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Wusterwitz fegt Magdeburg vom Platz - ein Abend zum Vergessen für Blau-Weiß

Ein lauer Frühlingsabend im Magdeburger Stadion, 4.681 Zuschauer, Flutlichtromantik - und am Ende ein Ergebnis, das die Heimfans lieber unter "Albtraum" abheften werden: BW Magdeburg geht am 4. Spieltag der Regionalliga B mit 0:5 gegen den FC Wusterwitz unter. Die Gäste spielten sich phasenweise in einen Rausch, während die Magdeburger Defensive eher wie ein Trampolin wirkte: jeder Ballkontakt ließ den Gegner nur höher springen.

Schon in der 15. Minute ging es los: Der erst 18-jährige Dieter Mann - ein Name, der so normal klingt, dass man fast vergisst, dass er ein echtes Talent ist - verwandelte eiskalt nach Vorlage von Hanns Konrad. Keine 60 Sekunden später legte Luca Philipp nach, gerade 19 Jahre alt, bedient von Walther Buchholz. Zwei Tore in zwei Minuten - und die Magdeburger Fans schauten sich gegenseitig ungläubig an, als wollten sie fragen: "Habt ihr das auch gesehen?"

Trainer Sven Lange raufte sich bereits da die Haare. "Wir wollten eigentlich kompakt stehen", knurrte er später, "aber irgendwie standen wir dann halt alle woanders." In der 38. Minute lenkte der Wusterwitzer Rechtsverteidiger Finn Kern das Spiel endgültig in eine Richtung, die niemand mehr drehen konnte. Nach einer Flanke von Hanns Konrad drosch er den Ball aus halbrechter Position ins Netz - 0:3 zur Pause.

Was den Magdeburgern blieb, war optischer Ballbesitz. Laut Statistik hatten sie mit 51 Prozent sogar etwas mehr vom Spiel, aber was nützt das, wenn der Gegner mit 23 Torschüssen fast im Minutentakt gefährlich wird? Torhüter Carsten Frei hielt, was zu halten war, und manchmal auch, was eigentlich unhaltbar war. Doch seine Vorderleute ließen ihn im Stich.

In der zweiten Halbzeit gab es dann Momente, die fast schon komisch wirkten. Nach einem Magdeburger Angriff, der in einem harmlosen Schüsschen endete, rief ein Fan laut "Jetzt geht’s los!" - leider für Wusterwitz. In der 75. Minute jagte erneut Luca Philipp den Ball nach schöner Kombination über Konrad in die Maschen. Spätestens da verließen einige Heimfans den Block, andere blieben - wohl aus einer Mischung aus Trotz und Faszination.

"Wir haben einfach Spaß am Fußball", erklärte Wusterwitz-Coach Tom Fritz nach dem Spiel mit einem Grinsen, das man in Magdeburg wohl als Provokation verstand. "Die Jungs sind jung, hungrig und heute haben sie’s einfach laufen lassen." Tatsächlich wirkte es, als hätten die Gäste einen Tag erwischt, an dem alles gelang - selbst der Außenverteidiger Kern, der sich in der 86. Minute noch eine Gelbe Karte abholte, schien danach immer noch bester Laune.

Und als ob’s nicht schon genug gewesen wäre, setzte Johann Zander in der 90. Minute den Schlusspunkt. Nach einem feinen Pass von Buchholz vollendete er zum 0:5. Einige Magdeburger Spieler blickten in diesem Moment nur noch stumm zu Boden, andere klatschten sich immerhin gegenseitig aufmunternd ab.

"Wir müssen das abhaken", sagte Kapitän Luis Ebert später in die Mikrofone. "Das war heute einfach ein gebrauchter Tag. Vielleicht auch zwei." Immerhin: Schüsse aufs Tor gab es fünf, was angesichts der 23 der Gäste fast schon heroisch klingt.

Wusterwitz dagegen feierte ausgelassen. Der 18-jährige Doppelvorbereiter Hanns Konrad wurde von seinen Teamkollegen auf den Schultern getragen - "Ich wusste gar nicht, dass ich zwei Assists hatte", staunte er später. "Ich wollte eigentlich nur laufen."

BW Magdeburg bleibt nach diesem Ergebnis ratlos zurück. Auch wenn die Statistik einen leichten Ballbesitzvorteil ausweist, fehlte es an Ideen, Tempo und - ganz simpel - an Präzision. Trainer Lange kündigte an, "das intern klar anzusprechen". Beobachter dürften ahnen, dass die nächste Trainingswoche wenig spaßig wird.

Wusterwitz hingegen kann sich über einen Traumabend freuen: fünf verschiedene Vorlagengeber, vier Torschützen, ein Teamgeist, der ansteckt. "So was passiert nicht oft", meinte Coach Fritz und zwinkerte. "Aber wenn’s passiert, dann bitte hier."

Am Ende blieb Magdeburg nur der Applaus der eigenen Fans - nicht aus Begeisterung, sondern aus Mitleid und Loyalität. Vielleicht das Schönste an diesem bitteren Abend: Trotz des 0:5 standen sie noch da, klatschten und riefen: "Kopf hoch, Jungs!"

Ein Spiel, das in Wusterwitz wohl in die Vereinsgeschichte eingeht - und in Magdeburg in die der "Lehrstunden".

16.12.643993 04:11
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Christian Ziege zur Skepsis vieler deutscher Fußballfans und -experten hinsichtlich des Abschneidens der DFB-Auswahl bei der WM 2002
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