Football Today
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Wolverhampton siegt mit Mühe - Teenager Sousa sorgt für Drama

Ein nasskalter Donnerstagabend, Flutlicht, 9693 Zuschauer - und ein Spiel, das alles hatte: frühe Tore, jugendlichen Übermut, alte Haudegen und ein Trainer, der sich nach Abpfiff in Ironie flüchtete. Wolverhampton besiegte die West Hammers am 6. Spieltag der 3. Liga England (2. Div) mit 2:1 (2:0) und darf sich kurzzeitig wieder in der Spitzengruppe wähnen.

Dabei begann alles wie aus dem Lehrbuch. Schon nach sechs Minuten zirkelte Hermann Afzelius den Ball nach feiner Vorarbeit von Hrvoje Bicanic aus 16 Metern ins lange Eck - die West-Hammers-Abwehr noch im Aufwärmmodus, der Torwart Henry Neil eher Zuschauer als Akteur. "Ich hab nur gesehen, wie der Ball flatterte - und dann war’s zu spät", murmelte Neil später mit einem gequälten Grinsen.

Wolverhampton nutzte den Schwung: Der 19-jährige Callum Callahan, nervös wie ein Schüler vor dem ersten Date, traf in der 23. Minute eiskalt zum 2:0. Sladan Puljiz hatte ihn mit einem butterweichen Pass freigespielt. "Ich dachte, ich stolpere gleich über meine eigenen Füße", lachte Callahan nach dem Spiel, "aber dann hab ich einfach die Augen zugemacht - und getroffen."

Die West Hammers wirkten zu diesem Zeitpunkt so harmlos wie ein Vorschlaghammer aus Gummi. Zwar spielte Trainer Toni Mückfelds Team laut Aufstellung offensiv, aber die erste Halbzeit bestand aus viel Ballverlust und wenig Struktur. 55 Prozent Ballbesitz für Wolverhampton - das sah man auch auf dem Platz.

Mückfeld stürmte zur Pause in die Kabine, vermutlich mit einem Vokabular, das nicht zitierfähig ist. Die Wirkung zeigte sich immerhin: Nach dem Seitenwechsel kamen die Gäste aggressiver heraus. Der 17-jährige Miguel Sousa, eben noch unauffällig, wurde plötzlich zum Helden wider Willen. In der 50. Minute, nach einem Eckball von William Hannigan, stand er goldrichtig - und köpfte den Ball zum 2:1-Anschluss ins Netz.

Ein historischer Moment: erstes Profi-Tor, erstes Lächeln des Trainers, erste gelbe Karte drei Minuten später. Sousa grätschte übermotiviert in die Beine von Callahan - Gelb, und Mückfelds Lächeln gefror sofort wieder. "Der Junge hat Feuer, das kann man ihm nicht übelnehmen", sagte der Coach später und fügte sarkastisch hinzu: "Vielleicht etwas zu viel Feuer, aber wir wollten ja Leidenschaft."

Kurz darauf wurde Sousa selbst zum Opfer: In der 52. Minute musste Stürmer Mathias Frigard, gerade eingewechselt, verletzt raus - die Szene wirkte wie ein Slapstick-Sketch. "Ich wollte nur den Ball ablegen, da lag ich schon", so Frigard, während er auf Krücken aus dem Stadion humpelte.

Die Schlussphase gehörte wieder Wolverhampton. Afzelius, Puljiz und der flinke Freddie Hunt prüften Neil mehrfach, doch der Keeper zeigte nun, dass er das Torhüter-Handwerk doch nicht vergessen hatte. Insgesamt verzeichneten die Gastgeber neun Torschüsse, die West Hammers kamen auf 13 - ein statistischer Ausgleich, der sich auf dem Feld nicht so anfühlte.

Trainer Mückfeld tobte an der Seitenlinie, während Wolverhampton-Coach - der seinen Namen bescheiden nicht genannt wissen wollte - ruhig blieb. "Wir haben’s hinten raus zu locker genommen", sagte er, "aber am Ende zählt, dass wir die Punkte haben. Und dass keiner meiner Jungs die Eckfahne umgetreten hat."

Die Stimmung auf den Rängen blieb bis zur letzten Minute angespannt. In der 86. Minute vergab Freddie Hunt die Riesenchance zum 3:1, als er den Ball freistehend in die Wolken drosch. "Ich wollte ihn elegant machen", rechtfertigte er sich augenzwinkernd, "aber das war wohl mehr Kunst als Fußball."

Nach 90 Minuten pfiff der Schiedsrichter endlich ab - zum hörbaren Aufatmen der Heimfans. Wolverhampton rettete das 2:1 über die Zeit, während die West Hammers trotz 13 Abschlüssen und 51 Prozent gewonnener Zweikämpfe leer ausgingen.

"Wir haben uns selbst geschlagen", resümierte Mückfeld in der Pressekonferenz. "Zwei frühe Gegentore, und dann rennst du einer Mauer hinterher." Neben ihm saß Sousa, der Jüngste auf dem Feld, und starrte in seinen Tee. "Ich hätte lieber verloren und kein Gelb gesehen", murmelte er - ein Satz, der wohl in die Lehrbuchsammlung für Fußballromantik aufgenommen werden könnte.

Am Ende bleibt ein verdienter Heimsieg für Wolverhampton, der aber knapper war, als er hätte sein müssen. Der Abend bot alles, was man in der dritten Liga liebt: ehrlichen Einsatz, kleine Dramen und einen Teenager, der erst traf, dann stolperte und schließlich Geschichte schrieb.

Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen sagte: "Für so was bezahl ich gern mein Ticket - aber mein Herz macht das nicht jede Woche mit."

06.08.643990 09:05
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