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Ein kalter Januarabend, Flutlicht, 5348 Zuschauer im Wusterwitzer Stadion - und ein Heimteam, das offenbar beschlossen hatte, gleich zum Anpfiff die Heizung aufzudrehen. Der FC Wusterwitz besiegte den FC Mettmann am 21. Spieltag der Regionalliga B deutlich mit 4:1 (3:1). Und das, obwohl die Gäste mehr Ballbesitz hatten (56 Prozent), mehr Ruhe am Ball zeigten - aber weniger mit ihm anzufangen wussten. "Wir wollten sie gar nicht so früh schocken", grinste Wusterwitz-Coach Tom Fritz nach dem Spiel. "Aber wenn der Ball nach zwei Minuten schon drin ist, beschwer’ ich mich natürlich nicht." Gemeint war das 1:0 durch den 17-jährigen Luca Philipp, der nach Vorlage von Walther Buchholz eiskalt abschloss - ein Teenager mit dem Selbstbewusstsein eines Routiniers. Nur fünf Minuten später legte derselbe Philipp nach. Wieder zappelte der Ball im Netz, diesmal nach Vorarbeit von Hanns Konrad. Zwei Schüsse, zwei Tore - der Junge war gefühlt heißer als der Stadionkakao. "Ich hab gar nicht groß nachgedacht", sagte Philipp später mit einem schüchternen Lächeln. "Ich hab einfach draufgehauen. Und dann war er halt drin." Doch Mettmann antwortete prompt: In der 8. Minute ließ John Donovan nach Zuspiel von Oskar Schmitt die Wusterwitzer Defensive alt aussehen und verkürzte auf 2:1. Eine Hoffnung, die genau zwölf Minuten hielt. Dann war Finn Roth zur Stelle, der nach einem Konrad-Pass zum 3:1 einschob. Damit war der erste Akt dieser turbulenten Partie auch schon erzählt. Mettmann hatte zwar die besseren Statistiken - 12 Torschüsse, genauso viele wie Wusterwitz, aber mit gefühlt doppelt so viel Aufwand. Doch was nützt der Ballbesitz, wenn er wie ein Bumerang zurückkommt? Donovan rannte, Lazovic rackerte, aber die Präzision blieb auf der Strecke. In der zweiten Halbzeit wurde es kurz ruppiger. Billy Moncreiffe von Mettmann sah in der 59. Minute Gelb, weil er offenbar dachte, der Gegner sei Teil eines Rugby-Trainingslagers. Wusterwitz ließ sich davon nicht beirren. Im Gegenteil - in der 53. Minute (ja, leicht paradox, aber das Tor fiel tatsächlich vor der Gelben Karte) sorgte Curt Fröhlich nach einer Ecke von Marco Müller für das 4:1 und damit für die endgültige Entscheidung. "Ich hab nur gehofft, dass Müller die Ecke nicht wieder auf den kurzen Pfosten zirkelt", witzelte Fröhlich anschließend. "Aber diesmal kam sie perfekt. Da musst du als Stürmer einfach Danke sagen." Danach verwaltete Wusterwitz das Ergebnis mit erstaunlicher Gelassenheit. Trainer Fritz nahm einige junge Spieler vom Feld - Luca Philipp durfte nach 75 Minuten unter Applaus runter, der 17-Jährige Nico Behrendt bekam noch ein paar Minuten, um Regionalliga-Luft zu schnuppern. "Wir wollen die Jungs langsam ranführen", erklärte Fritz. "Aber heute war so ein Tag, da hätten sie wahrscheinlich auch mit verbundenen Augen getroffen." Mettmanns Coach Jakob Urban hingegen rang um Fassung: "Wir hatten das Spiel eigentlich im Griff - bis die Tore fielen." Eine Aussage, die so nur im Fußball funktioniert. Urban wirkte ratlos, seine Mannschaft blieb trotz ordentlicher Anlage zu harmlos. Lazovic schoss in der Schlussphase gleich mehrfach aufs Tor (75., 88., 89. Minute), doch der Ball wollte einfach nicht rein. Und dann war da noch der 18-jährige Walther Buchholz, der in der Nachspielzeit Gelb sah, weil er einen Freistoß etwas zu leidenschaftlich blockte. "Ich dachte, der Schiri pfeift eh gleich ab", grinste er nach dem Spiel. Am Ende standen die Fakten klar auf der Anzeigetafel: 4:1, vier verschiedene Vorlagengeber, ein überzeugendes Offensivkonzept - und ein Trainer, der mit einem Augenzwinkern meinte: "Vielleicht sollten wir öfter weniger Ballbesitz haben. Scheint zu funktionieren." Der FC Wusterwitz bleibt mit diesem Sieg im oberen Mittelfeld der Tabelle und dürfte an Selbstvertrauen kaum zu überbieten sein. Mettmann dagegen fährt mit der Erkenntnis nach Hause, dass Fußballspiele nicht im Statistikheft gewonnen werden - sondern auf dem Platz, wo Tore eben doch ein bisschen wichtiger sind als Prozentzahlen. Oder um es mit den Worten eines euphorischen Stadionsprechers zu sagen, kurz bevor das Flutlicht erlosch: "Wusterwitz gewinnt 4:1! Und das völlig verdient - auch wenn keiner so recht weiß, warum." 19.09.643987 07:08 |
Sprücheklopfer
Bevor wir für einen Torwart 15 bis 20 Millionen Mark bezahlen, stelle ich mich selbst ins Tor.
Rainer Calmund