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Unter Flutlicht in der Regionalliga B zeigte der FC Wusterwitz am 15. Spieltag, dass man mit jugendlichem Übermut und einer Prise Dreistigkeit auch erfahrene Gegner wie den FK Pirmasens aus dem Konzept bringen kann. 5337 Zuschauer im Wusterwitzer Stadion erlebten ein Spiel, das mehr Tempo als Taktik versprach - und dieses Versprechen hielt. Schon in der 11. Minute bebte die kleine Arena, als der 22-jährige Finn Roth nach Vorarbeit von Curt Fröhlich trocken ins rechte Eck abschloss. Pirmasens’ Keeper Dennis Frei streckte sich vergeblich, und Trainer Gudrun Schweitzer trommelte genervt auf ihre Coaching-Zone: "Wir wussten, dass der Junge schießt, wenn er nur Schatten sieht." Stimmt - Roth schoss tatsächlich aus allen Lagen, ganze sieben Mal im Spiel, und jeder Versuch roch nach Gefahr. Pirmasens versuchte, mit dem höheren Ballbesitz (52,9 %) Ruhe zu erzeugen, doch Wusterwitz konterte mit purem Willen und 20 Torschüssen - das Verhältnis erinnerte eher an ein Trainingsspiel. In Minute 28 musste Innenverteidiger Noah Riedel nach einem rustikalen Einsteigen die Gelbe Karte schlucken, später folgten ihm noch Satchmore, Eriksen und Gomes. Wusterwitz dagegen blieb bemerkenswert diszipliniert - vielleicht, weil Trainer Tom Fritz an der Seitenlinie mehr Erziehungspädagoge als Choleriker war. "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn ihr foulen wollt, dann wenigstens im gegnerischen Strafraum", grinste Fritz nach Abpfiff. Kurz nach der Pause, in der Pirmasens gleich zwei Mal wechselte, drehte Wusterwitz erneut auf. In der 52. Minute legte der 18-jährige Walther Buchholz einen butterweichen Pass in die Gasse, und Curt Fröhlich schob eiskalt zum 2:0 ein. "Ich dachte, der Ball sei schon weg", lachte Fröhlich später, "aber irgendwie hat er mich gefunden - und ich das Tor." Doch kaum vier Minuten später keimte Hoffnung bei den Gästen auf: Der eingewechselte Alex Coviello setzte sich auf rechts durch und flankte präzise auf Müjdat Öztürk, der per Direktabnahme zum 2:1 verkürzte (56.). Für einen Moment schien Wusterwitz zu wackeln - ein paar gepresste Pässe im Mittelfeld, ein nervöser Rückpass. Doch mehr ließ der Gastgeber nicht zu. Fritz reagierte klug, brachte in der 65. Minute den flinken Stephan Werner für den ausgelaugten 17-jährigen Luca Philipp. Eine dieser Wechsel, die man in der Nachbetrachtung als "goldrichtig" bezeichnet: Werner brauchte genau 20 Minuten, um sich in die Herzen der Fans zu schießen. In der 85. Minute stand er nach einer Ecke von Abwehrchef Denis Kalaschnikow goldrichtig und drückte den Ball zum 3:1 über die Linie. Wusterwitz jubelte, Pirmasens kapitulierte. Während der FC Wusterwitz trotz geringeren Ballbesitzes immer wieder durch schnörkelloses Offensivspiel glänzte, wirkte Pirmasens wie ein Team, das den eigenen Plan nicht verstand. Die Taktik der Gäste - defensiv, passsicher, aber ohne Punch - las sich auf dem Papier solide, sah auf dem Platz jedoch aus wie ein Automatikgetriebe im Rückwärtsgang. "Wir haben zu brav gespielt", gestand Trainerin Schweitzer später. "Manchmal muss man sich auch mal eine Gelb-Rote abholen, wenn’s dem Spiel hilft." Statistisch war alles klar: 20 Torschüsse für Wusterwitz, nur 4 für Pirmasens. Die Tackling-Quote von 56,7 % zeigte, dass die Gastgeber auch in den Zweikämpfen das letzte Wort hatten. Der junge Torhüter Ralph Steffens musste kaum eingreifen, und wenn, dann mit einer Gelassenheit, die an einen sonntäglichen Spaziergang erinnerte. Ein kleines Highlight am Rande: Als der Schlusspfiff ertönte, rief ein Fan aus der Kurve: "Tom, gib den Jungs frei!" - worauf Trainer Fritz trocken antwortete: "Nur, wenn sie morgen beim Laufen Erster werden." So bleibt unterm Strich ein verdienter Sieg für den FC Wusterwitz, der mit 3:1 (1:0) den Anschluss an die Spitzengruppe wahrt. Und während die Flutlichtmasten langsam erloschen, klang aus der Kabine ein fröhliches "Wusterwitz, Wusterwitz" - ziemlich schief, aber ehrlich. Wusterwitz hat an diesem Abend nicht nur ein Spiel gewonnen, sondern auch gezeigt, dass Leidenschaft und jugendlicher Wagemut immer noch die beste Taktik sind. Pirmasens dagegen fährt mit leerem Tank nach Hause. Oder, wie es Finn Roth mit einem Augenzwinkern zusammenfasste: "Manchmal reicht’s, wenn du einfach öfter aufs Tor schießt." 30.06.643987 07:20 |
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Torsten Legat