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Wismut Aue tanzt Speldorf aus: Junge Wilde gewinnen 4:2

Manchmal sieht man ein Spiel, das weniger an Regionalliga C erinnert als an ein Fußballmärchen aus der Jugendakademie. Wismut Aue, mit einem Altersdurchschnitt, der kaum über dem des Führerscheinerwerbs liegt, hat am Freitagabend den VfB Speldorf mit 4:2 besiegt - und das durchaus verdient. 4102 Zuschauer im Speldorfer Stadion sahen eine Partie, in der die jungen Gäste aus dem Erzgebirge dem erfahrenen Gastgeber eine Lehrstunde in Spielfreude und Effizienz erteilten.

Dabei begann alles so verheißungsvoll für die Hausherren. In der 18. Minute zog Leandro Talarico aus gut 20 Metern ab - und weil Aues Keeper Nicolas Bergen wohl noch gedanklich beim Aufwärmen war, zappelte der Ball im Netz. 1:0, der Jubel groß, die Hoffnung auf Wiedergutmachung nach zuletzt zwei sieglosen Spielen lebendig. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, ehrlich!", grinste Talarico später, halb entschuldigend, halb stolz.

Doch die Antwort der Gäste kam prompt. Nur neun Minuten später stieg Wismuts Innenverteidiger Carl Nene nach einer Ecke am höchsten und köpfte wuchtig ein - der Assist kam vom quirlig-unkonventionellen Duarte Godino, der an diesem Abend gleich drei Tore vorbereitete. "Ich spiele einfach, was mir einfällt", sagte Godino später, und man glaubte es ihm sofort.

Spätestens mit Kai Darabonts Treffer in der 33. Minute kippte das Spiel endgültig. Der 18-Jährige, der aussieht, als müsse er eigentlich noch für die Schule lernen, sprintete nach Pass von Godino durch die Abwehr, legte den Ball am Torwart vorbei und schob cool ein. 2:1 für Aue - und plötzlich war das Selbstvertrauen der Erzgebirgler größer als der Speldorfer Flutlichtmast.

In der zweiten Halbzeit versuchte Speldorf, mehr Struktur ins Spiel zu bringen. Trainer Jakob Meier rief, gestikulierte, verzweifelte. "Wir haben das Pressing angesagt, aber keiner hat gedrückt", knurrte er später. Seine Mannschaft kam zwar zu Chancen - Ethan Gallagher prüfte Bergen mehrfach, Giulio Fili scheiterte knapp -, aber die Gäste blieben kaltschnäuzig.

In der 55. Minute setzte Robert Harsanyi, ebenfalls 18, den nächsten Nadelstich. Wieder war Godino der Vorlagengeber, wieder sah die Speldorfer Hintermannschaft nicht gut aus. 3:1, und auf der Tribüne wurde es still - abgesehen von den 50 mitgereisten Aue-Fans, die ihren Teenie-Sturm feierten.

Spätestens beim 4:1 durch Darabont (79.) war die Messe gelesen. Diesmal bediente ihn Frank Römer, der mit leichtem Grinsen meinte: "Ich wollte eigentlich flanken, aber gut, nehmen wir’s als Vorlage." Darabont selbst blieb bescheiden: "Zwei Tore sind schön, aber ich hätte gern noch eins gemacht."

Giulio Fili sorgte in der 83. Minute immerhin für kosmetische Korrektur: Nach einem Freistoß von Oscar Diaz stand er goldrichtig und drosch den Ball zum 2:4-Endstand ins Netz. Ein kurzer Hoffnungsschimmer, mehr nicht.

Statistisch passte das Ergebnis: Aue mit 14 Schüssen aufs Tor, Speldorf mit 10; Ballbesitz 54 zu 46 Prozent - kein Zufall, sondern Ausdruck der spielerischen Überlegenheit des Gastes. Nur die Gelbe Karte für Diaz (71.) erinnerte daran, dass Speldorf irgendwann auch körperlich dagegenhielt.

Nach Schlusspfiff versammelte Trainer Thomas Freitag seine Jungs in der Kurve, klatschte sie ab wie ein stolzer Vater. "Die Jungs haben heute gezeigt, dass Mut und Spielfreude mehr wert sind als Routine. Vielleicht auch, dass Schlaf vor Mathearbeiten überbewertet wird", schmunzelte er.

Speldorf hingegen muss sich fragen, wie man gegen eine halbe U20-Mannschaft vier Gegentore kassieren kann. "Wir haben uns vom Tempo überrumpeln lassen", gab Kapitän Erik Bergmann zu. "Wenn die losrennen, schaut man halt manchmal nur noch hinterher."

So steht am Ende ein verdienter Auswärtssieg für Wismut Aue, der in seiner Mischung aus jugendlicher Unbekümmertheit und taktischer Disziplin fast anrührend wirkte. Die Speldorfer Fans applaudierten sogar den Gegnern - ein seltenes Zeichen von Sportsgeist, oder vielleicht einfach Anerkennung für eine Mannschaft, die an diesem Abend alles richtig machte.

Und während Aue jubelnd in den Bus stieg, soll man im Speldorfer Kabinentrakt gehört haben, wie Trainer Meier tief seufzte: "Wenn man gegen Schüler verliert, ist man wohl in der falschen Klasse." Vielleicht ein Satz, den er sich später nicht mehr so gern zitieren lassen wird - aber einer, der das Spiel perfekt zusammenfasst.

30.06.643987 07:27
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Nevio Scala ist ein phantastischer Trainer und er hat eine tolle Mannschaft. Dortmund wird ganz sicher Weltmeister!
Giovanni Trappatoni
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