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Ein lauer Freitagabend, Flutlicht über dem St. Mary’s Stadium, 47.617 Zuschauer - und ein Spiel, das alles hatte: Tempo, Dramatik und ein bisschen Chaos. Am Ende jubelte der FC Southampton über ein 2:1 (2:0) gegen Hucknall Town - ein Sieg, der zwar verdient war, aber mit reichlich Zittern erkauft wurde. Schon nach wenigen Minuten zeigte sich, dass die "Saints" an diesem 20. Spieltag der 1. Liga England keine Lust auf Abtasten hatten. Trainer Michael Böning hatte seine Elf gewohnt offensiv eingestellt, und seine Flügelflitzer legten los, als gäbe es kein Morgen. Nach einem vielversprechenden Versuch von Gabriel Beecroft (8.) und einem Schlenzer von Jan Ovesen (10.) war es in der 17. Minute soweit: Gabri Yanez, der kleine Wirbelwind auf der rechten Seite, nahm einen Pass von Beecroft auf, tanzte zwei Verteidiger aus und schob eiskalt ein. 1:0 - und das Stadion vibrierte. Nur sechs Minuten später wiederholte sich die Szene - fast wie eine Wiederholung in Zeitlupe. Yanez, diesmal ohne Vorarbeit, zog aus knapp 20 Metern einfach mal ab. Der Ball flatterte, Torwart Silvestre Ferreira griff ins Leere. 2:0, und die Fans sangen schon vom sicheren Sieg. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, aber er fiel einfach wieder rein", grinste Yanez später, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte. Hucknall Town, von Coach Maddes Kaiser an der Seitenlinie mit wilder Gestik begleitet, wachte danach langsam auf. Die Gäste hatten mehr Ballbesitz (fast 57 Prozent) und kamen über ihre rechte Seite immer wieder gefährlich nach vorne. Marc Baer, der schon in der 14. Minute Gelb gesehen hatte, rannte trotzdem unermüdlich. "Ich wollte eigentlich nur den Ball treffen", erklärte Baer augenzwinkernd, "aber der Gegner war halt schneller." Zur Pause sah alles nach einem ruhigen Abend für Southampton aus. Doch Böning wusste es besser. "Wenn wir das so weiterspielen, wird’s nochmal eng", warnte er seine Jungs in der Kabine - und er sollte recht behalten. Nach dem Seitenwechsel nahm Hucknall das Heft in die Hand, und in der 61. Minute fiel tatsächlich der Anschlusstreffer: Thierry Bergeron, bis dahin unauffällig, zog nach Zuspiel von Baer aus der zweiten Reihe ab. Flach, präzise, unhaltbar. 2:1 - und plötzlich war wieder Leben in der Bude. Fortan rannte Hucknall an. Bergeron, Couto und Winfield prüften den Southampton-Keeper Gabriel Clancy gleich mehrfach, doch der stand wie eine Wand. "Ich habe einfach versucht, nichts zu denken - das hilft bei mir meistens", lachte Clancy hinterher. Böning reagierte: Whitman kam zur zweiten Halbzeit für Finnan, später ersetzte William Corey den müden Derrick (60.) - und in der 88. Minute durfte der junge Duarte Ramirez noch ein paar Minuten Erstligaluft schnuppern. "Er hat beim Einlaufen fast vergessen, wo das Tor steht", flachste sein Trainer anschließend. Trotz der späten Drangphase der Gäste blieb es beim 2:1. Southampton verteidigte das Ergebnis mit einer Mischung aus Nervenstärke und Pragmatismus - sprich: der Ball landete öfter auf der Tribüne als in den eigenen Reihen. "Kunst war das nicht", gab Böning zu, "aber drei Punkte sind drei Punkte." Hucknall-Coach Kaiser sah es mit Galgenhumor: "Wenn Ballbesitz Tore wären, hätten wir 6:2 gewonnen. Leider zählt das nicht." Tatsächlich hatte sein Team nicht nur mehr Spielanteile, sondern auch genauso viele Torschüsse (11 zu 11). Doch in der Effektivität lag der Unterschied - und der hieß Gabri Yanez. Als die Fans nach Abpfiff langsam aus dem Stadion strömten, blieb das Gefühl, ein Spiel mit zwei Gesichtern gesehen zu haben. Eine erste Halbzeit, die Southampton dominierte, und eine zweite, in der Hucknall Town eindrucksvoll bewies, dass sie in dieser Liga mehr sind als nur Punktelieferanten. Oder wie Yanez es zusammenfasste, während er den Ball unter den Arm klemmte: "Manchmal gewinnt nicht das bessere Team, sondern das, das rechtzeitig wach ist." Ein Satz, den man sich merken sollte - nicht nur im Fußball. 16.01.643991 10:22 |
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Halten Sie Ihre Klappe und spielen Sie Fußball, Herr Basler!
Otto Rehhagel