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Wenn der FC Wusterwitz einen dieser Abende erwischt, an denen einfach alles funktioniert, dann sollte man besser den Feuerlöscher bereithalten. Am 19. Spieltag der Regionalliga B brannte der Rasen im heimischen Stadion, als die Mannschaft von Trainer Tom Fritz den SV Fürstenwalde mit 5:2 (2:1) abfertigte. 5605 Zuschauer sahen ein Spiel, das weniger nach Winterpause aussah als nach Sommerfestival: Chancen, Tore und ein paar Blessuren inklusive. Dabei fing alles gar nicht so verheißungsvoll an. Schon in der 11. Minute nutzte Fürstenwaldes Joschua Krug einen Moment kollektiver Wusterwitzer Verwirrung, als er nach Pass von Rui Tiago eiskalt einschob. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte Wusterwitz-Keeper Ralph Steffens nach dem Spiel mit einem Grinsen, das zwischen Entschuldigung und Ironie pendelte. Doch wer glaubte, die Hausherren würden sich davon beeindrucken lassen, der kennt den FCW schlecht. Nur zwei Minuten später zappelte der Ball auf der anderen Seite im Netz: Werner Runge, der unermüdliche Antreiber im Zentrum, zog nach Vorlage des 17-jährigen Nico Behrendt ab - 1:1, und das Stadion erwachte. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Runge hinterher, "so richtig nachgedacht hab ich da nicht. Ist vielleicht auch besser so." Das 2:1 fiel in der 29. Minute, und diesmal hatte Hanns Konrad den Fuß da, wo er hingehört. Nach schöner Vorarbeit von Curt Fröhlich drosch der junge Mittelfeldspieler den Ball unter die Latte. Fürstenwalde wirkte in dieser Phase zwar ballsicherer (am Ende 52 Prozent Ballbesitz), aber Wusterwitz war die Mannschaft mit den Ideen - und mit 21 Torschüssen auch die mit der klareren Ansage in Richtung gegnerisches Tor. Kurz vor der Pause musste Trainer Fritz jedoch umstellen: Der erst 17-jährige Luca Philipp verletzte sich bei einem Sprintduell und wurde durch Stephan Werner ersetzt. "Sah schlimmer aus, als es war", beruhigte Fritz später, "wahrscheinlich nur eine Zerrung. Und Stephan hat das klasse gemacht." Nach der Pause kam die große Stunde von Curt Fröhlich. In der 51. Minute kombinierte er sich mit Hanns Konrad durch die Mitte, ließ einen Verteidiger stehen und schob überlegt ein - 3:1, der Doppelschlag der Jugend. Doch Fürstenwalde gab sich nicht auf. Samuel Baird verkürzte in der 56. Minute nach Vorlage von Maximilian Wirth auf 3:2, und für einen Moment schien das Spiel wieder offen. "Da haben wir kurz den Kaffee verschüttet", gab Fritz augenzwinkernd zu. Aber kaum hatte man die Tassen wieder eingesammelt, war es schon 4:2: Finn Roth, der flinke Rechtsaußen, vollstreckte in der 65. Minute nach Vorarbeit von Runge. Und als derselbe Roth in der 88. Minute noch einmal nachlegte - diesmal nach Pass von Johann Zander - war das Spektakel perfekt. "Ich wollte eigentlich schon runter, aber der Trainer hat gerufen: ’Bleib drauf, du bist heiß!’", grinste Roth nach dem Spiel, während er sich mit den Fans abklatschte. Heiße ist das richtige Wort - 22 Jahre jung, zwei Tore, und an fast jeder gefährlichen Szene beteiligt. Fürstenwalde dagegen hatte mehr Ballbesitz, aber weniger Effekt. Zehn Torschüsse, zwei Treffer, und eine Gelbe Karte für Abwehrchef Lucas Zander (25.). "Wir haben viel zu brav verteidigt", knurrte ein sichtlich genervter Trainer aus Fürstenwalde, der ungenannt bleiben wollte. "Wenn du Wusterwitz so viel Platz lässt, tanzen die Samba mit dir." Am Ende war es ein Spiel, das die Wusterwitzer Fans noch lange in Erinnerung behalten dürften. Lautstark sangen sie nach Abpfiff, während Trainer Tom Fritz zufrieden auf den Rasen blickte. "Wir haben heute gesehen, dass wir nicht nur rennen, sondern auch spielen können. Und wenn Curt, Hanns und Finn so weiter machen, dann brauch ich bald einen Jugendbonus im Vertrag." Ein kleines, aber bezeichnendes Detail: Trotz des klaren Ergebnisses hatte Wusterwitz weniger Ballbesitz, aber gewann mehr Zweikämpfe (53,5 Prozent). Effektivität schlägt Eleganz - selten war diese Binsenweisheit so schön anzusehen. Zum Schluss noch ein Dialog aus der Mixed Zone: "Tom, war das heute euer bestes Spiel?" "Nein", antwortet Fritz trocken, "aber das mit den meisten Toren." Und damit dürfte alles gesagt sein. Wusterwitz lacht, Fürstenwalde lernt - und die Regionalliga B hat wieder einen heißen Kandidaten für die Schlagzeilen. 27.08.643987 00:55 |
Sprücheklopfer
Bei uns kann jeder Spieler eine Rolex tragen, Ferrari fahren und Gucci-Unterhosen tragen. Doch wenn er sich auszieht und spielt, muss er Dreck fressen.
Rainer Calmund