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Es war ein kalter Januarabend in Wolfratshausen, der die 4631 Zuschauer im Stadion zwar frösteln ließ, aber dennoch für erhitzte Gemüter sorgte. Denn was die heimische Elf von Ferdinand Meyer da über 90 Minuten aufführte, war eine Mischung aus Einbahnstraßenfußball, Slapstick und tragischer Chancenverwertung - und am Ende stand ein 1:1, das sich für die Gastgeber anfühlte wie eine Niederlage. Dabei begann alles nach Plan. Schon nach zwei Minuten prüfte Nelson Nani Hombergs Keeper Marc Berthier mit einem satten Rechtsschuss - der erste von insgesamt 17 Versuchen der Oberbayern. "Wenn du so anfängst, denkst du: Heute schießen wir sie aus dem Stadion", sagte Trainer Meyer später mit einem gequälten Lächeln. Doch Homberg hatte andere Pläne - oder vielmehr: andere Körperteile. Immer wieder war ein Bein, ein Kopf oder eine Schulter dazwischen. Die Gäste von Fridolin von Zahn, bekannt für ihre liebevolle Interpretation des Begriffs "defensives Chaos mit System", standen tief, lauerten auf Konter - und trafen. In der 27. Minute entwischte Linksaußen Harald Meissner seinem Gegenspieler Dirk Wendt, nahm den Ball nach Pass von Doruk Bulut direkt und traf aus spitzem Winkel. 0:1, und plötzlich war es mucksmäuschenstill. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte Torwart Manfred Heise nach dem Spiel und blickte schuldbewusst auf seine Schuhe. Trainer Meyer schlug nur die Hände über dem Kopf zusammen: "Das war wie ein Déjà-vu aus meiner Kreisliga-Zeit." Doch Wolfratshausen reagierte - mit Wut, Wille und jugendlichem Übermut. Der 18-jährige Heinz Heinrich, einer dieser Spieler, die aussehen, als hätten sie gerade erst den Schulbus verpasst, sorgte in der 39. Minute für den verdienten Ausgleich. Nach feinem Zuspiel des 19-jährigen Andres Carracedo zog Heinrich trocken ab. 1:1, und das Stadion tobte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste der Torschütze später. "Trainer Meyer hat gesagt, ich soll mutiger werden. Jetzt weiß ich, was er meinte." Bis zur Pause rollte Angriff um Angriff Richtung Homberger Strafraum. Nani, Dembrovschi und Gomes schossen sich warm, aber Berthier im Gästetor schien plötzlich in die Rolle des unbezwingbaren Superhelden geschlüpft zu sein. "Ich hatte einfach einen guten Tag", sagte er bescheiden - und grinste dann breit. In der zweiten Halbzeit änderte sich am Spielverlauf wenig. Wolfratshausen dominierte mit 57 Prozent Ballbesitz, kombinierte flüssig, passte kurz und präzise, wie es der Matchplan vorsah. Homberg hingegen verteidigte mit allem, was Beine hat - und manchmal auch mit den Armen. Innenverteidiger Mario Nunez sah schon in Minute 9 Gelb, als er Nani mit einem rustikalen Bodycheck an der Außenlinie stoppte. Später folgte Wolfratshausens Michael Fischer (83.) und schließlich der junge Dirk Wendt in der Nachspielzeit - eine Karte, die wohl eher als Frustventil diente als als taktisches Foul. Kurzzeitig stockte den Zuschauern der Atem, als Heinz Heinrich in der 74. Minute verletzt am Boden liegen blieb. Die Diagnose: wohl nur eine Prellung. "Er wollte unbedingt weiterspielen, aber ich hab ihn rausgenommen. Der Junge hat noch viel vor sich", erklärte Meyer. Für ihn kam Ole Krog, der prompt für frischen Wind sorgte - nur das Tor fiel nicht mehr. Zwischenzeitlich hatte Homberg-Trainer von Zahn gleich doppelt gewechselt, brachte den jungen Makar Majorow und später Nael Aznar - doch das Offensivspiel der Gäste blieb, nun ja, theoretisch. Drei Torschüsse in 90 Minuten sprechen eine deutliche Sprache. "Wir wollten kontrolliert offensiv spielen", erklärte von Zahn nach der Partie und schmunzelte. "Das mit der Offensive müssen wir wohl nochmal definieren." In der Schlussphase drückte Wolfratshausen vehement, Gomes traf in der 90. Minute beinahe noch das Lattenkreuz, und Dembrovschi vergab kurz zuvor aus bester Position. Das Publikum stöhnte kollektiv auf - man konnte es bis zum Parkplatz hören. Als Schiedsrichterin Anja Becker abpfiff, sanken die Wolfratshausener Spieler auf den Rasen. Ein Spiel, das sie klar hätten gewinnen müssen, endete mit einem Punkt, der sich so gar nicht nach Belohnung anfühlte. Die Statistik sprach Bände: 17 Torschüsse, 57 Prozent Ballbesitz, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe - aber eben nur ein Tor. "Wenn du so viele Chancen hast und das Ding nicht machst, dann kannst du auch Lotto spielen", seufzte Trainer Meyer. Sein Kollege von Zahn konterte trocken: "Ich hab lieber einen Punkt als 17 Schüsse." Und so ging ein Abend zu Ende, an dem Wolfratshausen alles tat, um zu gewinnen - nur das Gewinnen selbst vergaß. Vielleicht hilft beim nächsten Mal weniger Schönheit und mehr Schmutz. Oder, wie es der junge Heinrich beim Rausgehen sagte: "Ich schieß das nächste Mal einfach zweimal." Ein Satz, der Hoffnung macht - und den Fans von Wolfratshausen Mut für den nächsten Spieltag gibt. Denn schöner Fußball ist gut. Effektiver ist besser. 08.04.643987 16:39 |
Sprücheklopfer
Ich gratuliere die Bayern.
Berti Vogts