Canadian Soccer
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Windsor tanzt, Montreal stolpert: Astros demontieren Power mit 3:0

Es war ein frostiger Abend in Montreal, doch auf dem Rasen des Power Stadiums glühte der Ball - zumindest, wenn die Windsor Astros ihn führten. 26.884 Zuschauer sahen, wie die Gäste aus Ontario beim 3:0-Sieg am fünften Spieltag der 1. Liga Kanada die Gastgeber von Montreal Power regelrecht vorführten. Während Windsor zielstrebig, wendig und spielfreudig auftrat, wirkte das Team von Trainer Cristiano Ronaldo (ja, genau der!) oft wie in einem Werbespot für Ballbesitz ohne Wirkung.

"Wir hatten 54 Prozent Ballbesitz", seufzte Ronaldo nach dem Spiel mit trotzigem Stolz. "Aber Ballbesitz allein schießt keine Tore - das habe ich meinen Jungs auch gesagt. Leider haben sie mir zu gut zugehört, was das Schießen betrifft." Tatsächlich kam Montreal auf acht Torschüsse, was fast heroisch klingt, bis man erfährt, dass Windsor gleich 18 Mal auf das Tor zielte - und dreimal traf.

Der erste Stich der Astros kam in der 33. Minute. Der 19-jährige Mason Mayhew, der aussieht, als würde er noch nach der Schule trainieren, versenkte den Ball nach feinem Zuspiel des jungen Franck Ribery (17) trocken ins linke Eck. Ribery grinste danach: "Ich hab’ einfach geschaut, wo der Alte steht - also unser Trainer - und dachte, mach’s lieber schnell." Trainerin Nicole Kei lachte später auf der Pressekonferenz: "Franck meint mich natürlich. Ich hab’ ihn angebrüllt, er soll nicht zaubern, sondern flanken. Naja, er hat beides gemacht."

Montreal versuchte zu reagieren. Oscar Graysmark prüfte in der 40. Minute Windsor-Keeper Ewan Blanchard mit einem satten Schuss, doch der blieb cool wie ein kanadischer Wintermorgen. "Ich hab’ den Ball gar nicht gesehen, nur gespürt", witzelte Blanchard. "Aber Hauptsache, er war nicht drin."

Kurz nach der Pause dann der Knockout: In der 48. Minute schickte Christophe Gage mit einem perfekt getimten Pass den pfeilschnellen Aitor Eximeno auf die Reise, der den Ball an Montreals Torwart Alkinoos Konstantinou vorbeischob - 0:2. Während die Power-Verteidigung noch diskutierte, ob Abseits war, jubelten die Astros schon vor der Gästekurve.

Ab da war der Widerstand gebrochen. Montreal rannte weiter an, aber ohne Mut, ohne Genauigkeit. Ronaldo gestikulierte wild an der Seitenlinie, einmal schien er sogar kurz davor, selbst einzulaufen. "Ich überlegte, ob ich mich einwechseln lasse", sagte er später mit einem bitteren Lächeln. "Aber ich glaube, selbst ich hätte gegen diese Jungs alt ausgesehen."

In der 68. Minute setzte Windsor den Schlusspunkt: Der agile Christophe Gage krönte seine starke Leistung, indem er selbst traf - nach einer butterweichen Vorlage von Linksverteidiger Alain Prinz. 0:3, und das Spiel war gelaufen. Auf den Rängen wurde es still, nur die mitgereisten rund 200 Astros-Fans sangen noch.

Montreal verlor danach auch die Nerven. In den letzten 20 Minuten gab’s gleich drei Gelbe Karten: Gavriil Doxiadis (28.), Kamil Zytko (73.) und Oscar Caviness (78.) notierten sich die Schiedsrichter fleißig im Notizbuch. Windsor blieb dagegen diszipliniert - bis Joao Munoz in der 80. Minute eine Verwarnung kassierte, wohl aus Langeweile.

Taktisch zeigte sich der Unterschied klar: Während Ronaldo mit "Balanced" alles auf Kontrolle setzte - keine Pressing-Attacken, kein Risiko -, spielte Kei offensiv und mutig über die Flügel. "Wir wollten sie laufen lassen", erklärte sie nüchtern. "Wenn Power kein Pressing spielt, nehmen wir ihnen einfach den Strom."

In der Kabine der Power herrschte nach Abpfiff gedrückte Stimmung. "Wir hatten Chancen", murmelte der 17-jährige Kamil Zytko, "aber die sind halt alle zum Mond geflogen." Neben ihm schnaubte Mitspieler Marek Stevko: "Vielleicht sollten wir Raketenwissenschaft studieren."

Nicole Kei hingegen strahlte. "Ich bin stolz auf die Jungs", sagte sie und klopfte Mayhew auf die Schulter. "Drei Tore aus dem Spiel heraus, keine Geschenke - das ist stark." Ihre Spieler stimmten ihr zu, zumindest zwischen den Selfies auf dem Rasen.

Für Montreal bleibt die Erkenntnis: Ein berühmter Name an der Seitenlinie garantiert keine Punkte. Für Windsor dagegen war es ein Statement-Sieg - jugendlich, mutig, unverschämt effektiv.

Oder, wie Franck Ribery Junior es später auf dem Parkplatz formulierte: "Sie hatten Power im Namen, wir hatten sie im Spiel."

Und wer weiß - vielleicht wird man sich in Montreal noch lange an diesen Abend erinnern. Nicht, weil er so schön war, sondern weil man danach endlich beschlossen hat, wieder Fußball zu spielen statt Ball zu streicheln.

06.03.643987 07:44
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