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Es war ein kühler Märzabend in Wusterwitz, aber die 5457 Zuschauer im kleinen Stadion sollten schnell warm werden - nicht wegen des Wetters, sondern wegen eines Spiels, das man so schnell nicht vergisst. Der FC Wusterwitz, trainiert von Tom Fritz, schlug den FC Homberg mit 4:2 (2:2) - und das mit einer Mannschaft, die mehr Führerscheine beantragen muss, als sie schon hat. Schon nach fünf Minuten rieb sich das Publikum verwundert die Augen: Doruk Bulut, Hombergs bulliger Mittelstürmer, nutzte die erste Unsicherheit der jungen Wusterwitzer Abwehr. 0:1, eiskalt vollstreckt. Wusterwitz’ Torwart Phillip Zimmermann, gerade mal 19, schüttelte den Kopf, als wolle er sagen: "Ich hab den Ball schon gesehen - leider im Netz." Doch Wusterwitz wäre nicht Wusterwitz, wenn sie sich von einem frühen Rückstand schrecken ließen. Die Antwort kam in der 30. Minute - Curt Fröhlich, der Name ist Programm, traf nach Vorarbeit des 17-jährigen Innenverteidigers Marcel Voigt. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Fröhlich später, "Trainer Fritz sagt immer, wer nicht schießt, trifft auch nicht. Heute hatte er mal recht." Homberg aber zeigte sich unbeeindruckt. Nur zwei Minuten später stellte der quirlig-schnelle Nael Aznar den alten Abstand wieder her. Ein mustergültiger Angriff, eingeleitet vom 18-jährigen Innenverteidiger Jordi Izquierdo, der kurz darauf wegen einer Blessur ausgewechselt werden musste. "Da waren wir kurz nicht wach", knurrte Wusterwitz-Coach Fritz an der Seitenlinie. Doch Fröhlich war in Torlaune. In der 37. Minute schlug er erneut zu - diesmal nach einer feinen Flanke von Linksverteidiger Ralf Meiser. 2:2, und das Stadion bebte. Halbzeit, Durchschnaufen, Bratwurst. Die zweite Hälfte begann mit einer mutigen Entscheidung: Fritz brachte den 17-jährigen Dieter Mann für den bereits doppelt erfolgreichen Fröhlich. Ein Risiko? Vielleicht. Ein Geniestreich? Definitiv. In der 61. Minute war Mann da, wo ein Stürmer sein muss - und drückte den Ball nach Vorlage von Walther Buchholz über die Linie. 3:2. Die Jugendlichen spielten wie entfesselt. Homberg, das mit mehr Ballbesitz (54 %) und Routine glänzen wollte, wirkte plötzlich alt. Die Gäste liefen, kämpften, fanden aber kein Mittel gegen das wendige Kurzpassspiel der Hausherren. Insgesamt 17 Schüsse auf das Tor - so viel Druck machte Wusterwitz selten in dieser Saison. Dann die 85. Minute: Der Moment, der das Spiel endgültig entschied. Der rechte Flügelspieler Finn Roth, 23, bekam den Ball von Hanns Konrad serviert und drosch ihn unhaltbar unter die Latte. 4:2 - und das Stadion stand Kopf. "Ich hab gar nicht gesehen, wo der Ball hinfliegt", lachte Roth später, "ich hab einfach gehofft, dass keiner im Weg steht." Eine Minute später folgte die einzige dunkle Wolke am Wusterwitzer Himmel: der 17-jährige Verteidiger Marcel Voigt sah Rot nach einem übermotivierten Einsteigen. "Jung und wild", kommentierte Trainer Fritz trocken. "Er wollte halt zeigen, dass er schon groß ist." Hombergs Trainer Fridolin von Zahn wirkte nach dem Abpfiff sichtlich bedient. "Wir hatten mehr Ballbesitz, ja. Aber Ballbesitz gewinnt keine Spiele, Tore schon", sagte er und verschwand mit gesenktem Kopf in die Kabine. Sein Team brachte es auf nur vier Torschüsse - zwei davon waren drin. Effektiv, aber eben nicht genug. Einige Fans spöttelten nach dem Spiel: "Wusterwitz hat die Zukunft, Homberg die Erfahrung - und wir die drei Punkte." Treffender lässt sich dieser Abend kaum zusammenfassen. Die Statistik untermauert den Eindruck: 17 Torschüsse zu 4, 55 % gewonnene Zweikämpfe, vier verschiedene Torschützen - eine Demonstration jugendlicher Entschlossenheit. "Ich bin stolz auf die Jungs", sagte Tom Fritz nach dem Spiel, "manchmal ist es gut, wenn sie gar nicht wissen, dass sie nervös sein könnten." Und dann grinste er. Am Ende blieb das Stadionlicht etwas länger an, die Zuschauer wollten gar nicht gehen. Vielleicht, weil sie ahnten, dass hier etwas entstanden ist - eine Mannschaft, die nicht nur Fußball spielt, sondern Spaß daran hat, das Unmögliche möglich zu machen. Und irgendwo in der Kabine soll Curt Fröhlich gesagt haben: "Chef, nächste Woche mach ich drei." - Wenn das kein Versprechen ist. 31.05.643993 19:52 |
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