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Wenn der FC Wusterwitz an einem kühlen Märzabend seine Flutlichter anknipst, dann riecht das nach ehrlichem Fußball. 5469 Zuschauer kamen ins kleine Stadion am See - und sie wurden Zeugen einer Partie, die irgendwo zwischen jugendlichem Übermut und taktischer Reife pendelte. Am Ende stand ein klarer 3:0‑Sieg gegen Eintracht Schwerin, der so verdient war, dass selbst die härtesten Kritiker auf der Tribüne nur noch über die Stadionbratwurst meckern konnten. Die Gäste aus Schwerin begannen forsch, schickten in den ersten Minuten ihre Stürmer Marcel Brinkmann und Danijel Sokota mehrfach ins Wusterwitzer Drittel. Zwei Schüsse aufs Tor, und das war’s dann aber auch für längere Zeit. "Wir wollten früh Druck machen", erklärte Eintracht‑Trainer Thomas Krause später, "aber irgendwie blieben wir im eigenen Offensivdrang stecken." Sein Gegenüber Tom Fritz grinste nur: "Ja, das Pressing war so durchlässig wie ein guter Schweizer Käse." Ab der zehnten Minute übernahm Wusterwitz das Kommando. 22 Torschüsse sollten es am Ende werden - ein Wert, der nach Regionalliga‑Maßstäben schon fast unhöflich hoch ist. Besonders auffällig: Rechtsaußen Finn Roth, ein Wirbelwind mit der Präzision eines Uhrwerks. Er prüfte den Schweriner Keeper mehrfach und traf schließlich in der 41. Minute. Nach schöner Vorarbeit von Linksverteidiger Ralf Meiser zog Roth aus 16 Metern ab - trocken, flach, unhaltbar. 1:0, das Stadion tobte. "Das war so ein Ball, der einfach rein will", meinte Roth später mit einem Grinsen, "und wenn nicht, hätte ich ihn beleidigt." Trainer Fritz lobte trocken: "Er hat das gemacht, was wir immer trainieren: den Ball ins Tor schießen." Zur Pause war die Partie eigentlich schon entschieden, obwohl das Ergebnis es noch nicht verriet. Wusterwitz hatte 54 Prozent Ballbesitz, Schwerin rannte meist hinterher. Die Eintracht versuchte, mit langen Bällen über die Flügel zu kommen, doch entweder war der Pass zu lang oder die Wusterwitzer Innenverteidigung zu wachsam. In der zweiten Hälfte drehte sich die Geschichte endgültig. Fritz brachte in der 50. Minute den 17‑jährigen Dieter Mann für Curt Fröhlich - ein Wechsel, der sich zwar nicht in Toren, aber in Tempo auszahlte. Wenig später durfte auch der 18‑jährige Rafael Witte ran, ebenfalls für einen starken Roth. "Ich musste runter, weil ich zu viel gelaufen bin", scherzte Roth, "der Trainer wollte den Rasen schonen." Schwerin kämpfte, aber gefährlich wurde es selten. Nur vier Torschüsse standen am Ende auf ihrem Konto, und die hätten wohl nicht einmal einen Kioskdeckel erschüttert. Stattdessen zeigte Wusterwitz, wie man mit jugendlichem Elan ein Spiel zu Ende bringt. In der 86. Minute erhöhte Innenverteidiger Marco Müller nach einer Ecke von Luca Philipp auf 2:0 - ein wuchtiger Kopfball, der fast das Tornetz sprengte. "Ich hab’ gar nicht gesehen, wo der Ball hin ist", sagte Müller später, "nur die Leute hinterm Tor haben plötzlich gejubelt." Keine zwei Minuten später war es dann Luca Philipp selbst, der den Schlusspunkt setzte: in der 88. Minute nahm er einen Pass des 17‑jährigen Marcel Voigt auf, drehte sich elegant und schob den Ball flach ins lange Eck. 3:0 - jugendliche Leichtigkeit in Reinform. "Da spielen halbe Kinder gegen gestandene Männer", murmelte ein Schweriner Fan kopfschüttelnd auf der Tribüne. Und tatsächlich: Das Durchschnittsalter der Wusterwitzer Offensive lag bei 18,5 Jahren. Trainer Fritz nahm’s sportlich: "Ich sag den Jungs immer, sie sollen einfach Spaß haben. Heute hatten sie wohl zu viel davon." Ein bitterer Abend für Schwerin, das trotz offensiver Grundordnung kaum Lücken fand. Wusterwitz blieb aggressiv, aber fair - keine Karte, während Eintrachts Max Weller in der 64. Minute Gelb sah, nachdem er Philipp an der Seitenlinie unsanft stoppte. "Ich wollte nur den Ball treffen", entschuldigte sich Weller später, "aber der Ball war schneller als gedacht." Nach dem Schlusspfiff klatschten die Wusterwitzer Fans minutenlang im Takt. Die Spieler feierten ausgelassen, Keeper Phillip Zimmermann rannte sogar bis zur Mittellinie, um Luca Philipp zu umarmen. "Wir haben heute gezeigt, dass wir mehr sind als eine Nachwuchstruppe", sagte der Torschütze stolz. Die Statistik sprach ohnehin Bände: 22 zu 4 Torschüsse, 54 Prozent Ballbesitz, und eine Tacklingquote, die deutlich über der der Gäste lag. Wusterwitz dominierte, ohne überheblich zu wirken - ein Lehrstück in Sachen Teamgeist und Spielfreude. Vielleicht war es nur ein Spiel in der Regionalliga B, am 33. Spieltag, aber für die Fans fühlte es sich an wie ein kleiner Feiertag. Oder, wie ein älterer Zuschauer beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn die so weitermachen, müssen wir bald Sitzplätze anbauen." Ein schöner Gedanke - und vielleicht der ehrlichste Applaus für einen Abend, an dem Fußball wieder so einfach war, wie er sein sollte. 26.09.643993 04:50 |
Sprücheklopfer
Der Dieter Hoeneß hat die Glatze noch ganz nass gehabt. Da geht es um 30 bis 35 Millionen. Das ist Monopoly original.
Rainer Calmund zur großen Bedeutung der Partie zwischen Hertha und Leverkusen in der Saison 2000/2001