// Startseite
| Tuttosport |
| +++ Sportzeitung für Italien +++ |
|
|
|
Es war ein Abend, an dem die Statistik lügen wollte, aber der Spielstand erbarmungslos ehrlich blieb: Yuventus Turin unterlag im heimischen Stadion vor 31.795 Zuschauern dem FC Udinese mit 1:2. Mehr Ballbesitz, mehr Passspiel, mehr Schönspielerei - und trotzdem weniger Tore. Trainer Mario Girotti stand nach Abpfiff mit verschränkten Armen da, als hätte ihm jemand erklärt, dass "xG" keine neue Pastaform ist. Dabei begann alles so verheißungsvoll. Schon in der 13. Minute klingelte es im Kasten von Udinese: Logan Reacock, der bullige Mittelstürmer mit dem Charme eines Betonmischers, drückte den Ball nach einem feinen Zuspiel von Innenverteidiger Gabriele Marcedusa über die Linie. "Ich hab eigentlich nur den Fuß hingehalten", grinste Reacock später - was bei einem Stürmer ungefähr so bescheiden klingt wie ein Löwe, der sagt, er habe "zufällig" eine Gazelle gefressen. Das Stadion tobte, Udinese wackelte, und die Fans rochen den Duft des sicheren Heimsiegs - oder zumindest den des überteuerten Stadionpopcorns. Doch die Freude währte kurz. In Minute 33 schlug Nicolae Buzanszky zurück, eiskalt wie ein ungarischer Winter: Nach feinem Zuspiel von Tord Paulsson hämmerte er das Leder ins Netz. Yuventus-Keeper Diego Cocco blieb nur die Zuschauerrolle. "Ich hab die Flugbahn gesehen, aber die war so schön, da wollte ich sie mir nicht entgehen lassen", witzelte der Torwart später mit Galgenhumor. Und als die Turiner Defensive noch mit dem Ausgleich haderte, legte Udinese nach - wieder Buzanszky, diesmal nach Vorlage von Rene Poulin in der 42. Minute. Zwei Chancen, zwei Tore - Effizienz in Reinkultur. Trainer Emiliano Dicetutto grinste nach dem Spiel: "Wir trainieren Präzision. Und Pizza. Beides klappt." Die zweite Halbzeit? Ein einziger Angriffswalzer von Yuventus. 52,9 Prozent Ballbesitz, 8 Torschüsse - doch das Runde wollte einfach nicht ins Eckige. Ellis Benett drosch in der 55. Minute einen Ball Richtung Tribüne D, vermutlich auf der Suche nach einem neuen Satelliten. Lars Linke köpfte zweimal gefährlich (71., 82.), doch Udineses Torwart Luca Lange hielt, als ginge es um seine Mietkaution. Udinese dagegen? Konterten gelegentlich, als wollten sie nur kurz prüfen, ob der Ball noch da ist. Und wenn sie es taten, wurde es prompt gefährlich - allein Andras Kohut prüfte Cocco in der 49. und 50. Minute mit zwei Distanzraketen. "Da hat’s ordentlich gescheppert", meinte ein Fan im Block 6, "ich dachte, der Ball sei geplatzt." Taktisch blieb alles beim Alten: Beide Teams offensiv ausgerichtet, beide auf ausgeglichenes Passspiel bedacht. Yuventus presste, Udinese wartete - und genau das machte den Unterschied. Als Yuventus in der Schlussphase alles nach vorne warf, konterte Udinese mit der Ruhe eines Beamten beim Stempelamt. Die Kartenstatistik ließ die Partie hitziger erscheinen, als sie war: Jannik Rothe und Potap Dawydow sahen früh Gelb, Udineses Lionel Couto und später Age Fjortoft ebenfalls. Letzterer verabschiedete sich in der 95. Minute sogar mit Gelb-Rot - zu spät, um das Ergebnis noch zu beeinflussen, zu früh, um das Bier nach Abpfiff in Ruhe zu genießen. Trainer Girotti versuchte nach dem Spiel, Fassung zu bewahren. "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber sie haben die Tore gemacht", sagte er, während im Hintergrund ein Reporter flüsterte: "Klingt nach der Zusammenfassung jedes Yuventus-Spiels dieser Saison." Sein Gegenüber Dicetutto grinste nur: "Wir hatten weniger Ball, aber mehr Spaß." Ein kleiner Junge im Trikot von Yuventus fasste es nach Abpfiff treffend zusammen: "Papa, warum schießen die nicht einfach nochmal?" - eine Frage, die sich wohl ganz Turin stellte. Am Ende blieb es beim 1:2, und der Abend fühlte sich für Yuventus an wie ein romantisches Date, bei dem man alles richtig macht - und trotzdem allein nach Hause geht. Udinese dagegen nahm drei Punkte mit, die sie sich mit kalter Effizienz verdient hatten. Und so schrieb dieses Spiel wieder einmal die alte Fußballweisheit fort: Ballbesitz gewinnt Statistiken, Tore gewinnen Spiele. Oder, um es mit den Worten des doppelten Torschützen Buzanszky zu sagen: "Man muss nicht schön spielen. Nur treffen." Vielleicht die ehrlichste Analyse des Abends. 03.09.643993 03:10 |
Sprücheklopfer
Wenn ich heute Kapitän bin und das Schiff sinkt, alle müssen helfen, dann kann doch der Koch nicht kommen und sagen: 'Ich kann nur die Bratpfanne halten.'
Otto Rehhagel