den Takt vorgab. Denia dagegen spielte, als gäbe es für Ballbesitz Punkte zu gewinnen: 52 Prozent Kontrolle, aber wenig daraus gemacht. Trainer Mark Zander brüllte sich an der Seitenlinie heiser, "Bewegung, Leute, Bewegung!", doch seine Offensivreihe drehte sich eher um sich selbst als um den Gegner. Nach einigen beidseitigen Versuchen - Gimenez scheiterte in der 6. Minute, Ercan auf der Gegenseite in der 7. - kam der Moment, der das Spiel entschied. In der 43. Minute nahm Galan einen unauffälligen Ball in der Zentrale, drehte sich elegant aus dem Pressing und schickte Zabavnik auf links. Der Slowake ließ Denias Rechtsverteidiger Notara mit einem Haken stehen und schlenzte den Ball aus 16 Metern in den rechten Winkel. 1:0. Jubel, Rauch, Trommeln, und irgendwo im Block C fiel ein Bierbecher in Zeitlupe zu Boden. "Ich habe einfach draufgehalten", grinste Zabavnik nach dem Spiel, "und gehofft, dass der Torwart gerade nicht hinschaut." So war’s dann wohl. Noch vor der Pause sah Denias Ernesto Ramos Gelb für ein rustikales Einsteigen - und fünf Minuten nach dem Seitenwechsel Gelb-Rot. Damit war der Abend für ihn beendet und für Denia die Hoffnung weitgehend auch. "Ich hab den Ball gespielt, ehrlich", beteuerte Ramos später, während er sich in der Mixed Zone die Schuhe auszog. Niemand widersprach - auch weil kaum jemand ihn verstanden hatte, das Pfeifen des Publikums war noch zu laut. Mit einem Mann mehr konnte Santa Eulalia das Spiel nun verwalten. Ballbesitz? Egal. Dafür elf Torschüsse, von denen Henriksson dreimal knapp scheiterte. Inigo de Torre prüfte den Denia-Keeper in der 64. Minute, und selbst der eingewechselte Vladimir Stastny durfte in der 83. Minute noch einmal Maß nehmen. Doch der Ball wollte kein zweites Mal über die Linie. Trainer Dede Dedede, sonst eher ein Mann der stillen Gesten, fasste es trocken zusammen: "Wir wollten das Ergebnis konservieren - und das haben wir so erfolgreich getan, dass es fast eingeschlafen ist." Denia mühte sich, doch ohne Ramos und mit einem sichtbar frustrierten Ercan fehlte der letzte Biss. Armandos Notara holte sich in der 62. Minute noch Gelb, vermutlich aus purer Langeweile. Mark Zander stand inzwischen mit verschränkten Armen da und starrte in den Nachthimmel. "Wir hatten mehr Ballbesitz, mehr Ideen - aber Fußball ist leider kein Kunstwettbewerb", sagte er später und setzte ein Lächeln auf, das wie aus Pappe wirkte. Als der Schlusspfiff ertönte, atmete Santa Eulalia kollektiv auf. Die Fans feierten, als wäre es ein Finaltriumph - vielleicht weil man wusste, dass solche Arbeitssiege in der 1. Liga Spanien Gold wert sind. Statistisch war’s eine klare Sache: 11:4 Torschüsse für Santa Eulalia, Zweikampfquote 54 Prozent, Ballbesitz leicht zugunsten der Gäste. Aber die einzige Zahl, die zählte, stand auf der Anzeigetafel: 1:0. "Wir haben heute gezeigt, dass man auch mit langen Bällen glücklich werden kann", witzelte Cesc Bermudo, der Rechtsverteidiger-Veteran, beim Verlassen des Stadions. Und als ihn ein Reporter fragte, ob das Spiel Spaß gemacht habe, antwortete er nach kurzem Nachdenken: "Für uns ja. Für die Zuschauer - vielleicht in der Zusammenfassung." So endete ein Abend, der zwar keine Fußballkunst bot, aber ehrliche Arbeit, ein Traumtor und 58 000 zufriedene Seelen auf Mallorca. Und wenn Santa Eulalia so weitermacht, wird man bald sagen: Schönheit vergeht, Effektivität bleibt. 21.04.643987 17:20 |
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Man sollte die Presse nicht wichtiger machen, wie sie wichtig gemacht wird.
Lothar Matthäus