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Es war eine dieser Nächte in der Regionalliga B, in denen das Flutlicht ein bisschen heller scheint, weil junge Spieler über sich hinauswachsen. Der FC Wusterwitz besiegte am 28. Spieltag vor 5887 begeisterten Zuschauern den TSV Wolfratshausen mit 4:2 (3:2) - ein Ergebnis, das auf dem Papier klar aussieht, in Wirklichkeit aber ein wilder Ritt war. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft der Ball hin und her flog", grinste Wusterwitz-Coach Tom Fritz nach der Partie, während er sich die Jacke überwarf. "Aber Hauptsache, er flog am Ende öfter ins richtige Tor." Und das tat er. Schon in der 13. Minute brachte Andres Carracedo die Gäste aus Wolfratshausen nach Vorlage von Otto Fritz in Führung. Der junge Spanier im Mittelfeld der Oberbayern zog trocken ab - keine Chance für Keeper Phillip Zimmermann. Doch wer dachte, dass die Hausherren in Schockstarre verfallen würden, irrte gewaltig. Nur fünf Minuten später war Finn Roth zur Stelle, der nach einem feinen Zuspiel von Curt Fröhlich humorlos zum Ausgleich einschoss. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass es kracht", meinte Roth später augenzwinkernd. Das Spiel nahm Fahrt auf. Wusterwitz, taktisch auf Angriff getrimmt, kombinierte sich mit jugendlicher Unbekümmertheit durch die Gästeabwehr. Nico Behrendt, gerade einmal 18, traf in der 23. Minute nach schöner Vorbereitung von Hanns Konrad - 2:1. Das Stadion vibrierte, die Fangesänge schwollen an, man roch förmlich die Bratwurst und den Optimismus. Doch Wolfratshausen war keineswegs tot. In der 42. Minute sorgte ausgerechnet Rechtsverteidiger Dylan Monroe für den Ausgleich, nachdem er einen verunglückten Abwehrversuch eiskalt verwertete. "Ich dachte erst, der Ball sei schon draußen", sagte Monroe, "aber dann dachte ich, warum nicht einfach mal draufhalten?" Das 3:2 für Wusterwitz fiel keine zwei Minuten später - wieder Finn Roth, diesmal nach einer butterweichen Flanke von Walther Buchholz. Ein Doppelschlag, der die Zuschauer von den Sitzen riss. "Wir haben einfach weitergemacht", sagte Trainer Fritz. "Wenn du junge Spieler hast, die gar nicht wissen, dass man in solchen Momenten nervös werden könnte, ist das Gold wert." In der zweiten Halbzeit wurde es ruppiger. Wolfratshausens Innenverteidiger Knut Conrad, schon früh verwarnt, sah in der 56. Minute Gelb-Rot. Trainer Ferdinand Meyer war außer sich: "Knut ist 17, der lernt noch. Leider heute auf die harte Tour." Wusterwitz nutzte die Überzahl, ohne in Schönheit zu sterben. Die Statistik zeigte am Ende fast ausgeglichenen Ballbesitz (49,9 zu 50,0 Prozent), aber die Gastgeber hatten die klareren Chancen - 14 Torschüsse gegenüber 10 der Gäste. Der Schlusspunkt gehörte Dieter Mann, dem 17-jährigen Joker. In der 91. Minute verwertete er die Vorlage von Linksverteidiger Marko Weise zum 4:2-Endstand. Ein Tor, das die Stimmung endgültig ins Festliche kippte. Mann riss die Arme hoch, Konfetti gab es zwar keins, aber die Ersatzbank jubelte, als hätte man gerade die Champions League gewonnen. Dann wurde es noch einmal turbulent: In der Nachspielzeit erwischte es Marcel Voigt, ebenfalls erst 17, mit Gelb-Rot. "Er wollte nur zeigen, dass er auch Emotionen hat", grinste Tom Fritz. Eine Szene, die die Partie passend abrundete - jung, ungestüm, lebendig. Wolfratshausens Trainer Meyer fasste es nüchtern zusammen: "Wir haben’s versucht, aber Wusterwitz war heute einfach gieriger. Und vielleicht auch ein bisschen frecher." So endete ein Abend, der zeigte, dass Fußball manchmal keine Frage der Erfahrung ist, sondern des Mutes. Die Wusterwitzer Talente rannten, kämpften, lachten - und siegten. Bei Abpfiff sangen die Fans noch immer, während die Spieler auf der Tribüne Selfies schossen. Ein älterer Zuschauer raunte beim Hinausgehen: "Wenn die so weitermachen, spielt der FC Wusterwitz bald höher." Vielleicht war das übertrieben. Vielleicht aber auch nicht. Denn wer solche Nächte hat, braucht keine Träume - er lebt sie schon. 30.07.643993 15:36 |
Sprücheklopfer
Ob rechts oder links, wo ich auftauchte, war ich schlecht.
Mario Basler