// Startseite
| Athlitiki Icho |
| +++ Sportzeitung für Griechenland +++ |
|
|
|
Was zur Halbzeit noch nach einem kleinen Fußballmärchen roch, endete für Xanthi FC am 31. Spieltag der griechischen Superliga in einem handfesten Albtraum. Vor 12.500 Zuschauern im heimischen Stadion führten die Gastgeber zur Pause mit 1:0, doch dann drehte Alexandroupoli auf - und zwar so richtig. Am Ende stand ein 1:4, das deutlicher kaum hätte ausfallen können. Dabei hatte alles so hoffnungsvoll begonnen. In der 22. Minute ließ der 17-jährige Vaios Ioannidis das Stadion erbeben: Nach Pass von Manolis Tsionanis zog das Nachwuchstalent ab und traf trocken ins lange Eck. "Ich hab gar nicht nachgedacht", grinste Ioannidis später, "ich hab einfach geschossen - und gehofft, dass der Ball nicht auf dem Parkplatz landet." Trainer von Xanthi (der nach dem Spiel lieber anonym bleiben wollte) klatschte an der Seitenlinie begeistert: "Das war genau der Mut, den ich sehen wollte." Xanthi spielte im ersten Durchgang diszipliniert, hatte mit knapp 48 Prozent Ballbesitz zwar etwas weniger vom Spiel, aber die besseren Chancen. Elfmal schossen die Hausherren aufs Tor, während Alexandroupoli zunächst kaum zu klaren Abschlüssen kam. Doch die Gäste sollten in der zweiten Halbzeit zeigen, warum sie in dieser Saison zu den unangenehmsten Gegnern gehören. "In der Kabine hab ich den Jungs gesagt: Wenn ihr schon 17 seid, dann spielt auch wie 17-Jährige - frech, nicht zaghaft", verriet Gästetrainer Andreas Haselier mit einem Augenzwinkern. Und seine Teenie-Garde verstand. In der 57. Minute glich Johann Schultz nach Vorlage von Dario Bosnjak aus - der erste Stich in Xanthís zuvor so stabile Abwehr. Nur 15 Minuten später legte Alexandroupoli nach: Der erfahrene Filip Zigic (33) traf nach Vorarbeit des jungen Filipe Luis (17, und bereits mit Gelb verwarnt) zum 2:1. Das war nicht nur die Wende, sondern auch der Moment, in dem Xanthi auseinanderfiel. Zwei Minuten danach kam es noch dicker: Innenverteidiger Alfie Harte, sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, köpfte nach Flanke von Riley Berard zum 3:1 ein. "Ich hab einfach mal gedacht, ich mach’s wie ein Stürmer", lachte Harte später - und fügte mit britischem Understatement hinzu: "Hat ja funktioniert." Xanthi versuchte danach vergeblich, wieder Struktur zu finden. Der verletzungsbedingte Ausfall von Ioannidis (66. Minute) tat weh; Ersatzmann Timotheos Chatzi fand kaum ins Spiel. Alexandroupoli dagegen schien vor Spielfreude zu sprühen. In der 90. Minute krönte der 17-jährige Gavriil Kostikos eine glänzende zweite Halbzeit mit dem 4:1-Endstand - vorbereitet von seinem gleichaltrigen Teamkollegen Archondis Papastathopoulos. Zwei Teenager als Doppelpässe des Triumphes - da leuchteten sogar die Augen des sonst so nüchternen Trainers Haselier: "Wenn du siehst, dass Jungs, die noch nicht mal ihren Führerschein haben, so spielen - dann weißt du, warum du Trainer bist." Statistisch war der Sieg hochverdient: 20 Torschüsse für Alexandroupoli, 52 Prozent Ballbesitz, eine Zweikampfquote von fast 53 Prozent - und vor allem eine zweite Halbzeit, in der alles passte. Xanthi dagegen wirkte nach dem Rückstand wie ein Boxer, der nach dem ersten Haken nicht mehr weiß, wo oben und unten ist. Nach Abpfiff herrschte im Stadion eine Mischung aus Ernüchterung und höflichem Applaus - immerhin hatte man in Halbzeit eins ordentlich mitgehalten. Torwart Lazaros Kotsios schüttelte den Kopf: "Wir dachten, wir hätten sie im Griff. Aber dann kam dieser Wirbelwind aus Teenagern - und plötzlich war alles weg." Die Fans von Alexandroupoli hingegen sangen noch lange nach Spielende, während ihre jungen Helden Autogramme gaben, die wahrscheinlich bald begehrt sein werden. Fazit: Xanthi FC zeigte eine Halbzeit lang, dass man Fußball spielen kann. Alexandroupoli zeigte danach, was passiert, wenn man es 90 Minuten lang tut. Oder, um es mit den Worten eines Zuschauers zu sagen, der beim Hinausgehen schmunzelnd meinte: "Das war kein Spiel - das war ein Erwachsenenkurs für Xanthi." Und ja, wer vier Tore in einer Halbzeit schießt, darf sich ruhig ein wenig jugendlich übermütig fühlen. 21.03.643990 14:51 |
Sprücheklopfer
Es ist mir völlig egal, was es wird. Hauptsache, er ist gesund.
Mehmet Scholl als werdender Vater