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4371 Zuschauer sahen am Mittwochabend in Mettmann ein Spiel, das man getrost als "Lehrstunde in Effizienz" bezeichnen darf. Der FC Wusterwitz, mit einem Durchschnittsalter irgendwo zwischen Schülerpraktikum und Führerscheinprüfung, bezwang den FC Mettmann mit 3:1 (2:0) - und das trotz nur 40 Prozent Ballbesitz. Oder vielleicht gerade deswegen. Denn während Mettmanns Trainer an der Seitenlinie verzweifelt versuchte, Ordnung in das 59 Prozent-Ballbesitz-Chaos zu bringen, spielte Wusterwitz so, als hätte jemand in der Kabine das Motto "Jugend forscht" an die Tafel geschrieben. Vor allem der 18-jährige Luca Philipp war in Galaform - zwei Treffer in der ersten Halbzeit, beide in jener unverschämten Leichtigkeit, die man nur hat, wenn man noch keine Rückenschmerzen kennt. Bereits in der 19. Minute ließ Philipp nach Vorarbeit von Walther Buchholz Mettmanns Keeper Leon Eder alt aussehen und schob überlegt zum 0:1 ein. Nur vier Minuten später legte der Teenager nach - diesmal nach feinem Assist des 17-jährigen Dieter Mann. "Wir haben einfach Spaß am Kicken", grinste Philipp später, als hätte er soeben auf dem Bolzplatz gewonnen und nicht in der Regionalliga B. Mettmann, eigentlich taktisch solide (Ausrichtung: "balanced" in allen Lebenslagen), fand in der ersten Hälfte kaum Wege durch die kompakte Wusterwitzer Defensive. Alexander Leachman versuchte es immer wieder, gleich dreimal in den ersten 40 Minuten, aber der Ball wollte nicht über die Linie. "Ich hatte das Gefühl, das Tor sei heute kleiner als sonst", murmelte er nach Abpfiff, halb im Scherz, halb in Verzweiflung. Zur Pause also 0:2 - und man ahnte, dass es ein langer Abend werden würde. Der zweite Durchgang begann dann, wie der erste geendet hatte: mit Gelben Karten und ratlosen Gesichtern. Erst sah Wusterwitz’ Ralf Meiser Gelb (51.), dann Mettmanns Oscar Piccard Gelb-Rot (53.). "Das war kein Foul, das war Physik!", protestierte Piccard energisch, während er vom Platz trottete. Die Physik sah das anders. Mit einem Mann mehr legten die Gäste nach - wiederum der blutjunge Dieter Mann traf in der 67. Minute zum 0:3, nach Vorarbeit von Finn Roth, der sich zuvor auf dem rechten Flügel durchgetankt hatte. In Mettmanns Fankurve senkte sich betretenes Schweigen - und das will was heißen, wenn man weiß, dass dort sonst selbst Eckbälle bejubelt werden. Doch dann, fast aus dem Nichts, keimte Hoffnung auf: In der 70. Minute traf Leachman nach schöner Vorarbeit von Heinz Wimmer zum 1:3. Für einen kurzen Moment wirkte das Stadion wie elektrisiert. Wusterwitz’ Trainer Tom Fritz schnaubte allerdings nur. "Ich hab den Jungs gesagt: Wer jetzt anfängt, schön zu spielen, läuft morgen Runden. Wir bleiben simpel." Das taten sie - und ließen Mettmann trotz Überzahl anrennen, ohne noch einmal wirklich in Gefahr zu geraten. Kurios wurde es in der 77. Minute, als Wusterwitz’ Hanns Konrad, der schon früh Gelb gesehen hatte, nach einem rustikalen Einsteigen Gelb-Rot kassierte. Damit war das Gleichgewicht wiederhergestellt, zumindest numerisch. "Er hat gesagt, er wollte nur den Ball treffen", berichtete Trainer Fritz trocken. "Ich hab gefragt: Welchen?" Die Schlussphase brachte keine weiteren Tore, aber noch reichlich Farbe im Notizblock des Schiedsrichters: Gelb für Mettmanns Donovan (72.) und Haas (76.), Gelb auch für Wusterwitz’ Runge (71.). Man hätte fast meinen können, jemand verteilt Bonuspunkte für Karten. Am Ende standen 17 Torschüsse für Wusterwitz gegenüber mageren 6 für Mettmann. Trotz des höheren Ballbesitzes wirkte das Heimteam ideenlos. "Wir hatten den Ball, aber sie hatten den Plan", fasste Leachman zusammen. Ein Satz, der in jeder Spielanalyse hängen bleiben dürfte. Fazit: Wusterwitz spielte erwachsen, Mettmann wirkte jugendlich - leider im negativen Sinne. Die Gäste aus Brandenburg nehmen drei Punkte mit, viel Selbstvertrauen und vermutlich auch ein paar neue Follower für ihre Teenie-Stars Philipp und Mann. Und Mettmann? Die müssen nun am nächsten Spieltag zeigen, dass man aus Lehrstunden lernen kann. Oder, wie Trainer Fritz zum Abschied süffisant meinte: "Ballbesitz ist schön, Tore sind schöner." Ein Satz, den man sich in Mettmann vielleicht über die Kabinentür hängen sollte - gleich neben dem Schild "Bitte Schuhe abklopfen". 25.06.643993 17:05 |
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