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Yuventus stolpert im Torfestival - Gela siegt 4:3 in Turin

Es war ein Abend, an dem die Defensive beider Mannschaften kollektiv Urlaub genommen hatte. 39.000 Zuschauer im Turiner Stadion bekamen beim 3:4 zwischen Yuventus und Gela jedenfalls mehr Spektakel, als manche ganze Saison hergibt - und das alles in einer Halbzeit.

Schon nach 13 Minuten flogen die Hände auf den Tribünen verzweifelt in die Höhe: Gelas Rechtsaußen Julien Matthieu traf nach feiner Vorarbeit von Marco Frechaut zum 0:1. Zehn Minuten später legte derselbe Matthieu per Direktabnahme nach - diesmal nach einem klugen Pass von Linksverteidiger Filipe Semedo. "Ich habe einfach geschossen, weil niemand geschrien hat, dass ich’s lassen soll", grinste Matthieu später in die Kameras.

Yuventus, von Trainer Mario Girotti gewohnt offensiv eingestellt, brauchte ganze zwei Minuten, um zu antworten. Innenverteidiger Giulio Di Paolo - ja, der Mann mit der Rückennummer 5 - köpfte nach einer Flanke von Xabier Silfredo ein. "Ich wollte eigentlich klären, aber der Ball war plötzlich drin", witzelte Di Paolo hinterher.

Was folgte, war ein zehnminütiger Schlagabtausch, der jedem Boxkampf Ehre gemacht hätte. Logan Reacock, der kraftvolle Mittelstürmer der Turiner, traf in der 35. Minute zum 2:2-Ausgleich, wunderschön eingeleitet von Verteidiger Gabriele Marcedusa. Zehn Minuten später brachte der 21-jährige Jannik Rothe die Hausherren sogar in Führung. Nach einer butterweichen Vorlage von Gregor De Graff knallte er das Leder humorlos ins Eck - 3:2, die Kurve tobte, Trainer Girotti sprang wie ein Derwisch.

Doch die Freude währte genau 120 Sekunden. Erst glich Javier Garcia für Gela aus (42.), nach mustergültigem Querpass von Ignacio Barbosa. Und kaum hatte der Stadionsprecher den Namen verkündet, traf Javier Vazques (43.) zum 3:4. Die Turiner mussten zusehen, wie Gelas Offensivreihe in drei Minuten mehr Schaden anrichtete als ein Tornado in der Toskana.

"Ich wusste gar nicht, dass wir so viele Javier haben, bis sie alle getroffen haben", scherzte Gelas Coach Michael Müller nach der Partie. "Aber Spaß beiseite: Das war purer Wille."

Die zweite Halbzeit? Eine Mischung aus Nervenschlacht und Fehlschüssen. Yuventus hatte zwar 53 Prozent Ballbesitz und kombinierte sich immer wieder vors Tor - aber der letzte Pass blieb ein ungelöstes Rätsel. Reacock scheiterte mehrfach, De Graff zirkelte in der 64. Minute knapp vorbei. Trainer Girotti verzweifelte an der Seitenlinie und brüllte: "Kurzpassspiel, nicht Kunstprojekt!"

Gela dagegen blieb gefährlich. Insgesamt 15 Torschüsse, eine beeindruckende Quote, auch wenn kein Ball mehr im Netz landete. Javier Garcia prüfte Yuventus-Keeper Diego Cocco mehrfach, und Vazques hätte in der 87. Minute beinahe den Deckel draufgemacht.

Die Gelben Karten passten zum wilden Rhythmus: Erst Carl Garcia (8.) für ein rustikales Einsteigen, dann Marcedusa (40.) und später Dawydow (66.) und Antonio (72.) auf Turiner Seite. "Wir wollten zeigen, dass wir wenigstens körperlich dagegenhalten", meinte Verteidiger Dawydow mit trockenem Lächeln.

Kurz vor Schluss wechselte Müller noch den müden Dennis Bedard aus, der sich bei seiner Auswechslung angeblich beschwerte: "Trainer, ich kann noch laufen!" Müller konterte nur: "Ja, aber nicht mehr geradeaus."

Taktisch blieb Gela auch in der Schlussphase erstaunlich mutig. Während Yuventus auf volles Pressing umstellte und jeden Angriff über die Mitte suchte, blieb Gela beim ruhigen, balancierten Aufbau. "Wir haben einfach den Ball behalten, damit sie ihn nicht kriegen", erklärte Müller süffisant.

Nach dem Schlusspfiff herrschte Frust im schwarz-weißen Lager. Drei Tore und trotzdem null Punkte - das tat weh. "Wir haben uns selbst geschlagen", seufzte Trainer Girotti. "Wenn du vier Tore in einer Halbzeit kassierst, brauchst du kein Taktikbrett, sondern einen Psychologen."

Gela dagegen feierte ausgelassen. Matthieu posierte mit dem Spielball, Garcia und Vazques sangen in der Kabine lautstark (aber für Außenstehende unverständlich) und Müller klopfte jedem seiner Spieler auf die Schulter.

So endete ein Abend, der Fußball pur bot - mit all seinen Widersprüchen: tollen Toren, haarsträubender Abwehrarbeit und einem Trainer, der zwischen Genie und Wahnsinn pendelte.

Oder, wie es ein Fan auf der Tribüne zusammenfasste: "Ich bin müde, glücklich - und brauche dringend Baldrian."

25.06.643993 16:15
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Ich habe es mir sehr genau überlegt und dann spontan zugesagt.
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