Anpfiff
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Wusterwitz wirbelt Wolfratshausen durcheinander - 5:2-Kantersieg mit Humor und Härte

Wenn 5335 Zuschauer an einem kühlen Märzabend ins Wusterwitzer Stadion pilgern, dann erwarten sie in der Regel rustikalen Fußball, Bratwurst mit Senf und ein paar kernige Sprüche. Diesmal bekamen sie alles - und noch fünf Wusterwitzer Tore obendrauf. Der FC Wusterwitz zerlegte den Gast aus Wolfratshausen mit 5:2 (1:1) und zeigte dabei, dass man auch mit knapp 50 Prozent Ballbesitz ein Feuerwerk abbrennen kann.

Schon in der 18. Minute donnerte Finn Roth den Ball nach feiner Vorarbeit von Innenverteidiger Marcel Voigt ins Netz. "Ich habe einfach mal draufgehalten - notfalls wäre der Ball im See gelandet", grinste Roth später. Doch die Freude währte nur kurz: Drei Minuten später egalisierte der blutjunge Carsten Hennig (18) für Wolfratshausen, nachdem Dylan Monroe die rechte Linie entlanggesprintet war. 1:1 - und plötzlich roch es nach einem offenen Schlagabtausch.

Trainer Tom Fritz, sonst eher der Typ stiller Denker mit Kaffeebecher, schnaubte an der Seitenlinie: "Wir haben den Jungs vorher gesagt, dass Hennig links alles überrennt, was bei drei nicht auf dem Zaun sitzt. Offenbar war niemand auf dem Zaun."

Die erste Halbzeit blieb danach turbulent, aber ohne weitere Treffer. Wusterwitz hatte mehr Torschüsse (20 insgesamt im Spiel), Wolfratshausen dafür minimal mehr Ballbesitz. Einziger Farbtupfer: die Gelbe Karte für Callum Farquharson, der in der 40. Minute mehr den Gegner als den Ball traf.

Gleich nach Wiederanpfiff dann der Schock für die Heimfans: Andres Carracedo brachte Wolfratshausen in der 46. Minute nach einem schnellen Spielzug über Abwehrmann Adrian Obregon in Führung. 1:2. In der Pressetribüne notierte man schon Sätze wie "Wusterwitz wankt", doch die Tinte war kaum trocken, da begann der Wirbel.

Nur zehn Minuten später schlug Werner Runge zurück - ein wuchtiger Distanzschuss, vorbereitet von Nico Behrendt, der sich zuvor durch zwei Gegenspieler gewunden hatte wie ein Aal im Regen. 2:2, und das Stadion tobte. "Das war so ein Moment, wo du merkst: Jetzt kippt’s", meinte Trainer Fritz später.

Und es kippte gehörig. In der 62. Minute sorgte der eingewechselte Dieter Mann - 18 Jahre jung, aber mit der Kaltschnäuzigkeit eines Routiniers - für das 3:2. Vorlage: Walther Buchholz, der in der Zentrale unermüdlich rackerte. "Ich hab nur die Augen zugemacht und gehofft, dass keiner im Weg steht", lachte Mann nach dem Spiel.

Fünf Minuten darauf erhöhte Luca Philipp auf 4:2, nach perfektem Zusammenspiel mit Mann. Man hatte das Gefühl, dass die beiden sich im Training heimlich auf der Playstation eingespielt hatten. "Das war fast zu schön, um wahr zu sein", murmelte Gästetrainer Ferdinand Meyer und starrte dabei in seinen Notizblock, als würde er dort eine Gebrauchsanweisung für Wunder finden.

Wolfratshausen versuchte, offensiv zu bleiben, blieb seiner offensiven Ausrichtung treu, doch die Luft war raus. Der junge Sturm um Hennig und Silfredo biss sich an der robusten Wusterwitzer Abwehr die Zähne aus. In der 88. Minute sah Carl Schindler noch Gelb - eine Art Erinnerungsfoto für ein ansonsten makelloses Spiel.

Dann krönte Finn Roth in der 91. Minute seinen Sahnetag mit dem 5:2-Endstand. Wieder war Buchholz der Vorlagengeber, wieder jubelte das Stadion, als wäre gerade der Aufstieg besiegelt. "Zwei Tore sind schön, aber das Bier danach schmeckt noch besser", sagte Roth mit einem Grinsen, das in die Vereinschronik eingehen dürfte.

Statistisch gesehen war es ein kurioses Spiel: Fast identischer Ballbesitz, aber Wusterwitz mit 20 Torschüssen zu nur 8 der Bayern aus Wolfratshausen. Eine tackling quote von 54 Prozent unterstreicht, dass die Gastgeber auch im Zweikampf die Nase vorn hatten.

"Wir wollten offensiv bleiben, egal was passiert", erklärte Trainer Fritz nach dem Abpfiff. "Und wenn man fünf Tore schießt, war das wohl keine schlechte Idee." Sein Gegenüber Meyer sah das naturgemäß anders: "Wir waren in der ersten Halbzeit gut, danach hat uns Wusterwitz einfach überrollt. Vielleicht hätten wir den Bus vorm Tor parken sollen - aber der war schon weg."

Ein Abend voller Tore, Emotionen und leichter Selbstironie - so, wie man ihn in der Regionalliga B liebt. Wusterwitz feiert, Wolfratshausen hadert, und irgendwo zwischen Bratwurstduft und Flutlicht denkt man sich: Wenn alle Spiele so wären, bräuchte man keinen Fernseher mehr.

Und der Stadionsprecher verabschiedete die Zuschauer mit den Worten: "Nächste Woche geht’s weiter - vielleicht wieder mit fünf Toren. Oder wenigstens fünf Würsten." Klingt nach einem fairen Tausch.

31.01.643994 15:41
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Wir wollten in Bremen kein Gegentor kassieren. Das hat auch bis zum Gegentor ganz gut geklappt.
Thomas Häßler
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