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Wusterwitz zerlegt Türkiyemspor: Drei Tore, keine Zweifel

Es war ein kühler Freitagabend in Berlin-Kreuzberg, 20:15 Uhr, Flutlicht, 4.415 Zuschauer, die hofften, dass Türkiyemspor 1978 gegen den FC Wusterwitz endlich mal wieder ein echtes Fußballfest feiern würde. Am Ende feierte allerdings nur eine Mannschaft - und die kam aus Wusterwitz. 0:3 (0:2) hieß es nach 90 Minuten, und das Ergebnis schmeichelte den Gastgebern eher, als dass es ihnen half.

Schon nach elf Minuten war die Hoffnung der Heimfans das erste Mal auf eine harte Probe gestellt. Finn Roth, der flinke Rechtsaußen des FC Wusterwitz, zog nach einem Pass von Hanns Konrad von der Strafraumgrenze ab - und der Ball zischte so unbarmherzig ins Netz, dass man fast das Gefühl hatte, er wolle sich dort dauerhaft einnisten. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Roth später. "Beim Training fliegen die sonst über den Zaun."

Wusterwitz spielte danach wie eine Mannschaft, die genau weiß, dass sie heute nichts anbrennen lassen wird. Kombinationssicher, mit Kurzpassspiel und einem Selbstbewusstsein, das an Übermut grenzte. Trainer Tom Fritz hatte sein Team mit einer klaren Ansage auf den Platz geschickt: "Ball laufen lassen, Gegner jagen, und wenn’s geht, nicht wieder in Schönheit sterben." Seine Jungs hielten sich daran - und legten nach.

In der 25. Minute segelte eine Flanke von Finn Kern, dem offensivfreudigen Rechtsverteidiger, in den Strafraum. Johann Zander sah den Ball kommen, sah den verdutzten Keeper Walter Baier vor sich und dachte sich wohl: Warum eigentlich nicht? Direktabnahme, Tor. 0:2. Ata Mramor, Trainer von Türkiyemspor, verschränkte die Arme, schüttelte den Kopf und murmelte etwas, das man freundlich übersetzen könnte mit: "Das war so nicht geplant."

Türkiyemspor hatte zwar mit 51 Prozent leicht mehr Ballbesitz, aber das war ein statistisches Trostpflaster. Zwei Torschüsse in 90 Minuten - einer in der 16., einer um die 32. Minute herum - mehr kam nicht. Jerzy Sobolewski und Gustav Münch versuchten es, doch Wusterwitz-Keeper Phillip Zimmermann hätte den Ball wohl auch mit der Zeitung unter dem Arm gefangen.

Im Gegensatz dazu feuerte Wusterwitz ein wahres Schussfestival ab. 29 Torschüsse, und das nicht aus Verzweiflung, sondern aus Spielfreude. Besonders auffällig: der 17-jährige Dieter Mann, der zur zweiten Halbzeit für Curt Fröhlich kam. Der Youngster rannte, schoss, bekam in der 77. Minute Gelb - und grinste dabei, als hätte er gerade ein Abzeichen gewonnen. "Ich wollte zeigen, dass ich’s kann", sagte er danach, "und ein bisschen Dreck gehört halt dazu."

Das dritte Tor fiel in der 76. Minute, quasi als logische Folge dieser Einbahnstraßen-Verhältnisse. Nico Behrendt flankte von rechts, und wer stand da? Richtig, Finn Kern, der Rechtsverteidiger mit dem Offensivtrieb eines Mittelstürmers. Der nahm Maß, und der Ball schlug flach im langen Eck ein. Das Publikum applaudierte - allerdings aus Respekt vor der Effizienz des Gegners.

Türkiyemspor kämpfte, presste, rannte. Die Mannschaft spielte laut Statistik "offensiv" und "auf Konter", was in der Praxis eher wie "auf Rettung hoffen" aussah. Trainer Mramor versuchte es mit Anweisungen von der Seitenlinie ("Höher raus, Jungs!", "Nicht alle gleichzeitig!"), doch seine Worte verhallten im Nachtwind. Nach dem Spiel blieb ihm nur Galgenhumor: "Wenn man zwei Torschüsse hat, muss wenigstens einer reingehen. Wir haben uns für Spannung entschieden - leider nur für den Gegner."

Wusterwitz dagegen wirkte am Ende fast überrascht von der eigenen Dominanz. "Wir wollten eigentlich nur ruhig spielen", sagte Coach Fritz mit einem Schulterzucken, "aber dann dachte ich: Wenn’s läuft, dann läuft’s." Und wie es lief. Mit Kurzpassspiel, präzisen Hereingaben und einer Ballsicherheit, die man in der Regionalliga B nicht alle Tage sieht.

Als der Schlusspfiff ertönte, rieben sich die Heimfans die Augen und die Gäste klatschten sich lachend ab. Drei Tore, drei verschiedene Torschützen, 29 Schüsse aufs Tor - eine Statistik, die förmlich nach Tabellenklettern schreit.

Zum Schluss, als die Flutlichtmasten langsam erloschen, murmelte ein Zuschauer auf der Haupttribüne: "Na ja, wenigstens war’s kein 0:5." Ein Satz, der sinnbildlich für den Abend stand - man nimmt, was man kriegen kann.

Und während Wusterwitz weiter vom oberen Tabellendrittel träumen darf, wird Türkiyemspor wohl noch ein paar Trainingseinheiten mit dem Titel "Was ist eigentlich ein Abschluss?" einlegen müssen. Aber wer weiß - vielleicht kommt der nächste Freitagabend ja mit einem eigenen Feuerwerk. Dieses Mal allerdings hoffentlich auf der richtigen Seite des Spielfelds.

18.07.643993 19:27
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