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Das Flutlicht im Stadion von Sondershausen war kaum warmgelaufen, da war das Spiel eigentlich schon entschieden. Der FC Wusterwitz, an diesem frostigen Januarabend ganz in Weiß, spielte den Gastgeber phasenweise schwindlig - und das, obwohl Trainer Lilo Hesters vor Anpfiff noch betont hatte: "Wir wollen mutig sein, kompakt stehen und Nadelstiche setzen." Am Ende blieb es beim Mut. Und bei einem einzigen Torschuss in 90 Minuten. Die 3.465 Zuschauer sahen eine Lehrstunde in Ballkontrolle: 62,8 Prozent Ballbesitz, 24 Torschüsse - die Gäste aus Wusterwitz bestimmten das Geschehen, als wäre es ein Trainingsspiel. Schon in der 7. Minute klingelte es: Finn Roth, der rechte Flügelblitzer, zog nach einem Pass von Namensvetter Finn Kern nach innen und hämmerte den Ball ins lange Eck. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Roth später, "und gehofft, dass der Torwart noch nicht ganz wach ist." Der war es nicht. Sondershausen taumelte danach durch die Anfangsphase wie ein Boxer nach dem ersten Wirkungstreffer. Der Ball lief in den Reihen der Gäste, die elegant, fast gelangweilt, Pass um Pass durch die Mitte spielten. In der 36. Minute dann der nächste Stich: Curt Fröhlich legte clever quer, Werner Runge traf trocken aus 16 Metern. 0:2 - und das Spiel war praktisch vorbei, bevor die Bratwurst auf der Tribüne kalt wurde. "Wir wollten reagieren, nicht nur agieren", erklärte Hesters später mit einem etwas schiefen Lächeln. Reagieren tat sein Team in der ersten Halbzeit allerdings vor allem mit Rückpässen. Wusterwitz-Coach Tom Fritz stand derweil mit verschränkten Armen in der Coachingzone und kommentierte jede gelungene Kombination seiner Jungs mit einem zufriedenen Nicken. "Wir haben das ordentlich gemacht", meinte er nach der Partie, "nur schade, dass wir es nicht zweistellig gestalten konnten." Nach der Pause änderte sich das Bild nur insofern, als dass Wusterwitz etwas gnädiger wurde. Die Gäste spielten weiter offensiv, aber mit angezogener Handbremse. Vielleicht lag’s am Respekt vor der eisigen Nachtluft, vielleicht am sicheren Ergebnis. Sondershausen kam immerhin einmal gefährlich vors Tor - Hermann Michels in der 44. Minute, kurz vor der Pause, prüfte Keeper Phillip Zimmermann. Der fing den Ball jedoch so sicher, als wolle er ihn für später aufbewahren. Die zweite Halbzeit brachte dann mehr Szenen als Spannung: Mitspieler Kyriakos Mitropoulos humpelte in der 49. Minute vom Platz, die rechte Seite musste umgestellt werden. "Das war’s dann endgültig mit unserem Plan", seufzte Hesters. Lew Onopko kam - und lief die restlichen 40 Minuten dem Ball hinterher. Wusterwitz wechselte seinerseits munter durch: Jungspunde wie Stephan Werner und Nico Behrendt bekamen Einsatzzeit, als wäre das Spiel ein Schaulaufen der Nachwuchsabteilung. In der 70. Minute schob Fröhlich den Ball knapp am Pfosten vorbei, in der 78. scheiterte Roth erneut am glänzend reagierenden Luca Baumann im Sondershäuser Tor. Baumann, der trotz der Niederlage der beste Mann seines Teams war, sagte nach Abpfiff trocken: "Wenn du 24 Torschüsse kriegst, ist 0:2 fast ein Sieg." Man konnte es ihm nicht verdenken. Die letzten Minuten plätscherten dahin, nur eine gelbe Karte für Wusterwitz’ Torschützen Runge (86.) sorgte noch für eine Notiz im Spielbericht. Die Fans auf den Rängen hatten sich längst in ihre Schals verkrochen, einige sangen trotzig noch eine Stadionhymne, andere stapften früh Richtung Parkplatz. Trainer Fritz war nach dem Abpfiff bester Laune: "Wir haben souverän gespielt. Wenn wir so weitermachen, können wir oben anklopfen." Sein Gegenüber Hesters hingegen wirkte, als wolle er sich sofort in den Winterschlaf verabschieden. "Wir müssen lernen, dass Ballbesitz auch mal wechseln darf", sagte er mit einem bitteren Schmunzeln. So endete ein Abend, an dem Sondershausen kaum je ins Spiel fand und Wusterwitz die Regionalliga-Bühne nutzte, um eine Demonstration des modernen, schnörkellosen Fußballs zu zeigen. Oder, wie ein älterer Fan am Bierstand es auf den Punkt brachte: "Wenn du nur zugucken willst, brauchst du wenigstens warme Handschuhe." Ein Fazit, das man in Sondershausen wohl unterschreiben kann. 15.08.643987 11:50 |
Sprücheklopfer
Bei uns kann jeder Spieler eine Rolex tragen, Ferrari fahren und Gucci-Unterhosen tragen. Doch wenn er sich auszieht und spielt, muss er Dreck fressen.
Rainer Calmund