// Startseite
| Gazeta Sportowy |
| +++ Sportzeitung für Polen +++ |
|
|
|
Es war einer dieser eiskalten polnischen Winterabende, an denen man sich fragt, warum man nicht einfach zu Hause geblieben ist. Doch 41.403 tapfere Fans in Pruszkow wussten, warum sie gekommen waren: Fußball mit Herz, Härte und gelegentlichem Chaos - und genau das bekamen sie beim 1:2 (0:0) ihres SK Pruszkow gegen Wista Plock am 26. Spieltag der 1. Liga Polen serviert. Die Partie begann, wie viele solcher Duelle beginnen: mit viel Einsatz, wenig Präzision und der Erkenntnis, dass auch Flanken ins Nichts eine Form von Angriff sind. Pruszkow-Trainer Stefan Petruck hatte seine Mannschaft zunächst defensiv eingestellt - "Wir wollten kompakt stehen und über die Flügel kommen", erklärte er hinterher, wobei sein Tonfall andeutete, dass der Plan auf dem Papier besser klang als auf dem Rasen. In der Anfangsphase hatten die Hausherren ein leichtes Übergewicht - zumindest im Willen. Linksverteidiger Charles Fraser prüfte bereits in der ersten Minute den gegnerischen Keeper Ulf Brun, der mit der Gelassenheit eines Mannes reagierte, der schon alles gesehen hat. Danach folgten mehrere Distanzversuche von Adrian Kosowski und Grzegorz Chalaskiewicz, die eher als Schneeballübungen denn als Torschüsse durchgingen. Wista Plock, trainiert von Bryan Adams - ja, so heißt er wirklich -, ließ sich Zeit, die Defensive zu sortieren. "Wir haben auf den Moment gewartet, in dem sie müde werden", grinste Adams später, charmant wie ein Mann, der weiß, dass die Pointe auf seiner Seite liegt. Seine Elf spielte kontrolliert, lauerte auf Konter - und fand ihren Rhythmus erst nach der Pause. In der 48. Minute war es dann soweit: Der flinke Rechtsaußen Francisco Butragueno veredelte einen perfekten Querpass von Franck Brun zum 0:1. Das Stadion verstummte kurz - außer einem kleinen Block Wista-Fans, die vermutlich gar nicht geglaubt hatten, dass ihr Team wirklich treffen würde. Pruszkow reagierte mit Wut, Stolz und einer Portion Verzweiflung. Petruck brachte in der 57. Minute den erfahrenen Rafael Acevedo für den glücklosen Dario Poggi - "Rafael hat ein gutes Gefühl für Chaos", so der Trainer halb im Scherz. Danach rollten die Angriffe wieder über rechts, wo Jerzy Augustyn den Turbo zündete und Flanke um Flanke in den Strafraum drosch. In der 81. Minute zahlte sich der Aufwand endlich aus: Amadeus Kowalik, bis dahin eher unauffällig, verwandelte eine butterweiche Vorlage von Constantin Furtok zum 1:1. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Kowalik, "und gehofft, dass niemand merkt, dass ich eigentlich mit links schießen wollte." Das Stadion tobte, die Zuschauer standen - endlich Lohn für den Aufwand. Doch wer in dieser Liga träumt, wird bestraft. Nur sechs Minuten später, in der 87. Minute, war es wieder Butragueno, der nach einer Ecke von Marcin Cyron den Ball eiskalt über die Linie drückte. 1:2 - eine kalte Dusche für Pruszkow und eine warme Umarmung für Wista Plock, das in dieser Schlussphase einfach abgeklärter wirkte. Die letzten Minuten waren geprägt von Gelben Karten (Zdebel, Cyron, Kosowski - alle mehr oder weniger verdient) und langen Bällen, die irgendwo zwischen Hoffnung und Verzweiflung schwebten. Torhüter Pedro Sousa versuchte es in der Nachspielzeit sogar selbst mit einem Kopfball nach vorne, aber Ulf Brun fing den Ball seelenruhig ab, als wolle er sagen: "Nicht heute, Freunde." Am Ende standen elf Torschüsse auf beiden Seiten, ein leichter Ballbesitzvorteil für Plock (53,6 Prozent) und ein Ergebnis, das die Tabelle spannender macht, als Petruck es lieb sein dürfte. "So ist Fußball", murmelte der Coach nach dem Abpfiff, "manchmal gewinnt halt der, der weniger Fehler macht - und wir haben heute viele gemacht." Bryan Adams dagegen summte auf dem Weg in die Kabine fast zufrieden - vielleicht nicht seinen berühmtesten Song, aber irgendetwas mit "It was a good night". Auf die Nachfrage, ob er denn wirklich der Sänger sei, grinste er nur und sagte: "Nur, wenn wir gewinnen." Ein Abend, der keinen Schönheitspreis verdient, aber dafür reichlich Geschichten liefert - von einem unermüdlichen Kowalik, einem eiskalten Butragueno und einem Publikum, das trotz Niederlage applaudierte. In Pruszkow weiß man eben: Auch wer verliert, kann das mit Stil tun. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen seufzte: "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Drama." Und Drama, das lieferte dieses Spiel in allen 90 Minuten. 26.11.643987 13:56 |
Sprücheklopfer
Wir haben gegen zwei Mannschaften gewonnen, die von sich behaupten, ein Titelkandidat zu sein. Aber es war doch geradezu abenteuerlich von Leverkusen, mit drei Punkten als Ziel nach Schalke zu kommen. Wir sind doch schließlich nicht der SV Grün-Weiß Köln-Kalk.
Rudi Assauer nach dem 1:0-Erfolg gegen Europapokalsieger Borussia Dortmund, eine Woche nach dem 2:1 gegen Vizemeister Bayer Leverkusen