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5585 Zuschauer erlebten am Dienstagabend in Wusterwitz ein Fußballfest, das man in der Regionalliga B so schnell nicht vergisst. Der FC Wusterwitz zerlegte den völlig überforderten Gast aus Fürstenwalde mit 5:0 (2:0) - und das, obwohl die Ballbesitzstatistik am Ende ein fast ausgeglichenes Bild zeigte. Aber man weiß ja: Ballbesitz schießt keine Tore. Von Anfang an war klar, wer hier Chef im Ring ist. Schon in der 5. Minute gab’s die erste Gelbe Karte für Gästeverteidiger Finn Kuhn, der offenbar den Startschuss mit einem Bodycheck verwechselte. Trainer Tom Fritz vom FC Wusterwitz grinste später: "Da wusste ich: Heute knallt’s - im positiven Sinne natürlich." Nach einer Viertelstunde begann das Feuerwerk. Curt Fröhlich, 22 Jahre jung und offenbar mit einem Turbo im rechten Fuß ausgestattet, erzielte in der 24. Minute das 1:0. Vorausgegangen war ein Zuckerpass von Werner Runge - so präzise, dass man fast glauben konnte, er habe eine Zielvorrichtung im Schuh. "Ich hab den Ball einfach durchgesteckt, und Curt hat ihn reingedroschen. Ganz einfach", kommentierte Runge später trocken. Neun Minuten danach durfte das Stadion erneut jubeln: Luca Philipp, der 18-jährige Flügelflitzer mit Engelslocken und Teufelsdrang, verwandelte zum 2:0. Die Vorlage? Natürlich wieder Fröhlich. Wusterwitz spielte wie entfesselt, während Fürstenwalde wirkte, als hätte jemand die Pausetaste gedrückt. Zur Halbzeit sprach man auf der Tribüne schon von einem "ruhigen Abend", doch der zweite Durchgang wurde zur Gala. Nach 66 Minuten traf Johann Zander zum 3:0 - nach Vorarbeit von Linksverteidiger Ralf Meiser, der kurz zuvor noch den eigenen Schuhriemen in der Defensive verloren hatte. "Ich wollte eigentlich nur flanken", lachte Meiser später, "aber Johann hat’s mir abgenommen - im besten Sinne." Zwei Minuten später erhöhte Werner Runge selbst auf 4:0. Eine Kombination wie aus dem Lehrbuch: Pass von Zander, Direktabnahme Runge - und die Gästeabwehr schaute zu wie bei einer Freiluftvorstellung. Der fünfte Treffer, wieder durch Fröhlich (71.), war dann endgültig das Sahnehäubchen. Nach einer Flanke von Rechtsverteidiger Finn Kern köpfte der Stürmer ein - und ließ Torwart Karsten Wendt keine Chance. "Wenn du fünf Tore kassierst und dein Torwart trotzdem noch der Beste war, weißt du, wie der Abend gelaufen ist", sagte Fürstenwaldes Kapitän Samuel Baird hinterher mit Galgenhumor. Die Gäste hatten durchaus ihre Momente - sieben Torschüsse, davon einige nicht ungefährlich. Noah Merz prüfte Wusterwitz-Keeper Phillip Zimmermann gleich mehrfach, doch der 19-Jährige bestand jede Prüfung mit Bravour. "Ich hatte heute das Gefühl, der Ball mochte mich", grinste Zimmermann. Fürstenwaldes Abend wurde zusätzlich bitter, als Finn Kuhn in der 87. Minute Gelb-Rot sah. Nach dem Spiel meinte er nur: "Ich wollte eigentlich den Ball treffen. Dummerweise war keiner da." Sein Trainer, der ungenannt bleiben wollte, schüttelte nur den Kopf: "Wir hätten heute auch mit zwölf Mann kein Tor geschossen." Statistisch gesehen war’s fast ausgeglichen: 49,6 Prozent Ballbesitz für Wusterwitz, 50,4 für Fürstenwalde. Doch während die Gäste quer passten, ging bei den Hausherren jeder Ball nach vorn. 15 Torschüsse, davon fünf drin - Effizienz, von der mancher Bundesligist träumt. Wusterwitz zeigte zudem, dass jugendlicher Elan und taktische Disziplin sich nicht ausschließen. Trainer Tom Fritz hatte seine Jungs offensiv ausgerichtet, mit mutigem Kurzpassspiel und viel Bewegung. "Wir wollten Spaß haben - und ja, ein bisschen auch den Gegner ärgern", sagte er nach dem Spiel mit einem Augenzwinkern. Spätestens nach Fröhlichs zweitem Treffer verwandelte sich das Stadion in eine einzige Partyzone. Selbst die Bratwurststände klatschten mit. Als in der 73. Minute Fürstenwaldes Eskil Gudjohnsen verletzt raus musste, raunte ein Zuschauer: "Der hat’s gut - der darf jetzt nach Hause." Nach Abpfiff standen die Wusterwitzer Spieler Arm in Arm vor der Fankurve, während die Gäste schnell das Weite suchten. "Fünf Tore, kein Gegentor, keine Verletzten - das nenn ich einen perfekten Dienstag", bilanzierte Coach Fritz. Und tatsächlich: Ein besseres Bewerbungsschreiben für die obere Tabellenhälfte kann man kaum abgeben. Wenn der FC Wusterwitz so weitermacht, wird man in der Regionalliga B bald über mehr reden als nur über Taktik. Vielleicht sogar über Aufstiegsträume - aber das darf man in Wusterwitz ja bekanntlich nicht laut sagen. Nur Curt Fröhlich tat’s dann doch: "Wenn wir weiter so spielen, warum nicht?" Und irgendwie klang das gar nicht so vermessen. 14.06.643993 00:48 |
Sprücheklopfer
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