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Wista Plock siegt mit Spätshow - Pruszkow verpasst das Wunder

Es war einer jener Abende, an denen man sich fragt, ob Fußball eigentlich planbar ist. 47.916 Zuschauer im Stadion von Wista Plock sahen am Donnerstagabend eine Partie, die alles hatte: frühe Euphorie, zähe Mitte, kurzes Zittern - und ein furioses Ende. Am Ende hieß es 3:1 (1:0) für die Hausherren gegen SK Pruszkow - ein Ergebnis, das deutlicher klingt, als es lange Zeit war.

Bryan Adams - nein, nicht der Sänger, sondern der Trainer von Wista Plock - hatte vor dem Anpfiff angekündigt: "Wir wollen gleich zeigen, wem das Stadion gehört." Seine Mannschaft nahm ihn wörtlich. Schon in der 7. Minute zappelte der Ball im Netz: Daan Tillman zog aus der zweiten Reihe ab, der Ball prallte an den Innenpfosten und trudelte über die Linie. Saruhan Toraman, der das Zuspiel gegeben hatte, riss die Arme hoch, als hätte er selbst getroffen.

Pruszkow wirkte überrascht, fast überrumpelt. "Wir wollten eigentlich erstmal ruhig reinkommen", murmelte Trainer Stefan Petruck später. Sein Plan, über die Flügel anzugreifen, blieb zwar auf dem Papier sichtbar, aber die langen Bälle fanden selten ihr Ziel. Dario Poggi, der quirligste unter den Gästen, versuchte es mehrfach, doch Torwart George Boyle im Plocker Tor ließ nichts anbrennen.

Die erste Halbzeit gehörte klar den Gastgebern. 52 Prozent Ballbesitz, sechs Torschüsse bis zur Pause - und drei Gelbe Karten, die zeigten, dass Wista auch körperlich Präsenz zeigte. Toraman, Obitz und Brun holten sich jeweils Gelb ab, was Adams nach dem Spiel mit einem Schulterzucken kommentierte: "Wir wollten aggressiv sein. Vielleicht ein bisschen zu sehr - aber lieber so als anders."

Nach dem Seitenwechsel kam Pruszkow mutiger aus der Kabine. Petruck brachte frische Flügelspieler, die Namen klangen wie aus einem Jugendroman: Yves Schäfer (18) und Marcello Amendolara (17). "Ich hab einfach gesagt: Geht raus und spielt, als wäre es der Schulhof", grinste Petruck. Und tatsächlich: Für ein paar Minuten sah es so aus, als könne die Jugend das Spiel drehen.

In der 72. Minute fiel dann das, was die Gäste-Fans so lange erhofft hatten: Poggi zog nach Pass von Adrian Kosowski von links nach innen und schlenzte den Ball ins rechte Eck - unhaltbar. 1:1, und plötzlich war das Stadion still.

Aber nur kurz. Denn was dann kam, war die Rückkehr der alten Hasen von Wista Plock. Toraman, der schon beim ersten Treffer Regie geführt hatte, nahm das Spiel nun endgültig in die Hand. In der 85. Minute steckte er einen Pass durch die Schnittstelle, Francisco Butragueno nahm ihn mit der Brust an und versenkte eiskalt ins lange Eck. Der Jubel war ohrenbetäubend - Adams sprang an der Seitenlinie wie ein Teenager nach seinem ersten Konzert.

"Saruhan sieht Dinge, die andere nicht mal träumen", sagte Butragueno später. Und Toraman selbst? "Ich wollte eigentlich auf die Tribüne schießen, aber Francisco war halt im Weg", grinste er - halb ernst, halb Legende.

Pruszkow warf in der Schlussphase noch einmal alles nach vorn, doch das Risiko rächte sich. In der Nachspielzeit (91.) konterte Wista gnadenlos. Wieder Toraman als Vorbereiter, diesmal auf Rui Simao, der den Ball humorlos in die Maschen drosch - 3:1, der Deckel drauf.

Die Statistik bestätigte den Eindruck: 13 Torschüsse für Plock, 7 für Pruszkow, 52,6 Prozent Ballbesitz für die Gastgeber. Eine Partie, die vielleicht kein taktisches Meisterwerk, aber ein Lehrstück in Effizienz war.

Trainer Adams fasste es nach dem Spiel trocken zusammen: "Wir haben offensiv gespielt, defensiv gedacht und am Ende einfach länger gelaufen." Petruck dagegen wirkte gefasst: "Wir sind jung, wir lernen. Heute haben wir gelernt, dass man Tillman und Toraman besser nicht so viel Raum lässt."

Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein älterer Fan beim Hinausgehen: "Das war kein Fußball. Das war Rock’n’Roll."

Vielleicht hatte er recht. Denn was Wista Plock an diesem Abend bot, war laut, wild und manchmal unkontrolliert - aber es brachte drei Punkte. Und das Publikum ging pfeifend nach Hause, in der Überzeugung, dass ihre Mannschaft nicht nur gewonnen, sondern auch unterhalten hatte.

Ein sarkastischer Reporter neben mir meinte zum Schluss: "Wenn Adams wirklich so weitermacht, muss man ihm bald eine Gitarre in die Hand drücken - damit er die Hymne selbst spielt."

Vielleicht tut er das ja nach dem nächsten Sieg.

07.07.643993 05:47
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