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Wenn ein Spiel in der Verbandsliga H so eindeutig ausfällt, dass selbst der Stadionsprecher ab der 70. Minute lieber den Grillgeruch kommentiert als die Ballbesitzstatistik, dann weiß man: Wuppertal hatte einen richtig guten Abend. Mit 3:0 (2:0) fegten die Hausherren am 22. Spieltag über ein Vorwärts Nordhorn hinweg, das seinem Namen an diesem Sonntagabend nur selten Ehre machte. 2065 Zuschauer im Stadion am Zoo sahen eine Partie, die im Grunde nach einer halben Stunde entschieden war - und eine Wuppertaler Mannschaft, die Fußball mit Spaß und Präzision verband. "Wir haben heute einfach unser Spiel durchgezogen", grinste Trainer Jordan DeLang hinterher, während er versuchte, seinem aufgedrehten Stürmer Nico Franz das Mikrofon zu entreißen. Der 17-Jährige hatte gerade seinen Doppelpack gefeiert und wollte die Bühne nicht so schnell räumen. "Ich dachte, das erste Tor sei Abseits, aber der Linienrichter hat ja brav weiterlaufen lassen - also hab ich’s halt gemacht", lachte Franz, der dabei fast so cool wirkte wie sein zweites Tor in der 82. Minute. Schon die ersten Minuten deuteten an, dass dieses Spiel einseitig werden könnte: Wuppertal kombinierte sich mit kurzen Pässen durch das Mittelfeld, während Nordhorns Defensive eher den Eindruck machte, als wolle sie den Ball höflich begleiten statt stoppen. Janis Yilmaz, Wuppertals quirliger Linksaußen, prüfte Nordhorns Keeper Artur Starikow in der 4. Minute erstmals - ein Vorgeschmack auf das, was noch folgen sollte. Nach einer Viertelstunde belohnte sich Wuppertal: Knut Beckmann flankte von links, Julian Voigt rauschte aus dem Rückraum heran und versenkte das Leder trocken zum 1:0. Das war nicht nur sehenswert, sondern auch verdient - da stand es 7:0 nach Torschüssen. "Julian war heute unser Motor", sagte DeLang später. "Der Junge spielt, als hätte er einen Akku von Tesla im Rücken." Nur 14 Minuten später legte der nächste Youngster nach: Julius Stark legte quer, Nico Franz nahm Maß und traf aus 16 Metern ins lange Eck - 2:0. Nordhorns Abwehr? Stand da, wo sie nicht hätte stehen sollen. Der Rest der ersten Halbzeit war ein Wuppertaler Angriffstraining mit Publikumsbeteiligung. Die Gäste schafften es kein einziges Mal, einen Schuss aufs Tor zu bringen - nicht einmal aus Versehen. Zur Pause reagierte DeLang und brachte den erfahrenen Simon Winkler für den gelbverwarnten Yilmaz. "Janis war heiß", so der Coach trocken, "vielleicht zu heiß für die zweite Halbzeit." Winkler fügte sich unauffällig ein, die Kontrolle blieb vollends bei den Gastgebern, die 57 Prozent Ballbesitz und 22 Torschüsse sammelten - eine Statistik, die eher nach Bundesliga als nach Verbandsliga klang. Nordhorns Trainer, dessen Name während der Übertragung mehrfach vom Wind verschluckt wurde, hatte nach dem Spiel immerhin Humor: "Wir hatten den Plan, defensiv stabil zu stehen. Leider haben wir diesen Plan nur im Bus gelassen." Seine Mannschaft fand offensiv schlicht nicht statt. Kein Schuss aufs Tor - das wird selbst in Kreisliga-Kreisen selten so notiert. In der 65. Minute durfte der junge Peter Schöne raus, Timm Pfeifer kam - und holte sich sechs Minuten später prompt Gelb. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", erklärte Pfeifer mit einem schiefen Grinsen. Wenig später bereitete Arnaldo Gravina, Innenverteidiger und heimlicher Quarterback dieser Mannschaft, mit einem langen Ball den Schlusspunkt vor: Franz startete durch, blieb cool, 3:0. Der Rest war Jubel und die Erkenntnis, dass Wuppertal derzeit einfach Spaß am Fußball hat. "Es macht Freude, diese Jungs spielen zu sehen", sagte ein älterer Fan auf der Tribüne. "Da steht die Zukunft auf dem Platz." Und tatsächlich: Mit einem Durchschnittsalter von kaum über 20 Jahren wirkt DeLangs Team wie ein Projekt mit Langzeitwirkung. Nordhorn dagegen wird sich neu sortieren müssen - insbesondere in der Offensive, die an diesem Abend so gefährlich war wie ein leerer Wasserschlauch. Wuppertal hingegen darf weiter träumen. Wenn die jungen Wilden so weitermachen, wird man in der Liga bald öfter vom "Wuppertaler Jugendstil" sprechen - elegant, verspielt, und trotzdem effizient. Oder, wie Torjäger Nico Franz nach dem Abpfiff sagte, während er seinen zweiten Treffer auf dem Handy-Video ansah: "Ich wollte eigentlich flanken. Aber der Ball hatte wohl andere Pläne." Ein Satz, der das ganze Spiel zusammenfasst. 21.05.643993 21:17 |
Sprücheklopfer
Die Schweden sind keine Holländer - das hat man ganz genau gesehen.
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