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Wusterwitz siegt spät - Haldensleben kämpft, fällt aber am Ende doch

Ein Flutlichtabend, wie er im Regionalliga-Lehrbuch steht: kalt, laut und geprägt von jener Mischung aus Frust, Hoffnung und Stadionbier, die nur der Fußball hervorbringt. 4502 Zuschauer sahen am Samstagabend, wie der FC Wusterwitz beim Haldensleber SC mit 2:1 gewann - ein Ergebnis, das nüchtern aussieht, aber eine kleine Dramaturgie in sich trug.

Dabei begann alles verheißungsvoll für die Hausherren. In der 16. Minute zauberte Hartmut Bender, der Mann mit der linken Klebe, ein Tor aus dem Nichts. Nach feiner Vorarbeit des 19-jährigen Benyamin Kroll zog Bender aus halblinker Position ab - und der Ball zischte unhaltbar ins lange Eck. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Bender später, "und gehofft, dass der Ball den richtigen Weg findet. Heute hat er’s kapiert."

Doch die Freude währte kurz. Nur neun Minuten später tauchte Wusterwitz’ linker Mittelfeldspieler Hanns Konrad, 21 Jahre jung, im Strafraum auf und schob nach einer Ecke von Denis Kalaschnikow eiskalt ein. Es war die Belohnung für eine Offensivwelle, die sich schon zuvor angedeutet hatte: In den ersten 25 Minuten feuerten die Gäste mehr Schüsse aufs Tor ab, als Haldensleben in einem ganzen Monat Training zustande bringt - am Ende standen 23 zu 6 Torschüsse auf dem Statistikzettel.

Trainer Marcel Mönner vom HSC sah das naturgemäß anders: "Statistik ist was für Leute, die nicht laufen müssen. Wir haben das Spiel kontrolliert", sagte er mit jenem bitteren Lächeln, das nur Trainer nach einer Niederlage beherrschen. Tatsächlich hatte sein Team mit 50,8 Prozent leicht mehr Ballbesitz, aber was half das? Wusterwitz spielte offensiv, direkt, mutig - und manchmal so ungestüm, dass selbst ihr Coach Tom Fritz auf der Bank die Hände vors Gesicht schlug.

"Wir haben 17-Jährige auf dem Platz, die gar nicht wissen, dass man auch mal den Ball halten darf", lachte Fritz später, als man ihn auf die stürmische Anfangsphase ansprach. Gemeint waren Nico Behrendt und Luca Philipp, die beiden Teenager auf den Außenbahnen. Und genau Letzterer wurde zum Helden des Abends.

In der 63. Minute, als das Spiel zu kippen drohte, bekam Philipp den Ball von Behrendt, legte ihn sich kurz vor und schlenzte ihn in die Ecke - 2:1 für Wusterwitz. Der Jubel des jungen Angreifers war so ungestüm, dass ihm Kapitän Kalaschnikow zurief: "Luca, bleib locker, wir haben noch 30 Minuten!" Er blieb locker - und Wusterwitz blieb vorne.

Haldensleben versuchte danach, den Druck zu erhöhen. Luis Friedrich und Riedel suchten die Lücken, doch Wusterwitz’ Abwehr, allen voran der 32-jährige Kalaschnikow, spielte mit der Ruhe eines Mannes, der schon vieles gesehen hat. Als Felix Meier in der 70. Minute noch Gelb sah, schwanden die Kräfte der Gastgeber endgültig.

Die Schlussphase gehörte wieder den Gästen. Curt Fröhlich prüfte Haldenslebens Torwart Stoll gleich mehrfach, und selbst Linksverteidiger Ralf Meiser wagte sich in der 83. Minute nach vorne. "Wir hätten das dritte machen müssen", knurrte Trainer Fritz nach Abpfiff, "aber gut - man soll ja immer noch was zum Üben haben."

Die Haldensleber Fans verabschiedeten ihre Mannschaft trotzdem mit Applaus. "Der Einsatz hat gestimmt", meinte ein älterer Herr mit Schal und belegter Stimme. "Nur das Ergebnis - das war wieder typisch Haldensleben."

Statistisch gesehen stimmte das sogar: Wusterwitz war bissiger in den Zweikämpfen (55 zu 45 Prozent), zielstrebiger im Abschluss und taktisch klarer ausgerichtet. Während Mönner auf eine ausgewogene Formation setzte, ließ Fritz seine Elf von Beginn an offensiv marschieren - und wurde belohnt.

Am Ende stand ein verdienter Auswärtssieg, den man in Wusterwitz wohl noch eine Weile feiern wird. "Wir fahren heim, hören laute Musik und trinken Fanta", verriet Youngster Behrendt, ehe er in den Mannschaftsbus stieg.

Und Haldensleben? Die werden sich ärgern, aber vielleicht auch ein bisschen trösten: Gegen eine so mutig aufspielende Nachwuchs-Truppe kann man schon mal verlieren. Oder, wie es Trainer Mönner trocken formulierte: "Wenn man 23 Torschüsse überlebt und nur zwei kassiert, ist das fast schon ein Kompliment."

Ein Fazit, das man so wohl nur in der Regionalliga B hört - ehrlich, leicht sarkastisch und irgendwie doch voller Fußballromantik.

15.08.643987 01:22
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Jan-Aage Fjörtoft
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