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Wenn 58.584 Zuschauer einen warmen Januarabend in der Arena der Western Pioneers verbringen, dann wissen sie meist, dass etwas passieren wird - und sie sollten recht behalten. Mit einem furiosen 3:1-Sieg über die London Stars am 13. Spieltag der 1. Liga USA bestätigten die Pioneers ihren Ruf als das Team, das lieber früh Nägel mit Köpfen macht, als spät zu zittern. Schon in der 21. Minute donnerte Vincent Landry den Ball nach feinem Zuspiel von Filipe Martins ins Netz - ein Treffer wie aus dem Lehrbuch für "kontrollierte Wucht". "Ich wollte eigentlich flanken, aber manchmal hat der Ball eben seine eigene Meinung", grinste Landry nach Abpfiff. London-Keeper Benjamin Benett sah die Kugel erst, als sie schon jubelnd in der Kurve verschwand. Die Gäste aus London, von Trainerin Jacqueline Star gewohnt an gepflegtes Kurzpassspiel über die Flügel, fanden nie richtig in die Partie. Ihr offensives Konzept wirkte gegen die robuste, aber klug stehende Defensive der Pioneers wie ein filigranes Uhrwerk im Staubsturm. "Wir wollten über die Außen Druck machen, aber die Pioneers haben uns permanent die Linien zugestellt", seufzte Star später. In der 31. Minute folgte der nächste Nadelstich - und wieder kam er über die rechte Seite. Alberte Nissen, der 34-jährige Dauerbrenner mit der Laufleistung eines Marathonläufers, schlug eine butterweiche Flanke in den Strafraum. Nevio Calderon nahm Maß und drosch das Leder zum 2:0 in die Maschen. Und während die Londoner noch rätselten, wer eigentlich für Calderon zuständig war, hatte der schon wieder gelächelt, als wäre nichts passiert. Spätestens als Gustav Wirth kurz vor der Pause (43.) nach Vorarbeit von Filipe Martins auf 3:0 stellte, verwandelte sich die Arena in ein Tollhaus. "Ich hab nur den Fuß hingehalten", meinte Wirth später mit einem Augenzwinkern. "Aber das war bestimmt der schönste Fuß des Abends." Zur Halbzeit war die Partie praktisch entschieden. Die Pioneers hatten 55 Prozent Ballbesitz, 16 Schüsse auf das Tor - und die London Stars? Zehn Versuche, von denen die meisten eher Erinnerungsstücke für den Balljungen hinter dem Tor wurden. Trainer Walter White, sonst ein Mann der ruhigen Worte, zeigte sich zufrieden: "Wir haben Tempo gemacht, wir haben Räume gefunden - und wir haben endlich mal unsere Chancen genutzt. Das ist fast schon unheimlich." In Hälfte zwei kamen die London Stars etwas besser aus der Kabine. Nach einigen Wechseln und einer Standpauke ihrer Trainerin wirkte das Spiel strukturierter. In der 60. Minute belohnte sich Alfie Darabont, der auffälligste Angreifer der Gäste, mit dem Ehrentreffer. Nach feinem Pass von Callum Monroe schob er überlegt ein - 3:1. "Endlich hat mal einer unseren Plan gelesen", rief Star von der Seitenlinie halb erleichtert, halb spöttisch. Doch wer dachte, das Spiel würde nun kippen, irrte. Die Pioneers ließen sich nicht mehr beirren, standen kompakt und verlegten sich auf geschicktes Zeitmanagement. In der 68. Minute sah Gabriel Moti noch Gelb, weil er Darabont etwas zu rustikal stoppte - ein taktisches Foul der alten Schule. "Wenn’s sein muss, muss es sein", meinte der Verteidiger nach dem Spiel, "wir sind schließlich keine Tanzgruppe." Die letzten zwanzig Minuten gehörten wieder den Hausherren, die das Ergebnis souverän verwalteten. Nachwuchsstürmer Brandon Darabont (ja, der jüngere Bruder des London-Torschützen - die Familienfehde war ein hübsches Randdetail dieses Abends) durfte ab der 59. Minute ran und sorgte mit zwei gefährlichen Abschlüssen noch für Szenenapplaus. Statistisch gesehen war es ein verdienter Sieg: 55,7 Prozent Ballbesitz, 16 zu 10 Torschüsse, eine Zweikampfquote von 52,7 Prozent - und vor allem: ein klarer Plan. Die London Stars blieben zwar bemüht, aber wirkten über weite Strecken wie ein Orchester ohne Dirigent. Nach dem Abpfiff schüttelten sich die Teams fair die Hände. Walter White fasste den Abend mit trockenem Humor zusammen: "Wir wollten zeigen, dass wir mehr können als nur verteidigen. Jetzt müssen wir nur noch lernen, die zweite Halbzeit nicht wie einen Kaffeeklatsch anzugehen." Jacqueline Star hingegen blickte schon nach vorn: "Wir sind jung, wir lernen. Heute haben wir gelernt, dass man in dieser Liga keine 45 Minuten verschenken darf." So ging ein unterhaltsamer Abend zu Ende - mit drei Toren, viel Applaus und einem Gefühl, das man in diesem Stadion schon oft erlebt hat: Die Western Pioneers sind am gefährlichsten, wenn sie Spaß haben. Und den hatten sie reichlich. 16.06.643987 18:28 |
Sprücheklopfer
Das Positive war, dass wir hinten zu Null gespielt haben. Das Negative war, dass wir auch vorne zu Null gespielt haben.
Felix Magath