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Wista Krakau taumelt, Pruszkow tanzt: 2:5-Debakel in Krakau

Es war einer jener Abende, an denen man sich fragt, ob der Spielplaner von der polnischen Ligazentrale insgeheim Sympathien für SK Pruszkow hegt. Denn was die Gäste am Montagabend in Krakau veranstalteten, war weniger ein Fußballspiel als ein jugendlicher Wirbelsturm. Wista Krakau, immerhin mit 54 Prozent Ballbesitz die fleißigeren Statistiker, durfte zusehen, wie ein Haufen Teenager ihnen fünf Tore einschenkte - und das mit fast schon unverschämter Spielfreude.

Schon in der 9. Minute begann das Unheil: Der 17-jährige Nenad Zdravkovic, kaum alt genug, um in der Kabine einen Kaffee zu trinken, schlenzte den Ball nach Vorlage von Abwehrchef Veljko Ivic ins Netz. "Ich habe einfach Spaß am Spiel", grinste der Serbe später, während er noch immer mit einem Edding Autogramme auf fremde Unterarme kritzelte. "Vielleicht war’s Glück - oder eben Talent."

Doch Wista reagierte zunächst wütend und wach. Harrison MacRae, der 29-jährige Schotte im Dienste der Krakauer, traf nur fünf Minuten später zum Ausgleich, nach schöner Vorarbeit von Alfonso Viejo. Und weil MacRae an diesem Abend offenbar beschlossen hatte, seine Wut in Produktivität zu verwandeln, legte er in der 17. Minute gleich noch einen nach. 2:1, das Stadion bebte, 20.000 Zuschauer witterten die Wende. Trainer Stefan Petruck von Pruszkow schüttelte an der Seitenlinie nur den Kopf. "Ich sagte den Jungs: Ruhig bleiben. Die da vorne haben schöne Frisuren, aber wir haben Beine!"

Und tatsächlich: Ab der 30. Minute rollte die Pruszkower Maschine los. Joaquin Maniche, ebenfalls erst 19, traf zum 2:2. Vier Minuten später legte Domenik Szymkowiak nach - und weil es so schön war, schnürte der Teenager kurz vor der Pause (43.) auch gleich noch den Doppelpack. Halbzeit: 2:4. Man hörte, wie Wista-Torwart Kian Greenwald beim Gang in die Kabine leise murmelte: "Vielleicht hätte ich doch Banker werden sollen."

Nach dem Seitenwechsel rechneten viele mit einer Krakauer Reaktion. Stattdessen: der nächste Schlag. Pruszkows Routinier Rafael Acevedo, mit 32 Jahren der "Opa" der Mannschaft, netzte in der 47. Minute zum 2:5 ein - nach Vorlage des unermüdlichen Tomasz Mieciel (18). "Ich wollte zeigen, dass alte Knochen auch noch tanzen können", lachte Acevedo später in der Mixed Zone.

Danach war die Luft raus - zumindest auf Krakauer Seite. Zwar hatten sie mehr Ballbesitz, aber das Spiel gehörte den Gästen: 17 Schüsse auf das Tor, fast doppelt so viele wie Wista. Die Abwehr der Hausherren wirkte phasenweise wie ein schlecht synchronisierter Flashmob - jeder tat etwas, aber keiner wusste genau was.

In der 71. Minute wurde es bitter: Kapitän Benyamin Schulze, 35, humpelte nach einem Zweikampf vom Platz. "Ich hab’ das Knie gespürt, aber ehrlich: schlimmer war die Anzeigetafel", gestand er später mit Galgenhumor. Sein Ersatz, Beniamin Gorawski, brachte zwar frischen Willen, aber keine Wende.

Trainer Petruck, der nach dem Spiel auffallend gelassen wirkte, lobte seine jungen Wilden: "Wir spielen offensiv, über die Flügel, mit langen Pässen - das ist kein Geheimnis. Aber wenn du siehst, wie ein 17-Jähriger plötzlich die Abwehr schwindlig spielt, da verzeiht man auch mal einen Fehlpass."

Krakau hingegen hatte Mühe, die Fassung zu bewahren. "Wir hatten mehr Ballbesitz, mehr Kontrolle, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb", knurrte MacRae. "Vielleicht sollten wir das nächste Mal einfach weniger nachdenken und mehr schießen."

Am Ende blieb das Gefühl, dass hier eine Generationenfrage gestellt und beantwortet wurde. Die jungen Gäste spielten mutig, direkt und mit erstaunlicher Kaltschnäuzigkeit. Wista Krakau dagegen wirkte, als wolle man lieber den Ball streicheln, statt ihn ins Tor zu bringen.

Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierten selbst einige Krakauer Fans den Gästen - höflich, resigniert, fast erleichtert. Vielleicht, weil sie erkannten, dass da etwas Besonderes heranwächst in Pruszkow. Oder weil sie froh waren, dass es endlich vorbei war.

"Manche Spiele vergisst man", sagte Petruck beim Hinausgehen, "andere markieren den Anfang von etwas Großem." Wenn man den glitzernden Blicken seiner Teenager glaubt, könnte er recht behalten.

Und Wista Krakau? Die müssen nächste Woche wieder ran - hoffentlich gegen eine Mannschaft mit weniger Pubertät und mehr Rücksicht.

13.11.643987 17:58
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