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Manchmal ist Fußball wie ein schlechter Witz ohne Pointe - und genau so fühlte sich der Samstagabend für den TSV Gersthofen an. 3881 Zuschauer im heimischen Stadion sahen ihre Mannschaft mit 52 Prozent Ballbesitz, endlosen Querpässen und am Ende doch leeren Händen. Der FC Wusterwitz nahm mit einem nüchternen 0:2 (0:1) drei Punkte mit nach Hause - und das auf eine Art, die jedem Taktikliebhaber ein zufriedenes Nicken entlockt hätte. "Wir wollten einfach mal wieder Fußball spielen", grinste Wusterwitz-Coach Tom Fritz nach dem Abpfiff. Was er meinte: Seine Elf spielte tatsächlich. Während Gersthofen den Ball zärtlich streichelte, droschen die Gäste ihn entschlossen dorthin, wo es wehtat - ins Tor. Schon nach 17 Minuten klingelte es zum ersten Mal hinter TSV-Keeper Maik Dietz. Curt Fröhlich, 22, machte seinem Namen alle Ehre und schoss nach feiner Vorarbeit des 17-jährigen Innenverteidigers Marcel Voigt freudestrahlend das 0:1. Fröhlich hatte da bereits zwei Abschlüsse auf dem Konto - der dritte saß. Von Gersthofen kam bis zur Pause wenig außer einem halbherzigen Versuch von Efstathios Manos in der 41. Minute. "Wir hatten das Spiel im Griff", behauptete später Gersthofens Mittelfeldmann Jan Arndt und blickte dabei auf die Statistik: 52,7 Prozent Ballbesitz. Leider stand daneben auch: drei Torschüsse. Einer davon landete auf dem Parkplatz. Wusterwitz dagegen feuerte, als gäbe es Freibier für jeden Schuss. 21 Abschlüsse insgesamt, und das, obwohl Trainer Fritz nach einer Stunde kräftig durchwechselte. Fröhlich, der Unruhestifter im Sturmzentrum, durfte nach 61 Minuten duschen gehen - für ihn kam das 17-jährige Talent Dieter Mann. Und der machte in Minute 73 genau das, was man als Joker machen sollte: treffen. Nach einer schönen Kombination über Werner Runge vollendete Mann mit jugendlicher Unbekümmertheit aus zwölf Metern ins rechte Eck - 0:2, Entscheidung. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte der Teenager später schüchtern, während Curt Fröhlich lachend dazwischenrief: "Der hat nicht nachgedacht - und das war gut so!" Gersthofen versuchte danach alles, was ihre taktische "balanced"-Ausrichtung so hergab - also nicht allzu viel. Trainer (dessen Name von Vereinsseite wie immer geheimnisvoll verschwiegen wurde) schickte seine Flügelspieler noch weiter nach vorn, aber Wusterwitz blieb ruhig. Kein Pressing, kein Hauruck-Fußball, einfach kontrollierte Defensive und kluges Kurzpassspiel im Aufbau. Einziger Farbtupfer der Gastgeber: Rafael Figo, der seinen Frust in der 57. Minute mit einer gelben Karte verarbeitete - nach einem Zweikampf, der eher nach Tanzkurs aussah. "Er hat halt mal gezeigt, dass er auch da ist", kommentierte ein Fan trocken von der Tribüne. Während die Wusterwitzer Ersatzbank die letzten Minuten im Stehen verfolgte, stolperte Gersthofen von einer halben Chance zur nächsten. Rafael Figo prüfte in der 72. Minute Torwart Ralph Steffens, der bis dahin eher als Zuschauer fungierte. Und in der Nachspielzeit durfte Jannik Steiner noch einmal aus 20 Metern abziehen - der Ball segelte allerdings in die kühle Februar-Nacht hinaus, als wolle er selbst nichts mehr mit diesem Spiel zu tun haben. "Wir haben es versucht", sagte Steiner später tapfer. "Aber manchmal ist Fußball eben unfair." Tom Fritz konterte auf der Pressekonferenz mit einem Grinsen: "Unfair? Wir hatten 21 Schüsse. Das ist eher fleißig." Die Statistik sprach tatsächlich Bände: Wusterwitz mit 57 Prozent gewonnener Zweikämpfe, deutlich mehr Zug zum Tor und einer erstaunlichen Ruhe, die man in der Regionalliga B nicht alle Tage sieht. Gersthofen dagegen mit viel Ball, wenig Plan und keiner Idee, was man mit beidem anfangen sollte. Als die Flutlichter erloschen, blieb das Gefühl, dass hier zwei Welten aufeinandertrafen: die Welt der gepflegten Ballzirkulation und die der Effizienz. Wusterwitz entschied sich für Letzteres - und nahm verdient drei Punkte mit. Oder, wie Curt Fröhlich es zusammenfasste, während er sich auf den Heimweg machte: "Manchmal reicht’s, wenn du einfach öfter aufs Tor schießt." Ein Satz, den man in Gersthofen wohl noch eine Weile wiederholen wird - vermutlich leise und mit leichtem Kopfschütteln. 27.01.643991 22:25 |
Sprücheklopfer
Geld schießt keine Tore.
Otto Rehhagel